Wohn- und Geschäftsüberbauung Tramdepot Burgernziel, Bern
Offenes Verfahren
26 Segantinistrasse, 3006 Bern
Publikationsdatum
18.02.2016
Auftraggeber
Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Marie Noëlle Adolph (Landschaftsarchitektin FH BSLA, Meilen),
- Andrea Grolimund (Architektin ETHZ , Wettingen),
- Sibylle Heusser (Architektin ETHZ, Tremona),
- Walter Ramseier (Architekt SIA/BSA, Zürich),
- Peter Sigrist (Architekt SIA/BSA, Zürich),
- Andreas Sonderegger (Architekt SIA/BSA, Zürich),
- Martin Spühler (Architekt SIA/BSA, Zürich),
Sachrichter
- Adrian Haas, BK Wohnbaufonds (Vorsitz)
- Elisabeth Schneller (Mitglied BK Wohnbaufonds),
- Jürg Probst (Von Graffenried AG Liegenschaften),
- Daniela Conca (Bereichsleiter Immobilienmarkt und Recht, Liegenschaftsverwaltung),
- Rainer Hayoz (Matrix Immobilien, Bern),
- Mark Werren (Architekt ETH/SIA, Stadtplaner, Bern),
Wettbewerbsresultat
Seit 1901 haben die Berner Verkehrsbetriebe Bernmobil das Areal des Tramdepots Burgernziel genutzt. Im Sommer 2014 soll das Baurecht an die Stadt zurückfallen und so eine Stadtverdichtung auf dem insgesamt 112.000m² grossen Schlüsselgrundstück im Kirchenfeldquartier ermöglichen. Dort wollen der Fonds für Bodenund Wohnbaupolitik als Eigentümer mit der Überbauung ein Zeichen setzen und die Stadt Bern die eigenen wohnbaupolitischen Ziele verfolgen, ein Drittel der Wohnnutzung als gemeinnützigen Wohnraum zu erstellen und zu betreiben.
Die Stadt selbst hat das Motto «So viel Nutzung wie qualitativ gut möglich» ausgegeben und die künftigen Nutzungsmöglichkeiten in einer Machbarkeitsstudie abklären lassen: Demnach können gut 12.000m² Bruttogeschossfläche (BGF) mit etwa 100 Wohnungen und rund 3700m² BGF für Dienstleistungsnutzungen entstehen, was einer Ausnützungsziffer von 1.3 entspricht. Der erfreulicherweise offen ausgeschriebene einstufige Projektwettbewerb brachte mit 49 Projekten eine grosse Bandbreite an Lösungsvorschlägen. Dabei zeigt sich, dass nur zwölf Projekte unter dem erwarteten Nutzungsmass bleiben; 37 Entwürfe überschreiten den Zielwert um bis zu 4700m². Ein Indiz, dass im Sinne einer verdichteten, urbanen Bauweise mehr möglich wären. 28 Teams verzichteten auf eine zweite Bauetappe und schlugen vor, das bestehende Gebäude an der Staufferstrasse zu erhalten und zu renovieren. Zählt man die 18 Wohnungen in diesem Gebäude mit, bleiben acht Entwürfe unter den geforderten 100 Wohnungen, während 23 Beiträge bis zu 110 und 18 Projekte sogar mehr als 110 Einheiten erreichen. Zwei Teams schlugen ausserdem eine Teilerhaltung des Tramdepots vor, konnten die Jury jedoch weder durch die räumliche Konfiguration noch durch die Einbettung ins Quartier überzeugen.
Mit dem Projekt «Bärn Ost» von ds.architekten aus Basel hat die Jury einen differenzierten Gebäudekomplex zur Überarbeitung ausgewählt, der das gesamte Areal neu besetzt. Die Überbauung nimmt Richtungen der umgebenden Stadtstruktur auf und nutzt sie zur Schaffung einer räumlich reichhaltigen Baustruktur. Entlang der lauten Thunstrasse reagieren die Entwerfer mit einem durchlaufenden viergeschossigen Gebäude, das im Osten mit einem fünfstöckigen Kopfbau endet. Die rückwärtigen dreigeschossigen Gebäudeteile nehmen die Richtung der südlich angrenzenden Bebauungsstruktur auf und fassen drei Höfe. Zehn Treppenhäuser erschliessen unterschiedliche Wohnungstypen sowie im Erdgeschoss eine Waschküche und einen Velo- und Kinderwagenraum, sodass eine gute soziale Durchmischung entstehen kann. Eine grosse Freifläche bindet den erhaltenen Altbau ein. Laut Quartiervertreter Lukas Gutzwiller freut sich auch die Anwohnerschaft auf ein Projekt, das die Durchlässigkeit im Quartier verbessert und Platz für einen Quartiertreff, eine Kita, ein Restaurant und einen Laden bietet. Nach der Überarbeitung in Begleitung von drei Fachpreisrichtern werden in einem Auswahlverfahren ein oder zwei Investoren zur Realisierung bestimmt – möglicherweise ist dann tatsächlich ein gemeinnütziger Wohnungsbauträger darunter.
Alexander Felix Architekt