Umbau und Erweiterung des Alters- und Pflegeheims Dankensberg in Beinwil am See
Selektives Verfahren
Dankensbergerstrasse 12, 5712 Beinwil am See
Publikationsdatum
16.12.2016
Auftraggeber
Stiftung Dankensberg
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Andreas Graf (dipl. Arch. ETH SIA, Liechti Graf Zumsteg Architekten AG),
- Monika Jauch-Stolz (dipl. Arch. ETH SIA, MMJS Jauch-Stolz Architekten AG),
- William Steinmann (dipl. Arch. ETH SIA, W. Steinmann dipl. Architekt ETH SIA AG),
- Oliver Eichenberger (dipl. Arch. HTL/FH),
Sachrichter
- Hans Schärer (Präsident Stiftungsrat Dankensberg (Vorsitz)),
- Peter Lenzin (Gemeindeammann Beinwil am See),
- Stephan Weber (Vizepräsident Stiftungsrat Dankensberg),
Wettbewerbsresultat
Organisation
William Steinmann, Dipl. Architekt ETH SIA
Ausgangslage
Der Stiftungsrat hat beschlossen das Haus A rückzubauen. Damit wird Raum geschaffen, um das Alters- und Pflegeheim Dankensberg mit einem Neubau mit 28 Einerzimmern zu ergänzen.
Die Zimmer im Haus B sind viel zu klein und verfügen über keine eigenen Nasszellen. Das Haus B ist deshalb umzubauen, mit dem Ziel Zimmer zu erhalten, die dem heutigen Standard entsprechen. Im Haus B können in beiden Geschossen nur jeweils 4 bis 5 Zimmer realisiert werden.
Im Neubau sind es 2 mal 14 Zimmer. Damit für den Betrieb eine wirtschaftlich optimale Grösse erreicht werden kann, muss das 1. und 2. Geschoss des Neubaus mit den beiden Geschossen des Hauses B direkt und behindertengerecht verbunden werden.
Daraus ergibt sich eine betriebswirtschaftliche sinnvolle Grösse mit 2 Pflegestationen mit jeweils 18 bis 19 Betten. Die Räumlichkeiten und ihre Gliederungen sowie die Einrichtungen und deren betrieblichen Zusammenhänge sollen auf die Bedürfnisse der Bewohner, der Mitarbeitenden und der Besucher des Alters- und Pflegeheimes Dankensberg abgestimmt und optimal erfüllt werden.
Teilnehmerauswahl
Im Rahmen des Präqualifikationsverfahrens sind 83 Bewerbungen eingegangen. Das Beurteilungsgremium hat in Übereinstimmung mit den definitiven Eignungskriterien 7 Teilnehmer für das Wettbewerbsverfahren ausgewählt.
Empfehlung
Das Beurteilungsgremium beschloss einstimmig, nach sorgfältiger Abwägung aller Vor- und Nachteile und den vorgegebenen Kriterien, das Projekt «Edmund» zur Weiterbearbeitung zu empfehlen.
Rangierte Projekte
1. Rang «Edmund» (Fiechter & Salzmann Architekten)
Die Erweiterung wird seitlich an das Haus B angedockt, welches südseitig um zwei Raumschichten erweitert und einer neu entstehenden, aus zwei gegeneinander versetzten Quadern bestehenden Gesamtfigur einverleibt wird, welche dank ihrer Grösse nicht lediglich als weitere Bauetappe eines heterogenen Ensembles, sondern als identitätsstiftender Hauptbau wahrgenommen wird. Die volumetrische Disposition erweist sich darüber hinaus als äusserst raffiniert. So entsteht nach Süden eine an die Gründervilla gemahnende, repräsentative Gartenfassade mit Loggia, während der Rücksprung an der Dankensbergstrasse eine – aufgrund der Programmvorgaben allerdings nicht ausformuliert - Zugangsgeste andeutet. Der Garten mit der prächtigen Baumgruppe, welcher nebst der Seesicht zweifellos die Hauptqualität dieses Ortes darstellt, bleibt dank des kompakten Baukörpers praktisch in seiner heutigen Grösse erhalten und soll durch zusätzliche gartenarchitektonische Elemente aufgewertet werden.
Im Erdgeschoss findet sich eine zum Garten orientierte, gut proportionierte und vielseitig bespielbare Raumfolge von Foyer, Speisesaal, Lounge und Mehrzweckraum. Leider verhindert der Raum für die Personalgarderobe eine Öffnung des Foyers zur Dankensbergstrasse hin mit dem Potential, dem Haus nach Norden ein einladenderes Gesicht zu verleihen. Der in der Innenperspektive dargestellte Ausbau ist sehr sorgfältig ausgearbeitet und verspricht eine hohe Wohnqualität.
Die beiden Pflegegeschosse sind übersichtlich und mit kurzen Erschliessungswegen effizient organisiert. Die Zimmer weisen gute Proportionen auf. Eine grosse Qualität stellen die Aufenthaltsräume mit Seeblick dar. Der Vorschlag eines Balkons wird begrüsst, allerdings wirkt dieser fragil und bietet wenig Geborgenheit und Schutz. Das Stationszimmer liegt zu peripher. Es ist wahrscheinlich nicht möglich, die bestehende Treppe in den Obergeschossen aufzuheben, da zwei vertikale Fluchtwege erforderlich sind.
