Wohnen «Studio Basel Bruderholz»
Einladungsverfahren
2 Novarastrasse, 4059 Basel
Publikationsdatum
27.04.2017
Auftraggeber
Radio- und Fernsehgenossenschaft Basel (RFB)
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Roger Diener (Diener & Diener Architekten, Architekt (Vorsitz)),
- Marianne Burkhalter (Burkhalter Sumi Architekten, Architektin),
- Beat Aeberhard (Kantonsbaumeister),
- Lukas Schweingruber (Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH, Landschaftsarchitekt),
- Jürg Degen (Planungsamt),
Sachrichter
- Niklaus Ullrich (RFB, Präsident SRG Region Basel),
- Daniel Stoller (RFB, SRG Immobilien),
- Andreas Dürr (RFB, SRG Region Basel),
Wettbewerbsresultat
Das Areal «Studio Basel Bruderholz» an der Novarastrasse 2 in Basel wird im Jahr 2019 freigestellt und soll für Wohnen neu genutzt werden.
Weil sich die bestehenden Gebäude nicht für eine Wohnnutzung eignen, wird eine attraktive Neuüberbauung angestrebt, welche sich dank quartierverträglicher Körnung der Baukörper und Durchgrünung gut einordnet.
Empfehlung
Gestützt auf die Beurteilungskriterien empfiehlt das Beurteilungsgremium einstimmig, das Projekt von Morger Partner weiter zu bearbeiten und zu realisieren.
Das Beurteilungsgremium bringt für die Weiterbearbeitung des Projektes folgende Empfehlungen an:
- Die Begegnungszone im Innenhof ist stärker auszuformuliernen. Die Gebrauchstauglichkeit des gemeinschaftlichen Freiraums soll gewährleistet werden, ohne die Bildhaftigkeit des Entwurfs zu beeinträchtigen.
- Die Wirtschaftlichkeit ist zu verbessern. Das Untergeschoss weist ein zu grosses Volumen auf. Es ist zu prüfen, ob mit einer Aufteilung der Tiefgarage in zwei separat erschlossene Bereiche eine bessere Lösung erreicht werden kann. Des Weiteren besteht auch in der Materialisierung der Fassade Potenzial zur Reduktion der Baukosten.
- Es ist zu prüfen, ob entlang der Novarastrasse ein Gemeinschaftsraum erstellt werden kann, der die Schnittstelle zum Quartier herstellt. Die Lage der Tiefgaragezufahrten ist diesbezüglich genau abzuwägen.
- Das Projekt ist so anzupassen, dass der gesetzliche Grenzabstand gegenüber den beiden seitlichen Grundstücksgrenzen eingehalten wird.
Projektbeschriebe
Morger Partner (zur Weiterbearbeitung empfohlen)
Morger Partner AG, Basel | Fontana Landschaftsarchitektur GmbH, Basel
Inspiriert von den Reihenhaussiedlungen der vorherrschenden Siedlungstypologie in der Umgebung, schlagen die Verfasser zwei typologisch gleiche, dreigeschossige Zeilenbauten vor. Diese sind präzise in die Topographie des Grundstücks eingepasst. Die identisch wirkenden Zeilenbauten werden in der Längsstruktur gegliedert, einerseits durch ein Splitlevel System, andererseits mittels Höhendifferenzen der Geschossdecken.
Die Grundrisse sind raffiniert ineinander verschachtelt und überlagert, sodass die einzelnen «Häuser» nicht mehr ablesbar sind. Durch Vor- und Rücksprünge derselben wird dies zusätzlich verstärkt. Das Bild der repetitiven Aneinanderreihung nahezu identischer und in ihrer äusseren Erscheinung als Reiheneinfamilienhäuser erkennbaren Wohneinheiten «widersprechen» scheinbar dem Grundriss der einzelnen Wohnungen.
Im Längsschnitt sind diese Höhendifferenzen topographisch bedingt. Sie zeigen ein komplexes System von Überlagerungen, die je nach Situation in den Wohnungen im dritten Obergeschoss und im Parkhaus überhöhte Räume generiert. In den Untergeschossen führt dies zu allzu grossen Bauvolumen.
Der dem Entwurf zugrunde liegende manipulierte Kreuzgrundriss generiert verschiedene Zuordnungen der Räumlichkeiten. Es entstehen interessante Wohnungszuschnitte, die je durch nischenhafte Tagesräume und den lateral angeordneten, abtrennbaren Schlafräumen gekennzeichnet sind. Grosszügig erlebbare Raumsequenzen, Nischen und Durchsichten sind die räumlichen Qualitäten der Wohnungen. Dabei ist die Küche einmal im Westen und einmal im Osten angeordnet. Die eingezogenen Loggien liegen einmal zur Strasse, einmal zum Gartenraum. Das Wechselspiel von Morgen- und Abendlicht wird dadurch bei jeder Wohnung auch aussenräumlich erlebbar gemacht; eine kleine Erfindung, die die Privatsphäre der einzelnen Wohnungen unterstützt.
Alle Häuser sind über Wege zum Park erschlossen und sind gross genug, um Fahrräder und Kinderwägen oder ev. einen Gemeinschaftsraum unterzubringen.
