Erweiterung Alters- und Pflegeheim zur Rose und Neubau Alterswohnungen Reichenburg
Selektives Verfahren
Kirchweg, 8864 Reichenburg
Publikationsdatum
08.11.2017
Auftraggeber
Gemeinderat Reichenburg
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Isabel Manser, Hornberger Architekten AG,
- Alphons Wiederkehr, Wiederkehr Krummenacher Architekten AG,
- Christian Zimmermann, Zimmermann Architekten AG,
Sachrichter
- Andy Kistler, Vorsitz Preisgericht,
- Armin Kistler, Gemeindepräsident Reichburg,
- Matthias Radtke, Heimleiter APH zur Rose,
Wettbewerbsresultat
Umfang und Absichten
Der Projektwettbewerb umfasst die Gestaltung eines zentralen Bereichs im Dorfkern von Reichenburg. Es wird daher ein überzeugendes städtebauliches und architektonisches Projekt erwartet, das sich ins bestehende Ortsbild einfügt und eine Bereicherung für den Dorfkern von Reichenburg darstellt.
Insgesamt besteht das Zukunftsprojekt Alterszentrum Reichenburg (Lebensphasenkonzept) aus vier Teilaufgaben, die je für sich allein realisierbar sein müssen.
Gegenstand Projektwettbewerb:
• Teilweiser Umbau und Erweiterung Alters- und Pflegeheim
• Neubau Alterswohnungen
• Realisierung einer öffentlichen Tiefgarage
Empfehlungen
Die Jury stellt der Wettbewerbsveranstalterin den Antrag, die Verfasser des erstrangierten Projekts «La Vie En Rose» mit der Ausführung gemäss Bedingungen des Wettbewerbsprogrammes zu beauftragen.
Für die Weiterbearbeitung des Projekts sind der Projektbeschrieb und die nachfolgend aufgeführten Empfehlungen in die weitere Planung einzubeziehen:
• Die Breite der Tiefgaragenzufahrt ist zu überprüfen, insbesondere in Bezug auf die Erweiterung zur öffentlichen Tiefgarage.
• Im Gebäude Alterswohnungen sind die Raumhöhen im Dachgeschoss in Bezug auf die Kniestockhöhe zu überprüfen.
• Strassenabstand und Gebäudehöhe der Alterswohnungen sind mit den kantonalen Amtsstellen noch zu prüfen.
Rangierte Projekte
1. Rang «La Vie En Rose»
Die präzis gesetzte und kompakte südliche Erweiterung des bestehenden Alters- und Pflegeheims zur Rose und der parallel zur Strasse angeordnete Neubau mit Alterswohnungen fügen sich gut ins Dorfbild ein und bilden zusammen mit dem Bestand ein schönes und stimmiges Ensemble. Es entstehen wohlproportionierte Aussenräume und neue Wegverbindungen zum Dorf, sowie ein wertvoller und abwechslungsreicher «Rundlauf» um das Gebäude für die Bewohner.
Die neuen Aussenräume sind vielfältig und von unterschiedlichster Qualität: Vor dem Haupteingang dient rund um einen markanten Solitärbaum der «Marktplatz» als grosszügiger multifunktionaler Platz. Der «Brunnenhof» zwischen dem Erweiterungsbau und dem Neubau Alterswohnungen bildet die Verbindung ins Dorf und ist Treffpunkt für alle. Der neue Weg entlang des Rütibachs bindet das Alterszentrum besser ins Quartier ein. Die Arkaden werden in einer selbstverständlichen Art bis um den südlichen Anbau vor den Mehrzweckraum weitergezogen und übernehmen vielfältige Aufenthaltsqualitäten.
2. Rang «Hilo»
Der Bestand wird auf selbstverständliche Art durch einen südlichen Anbau an den Hauptbau und einen Ersatzneubau für das «Rössli» zum neuen Alterszentrum ergänzt. Durch den geschickten Versatz des Anbaus zum Bestand und die präzise Proportionierung der Bauvolumen werden die attraktiven und durchfliessenden Aussenräume in allen Richtungen gefasst und damit das gegliederte Bauvolumen gut in den Ortskern von Reichenburg integriert. Auf der Basis des gut durchdachten Erdgeschossgrundrisses und schöner, adressbildender Aussenbereiche im zentralen Hof und zur Hauptstrasse werden alle Bereiche vielfältig und sinnvoll erschlossen und durchgängig mit einem attraktiven Wegnetz verbunden.
Das Projekt leistet in vielen Belangen einen überzeugenden Beitrag zur gestellten Aufgabe und besticht insbesondere durch die einfache, atmosphärisch reichhaltige und gut funktionierende Gesamtdisposition und eine generell sehr sorgfältige Durcharbeitung.
3. Rang «Arco»
Aus einer genauen Lektüre der Situation wird ein Konzept entwickelt, dass auf zwei wesentliche ortsspezifische Eigenheiten gleichermassen schlüssig reagiert. Einerseits respektiert das Projekt das bestehende, öffentliche Ensemble um den parkähnlichen Freiraum mit Heim, Kirche und Schule: Ein Erweiterungsbau ergänzt geschickt das bestehende APH. Er ordnet sich durch seine Kompaktheit und die leicht abgewinkelte Setzung dem bestehenden Gebäude unter. Gleichzeitig entsteht eine gut proportionierte Grossform, die hier die Stellung des APH bewusst stärkt. Andererseits reiht sich das separate Neubauvolumen für die Alterswohnungen längs der Kantonsstrasse auf selbstverständliche Art ein in die bestehende Häuserstruktur.
Zusammen mit den bestehenden Alterswohnungen bilden die neuen Gebäude ein dörfliches Ensemble mit einer spannungsvollen Dichte und verschiedenen Durchblicken zwischen den Häusern. Gleichzeitig definieren die beiden Wohnbauten einen zusätzlich neuen Zugang zur Gesamtanlage. Getrennt vom Verkehr werden die Bewohner von hier unter einer Arkade bis zum Haupteingang des APH geführt, wo die heutige Vorplatzsituation unverändert bleibt.
Insgesamt stellt der Entwurf einen wertvollen Beitrag zur gestellten Aufgabe dar. Seine Stärke lieg im ortsbaulichen Konzept und in seiner kompakten architektonischen Komposition. Im Innern erreicht das Projekt allerdings durch die teilweise zu engen Platzverhältnisse nicht die gleiche, hohe Qualität.
Redaktion: Antonio Sedda