In der Fassade werden Elemente der Bestandesbauten übernommen, so etwa die zu Gruppen zusammengefassten Zimmerfenster oder der weisse Putz. Dadurch wird die Identität des heute heterogen wirkenden Gebäudeensembles gestärkt, was positiv beurteilt wird. Dennoch vermag die Fassadengestaltung in vielerlei Hinsicht noch nicht zu überzeugen. Der umlaufende, mosaikverkleidete Sockel führt an der Strassenfassade zu eigenartigen Proportionen. Die gedrungenen, mit Gewänden gefassten erdgeschossigen Öffnungen an der Südfassade, erzeugen nicht die Anmutung einer Gartenloggia und der Dachrand wirkt missproportioniert. Zudem wäre anstelle der vorgeschlagenen Kompaktfassade eine hochwertigere Konstruktion zu wünschen.
Das Projekt stellt auf allen Ebenen – von der ortsbaulichen Setzung, über die innere Organisation, bis zur vorgeschlagenen Stimmung – einen ausgereiften Vorschlag dar. Mit der Erweiterung gelingt es, die vorhandenen Qualitäten der Anlage zu wahren und ein neues Ganzes zu schaffen.
2. Rang «sumatra» (amrein giger architekten)
Die Verfasser platzieren auf dem westlichen Perimeterbereich, unter optimaler Achtung und Freihaltung des Parks, einen dreigeschossigen Baukörper. Somit behalten die Zimmer im Trakt C den attraktiven Park als Aussichtsvordergrund. Der Hauptzugang bleibt, wie im Programm gefordert, im Kopfbau des Hauses D.
Der Umgang mit dem Haus B ist nicht auf allen Geschossen gleich sorgfältig und somit gleich realistisch. Der Einbau von Zimmern bedeutet, dass die vertikale Haustechnikverteilung grosse Eingriffe mit sich bringen wird. Die Altlast einer durchgehenden Geschossdecke wird insofern gut gelöst, als eine Rampe eingefügt wird und die neuen Geschosse über vernünftige Raumhöhen verfügen. Eine Übereckführung der Rampe ist aber nachteilig. Zudem ist der schmale Korridor unattraktiv. Die beiden Zimmer erscheinen von der Station abgehängt. Das Versinken lassen des Walmdaches in das Flachdach ist gestalterisch nicht befriedigend.
Das Erdgeschoss des Neubaus ist attraktiv. Der Park wird bei der Grundrissgestaltung mit einbezogen. Bei einem solchen Nutzungsschwerpunkt wäre es aber sinnvoll, die Zugänglichkeit von aussen zu attraktivieren. Das Layout der Zimmergeschosse ist sinnvoll und übersichtlich. Lange und schmale Korridore werden vermieden. Das Aufteilen der Verwaltung auf mehrere Geschosse, im Kopfbau D, ist betrieblich schwierig.
Das kompakte Neubauvolumen lässt moderate Erstellungskosten erwarten. Hingegen ist der Umbau mit dem Haus B aufwendiger.
Das Erscheinungsbild, als eigenständiger eine neue Bauepoche markierender Baukörper, trägt wenig zur Einheitlichkeit des Gesamtbetriebes bei. In sich mag die Materialität durchaus möglich sein, im Ensemble wird aber eine Einheitlichkeit vermisst.
Gesamthaft beurteilt, überzeugt der Vorschlag in der ortsbaulichen Setzung und im Umgang mit dem Park. Die Zimmergeschosse sind attraktiv.
3. Rang «gilberte» (Stump & Schibli Architekten)
Das Projekt führt die Typologie der fingerartigen, nach Süden gerichteten Erweiterungsbauten fort. Ein sorgfältig proportionierter, zweigeschossiger Baukörper wird in den heutigen Garten gesetzt und über einen verglasten Zwischentrakt, welcher als verbindendes Foyer dient, mit dem Haus C verbunden. Dadurch entsteht für die neuen Zimmer eine ähnliche Qualität gartennahen Wohnens wie im Bestandsbau. Der Preis dafür ist allerdings, dass der Garten in seiner heutigen Form verloren geht. Zwischen den Häusern verbleiben Resträume, welche wenig Aufenthaltsqualität bieten...
4. Rang «Tante Grün» (Stoos Architekten)
Es liegt nahe an dem Namen des Projektes - «Tante Grün» – die Ergänzung «kümmert sich um den Garten» anzuhängen, denn der Name wiederspiegelt den subtilen Umgang mit der bestehenden Grünanlage des Areals Dankensberg. Auf wertvolle Aussenräume wird maximal Rücksicht genommen und der Park mehrheitlich erhalten.
Durch das Einverleiben des Haus B entsteht ein Gebäude, welches die Arealstruktur sichtlich verändert. Die bestehende Anlage des Dankensbergs wird somit durch ein Gebäude erweitert, welches mit dessen Volumen prägend sein wird.
Mit der Integration des Haus B in das neue Bauvolumen löst das Projekt entstandene Probleme aus der Historie elegant...
Obschon die Atriums-Lösung sicherlich zu schönen räumlichen Situationen führt, ist die Umsetzung in diversen Belangen in Anbetracht der vorgesehenen Nutzung zu hinterfragen (Brandschutz, Akustik, etc.)...
Die Vorgabe war eine optimale Kosten/Nutzenlösung zu entwerfen. Der gewählte, sehr interessante Lösungsansatz ergab aber einen extrem hohen umbauten Raum. Dieser kann sich die Bauherrschaft schlichtweg nicht leisten.