Die zwei Zeilen spielen einen Gartenraum frei, der sich nahtlos in die Umgebung einfügt. Dessen Kleinstrukturiertheit steht im Massstab der umgebenden Gärten und schafft ein differenziertes Bild, das es zu pflegen gilt und entscheidend sein wird für den Erfolg der Siedlung. Zweifel bestehen in der Gebrauchstauglichkeit des Bildes. Es soll nicht nur schön sein, sondern auch ein lebendiger Ort werden. Das feine Wegsystem verwebt die einzelnen Zellen der Zeilen sinnvoll miteinander. Wünschbar ist zudem eine stärkere Anbindung an das Quartier. Der Übergangsbereich zur Novarastrasse bietet das Potenzial, hier einen Mehrwert für das ganze Quartier zu schaffen.
Der Entwurf zeigt ein komplexes System, welches architektonisch kraftvoll und präsent im Quartier ein ruhiges Gesamtbild schafft, das zu überzeugen vermag. Die grosse Kollektivform und das individuelle Wohnen passen hervorragend ins Quartier Bruderholz.
Buchner Bründler Architekten
Buchner Bründler Architekten, Basel | antón & ghiggi landschaft architektur, Zürich
Abgeleitet aus einer geschichtlichen Herangehensweise schlagen die Verfasser eine umklammernde Grossform vor. Das Bild des Konvents als multifunktionaler Gebäudetyp, vereint in einer Grossform, dient den Verfassern nebst der Entstehungsgeschichte des Radio Studio Basels und seiner Spezifikation als Sonderbau auf dem Bruderholz als Referenz und Konzeptidee...
Insgesamt überzeugt das Projekt durch seine feine Abstimmung und Staffelung der Volumetrie, die qualitativ hochstehende architektonische Umsetzung der Wohnungsgrundrisse und das historische Bewusstsein der Verfasser. Das Projekt hat einen wesentlichen Beitrag zu einer vertieften Diskussion des Beurteilungsgremiums im Hinblick auf städtebauliche Fragenstellungen des Studienauftrags sowie auch auf die Bedürfnisse und Potenziale des Freiraums geleistet.
Harry Gugger Studio
Harry Gugger Studio, Basel | Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich | ERNE Holzbau | Waldhauser & Hermann AG | Hecht IMMO AG
Die Verfasser gehen archäologisch vor. Ihr Credo ist, die Stimmung und Schönheit des grünen Korridors als landschaftsarchitektonischer Zeitzeuge zu bewahren und neu zu interpretieren. Er ist das prägende Merkmal des Entwurfs. Als kultivierte «wilderness» wird er zum konstituierenden Element zwischen den Häuserzeilen. Gleichzeitig werden die «foot-prints» des Bestands grösstenteils übernommen. Bestehende Kellergeschosse bilden weitgehend die Baugruben der unterirdischen Parkierung. Auch die Gebäudestruktur orientiert sich in Tiefe und Lage an der vorgefunden Situation. Aus dieser Entwurfsstrategie resultieren zwei verschiedene Gebäudestrukturen...
Die Stärke des Entwurfs liegt in der feingliedrigen tektonischen Gestalt der Baukörper, deren Schlichtheit, Stimmung und Atmosphäre, die zusammen mit dem wilden Garten zu einem Ganzen werden. Ein starkes Bild, das jedoch als zu autark und zu spezifisch empfunden wird.
Jessenvollenweider Architektur
Jessenvollenweider Architektur, Basel | August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten AG, Binningen | Oekoskop AG, Basel
Die Verfasser schlagen ein Ensemble aus drei Gebäudetypen vor, die sich um den innenliegenden Grünraum gliedern. Die Schäublinstrasse wird mit einem langen, dreigeschossigen, eher starren Riegel und einem kürzeren, zweigeschossigen Reihenhaus-Typ bebaut. Das Reihenhaus wird leicht von der Strasse zurückgesetzt und macht Platz für quartiertypische, üppig bepflanzte Vorgärten. Der dritte Baukörper liegt entlang der Marignanostrasse. Dieser reagiert in Form einer differenzierten, stimmigen Staffelung in der Höhe und Tiefe auf die Topographie und die Umgebung. Das Ensemble kommt vielseitig daher, wirkt vom Gesamtbild aber nicht wie eine Einheit und droht in seine «Einzelteile» zu zerfallen...
Das Projekt nimmt viele typische Elemente des Quartiers in sich auf und regt eine Diskussion zur gesuchten Wohnform und Gebäudetypologie an. Die Verfasser versuchen viele Ideen in einem Projekt zu vereinen, was zusammen mit der bewusst abstrakt gehaltenen Gestaltung zu einem wenig einladenden Ganzen führt.
Sauter von Moos Architekten
Sauter von Moos Architekten GmbH, Basel | Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich | Schnetzer Puskas Ingenieure | Waldhauser + Hermann | Feroplan
Die Verfasser schlagen vor, die Parzelle des Studio Basels mit einer organischen Grossform, die sich nicht an den Strassen orientiert, zu bebauen. Das neue Volumen hebt sich in seiner grossmassstäblichen, figurativen Exklusivität ab von der angrenzenden kleinteiligen Bebauung. Das neue Bauvolumen besetzt das Gelände und definiert vier unterschiedliche Seiten mit «Vorhöfen»...
Der Projektvorschlag besticht durch seine auf allen Ebenen sorgfältig und detailliert dokumentierte Ausarbeitung. Es handelt es sich um eine architektonisch stimmige Gestaltung für eine einzigartige Wohnüberbauung, welche jedoch im Quartierkontext nicht zu überzeugen vermag.
Text: Auszug aus dem Jurybericht