Umbau und Erweiterung Alterszentrum Bühli, Ennenda
Selektives Verfahren
Bühli 30, 8755 Ennenda
Publikationsdatum
12.08.2016
Auftraggeber
Alters- und Pflegeheime Glarus (APG) Alterszentrum Bühli
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Monika Jauch-Stolz, dipl. Arch. ETH/SIA, MMJS Jauch-Stolz Architekten AG, Luzern,
- Marco Giuliani, dipl. Arch. ETH/SIA, Bob Gysin + Partner BGP Architekten ETH SIA BSA, Zürich,
- Stefan Hauswirth, dipl. Arch. ETH/SIA, Hauswirth GmbH Architekten ETH SIA, Zürich,
- Marie-Noelle Adolph, Landschaftsarchitektin FH SIA BSLA, manoa Landschaftsarchitekten GmbH, Meilen,
- Jacques Hauser, dipl. Arch. ETH, Hauser + Marti AG, dipl. Architekten ETH SIA, Glarus,
Sachrichter
- René Chastonay, Verwaltungsratspräsident, Alters- und Pflegeheime Glarus (APG),
- Jeanette van Dijk, Validationstrainierin + Fachfrau Gerontologie, Stäfa,
- Ronald Leuzinger, Geschäftsleitungsmitglied APG, Geschäftsleiter Alterszentrum Bühli,
- Markus Rusterholz, Markus Rusterholz Geschäftsleitungsmitglied APG, Geschäftsleiter Alterszentrum Bergli,
Wettbewerbsresultat
Aufgabenstellung
Auf dem Grundstück Kat. Nr. 1573, Bühli 30 in Ennenda soll als Ergänzung zum bestehenden Alterszentrum ein «Kompetenzzentrum Demenz» realisiert werden. Dazu soll in einer ersten Etappe eine Demenzabteilung mit 12 Pflegebetten, einem Rückzugszimmer und geschütztem Aussenraum in einem Erweiterungsneubau realisiert werden. Ausserdem soll das bestehende Alterszentrum Bühli mit zusätzlichen Administrationsräumen, einem neuen Speisesaal, Personalgarderoben, diversen Lager-, Material- und Putzräumen sowie einer Werkstatt ergänzt werden. Schliesslich ist von den Teilnehmenden aufzuzeigen, wie sich in einer späteren, zweiten Etappe eine Erweiterung der Demenzabteilung um weitere 12 Pflegebetten umsetzen lässt. Diese ist (in geeigneter Form) sowohl als ebenerdige Erweiterung als auch als Aufstockung denkbar.
Selektion
Im Rahmen der Selektion vom 10. März 2016 hat das Preisgericht die 44 eingegangenen Bewerbungen entsprechend den im Wettbewerbsprogramm publizierten Kriterien beurteilt:
- 60% Architektonische und ortsbauliche Qualität der vorgelegten Referenzprojekte
- 30% Erfahrung von Architekt und Landschaftsarchitekt in der Planung und Ausführung von Alters- und Pflegeheimen, Alterszentren und anderen Bauten des Gesundheitswesens (nicht anwendbar auf Nachwuchsteams)
- 10% Leistungsfähigkeit der Büros von Architekt und Landschaftsarchitekt.
10 Bewerber haben die im Wettbewerbsprogramm genannten Anforderungen und Kriterien am besten erfüllt und wurden zur Teilnahme am Projektwettbewerb zugelassen. Alle selektionierten Büros haben in der Folgeihre Teilnahme am Projektwettbewerb zugesagt.
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft einstimmig, die Verfasser des erstrangierten Projekts Nr. 1006 «Hans im Glück» mit den Planungs- und Ausführungsleistungen zu beauftragen. Die Projektverfasser müssen sich im Rahmen der weiteren Bearbeitung vertieft mit den in der Kritik enthaltenen Punkten auseinandersetzen und dabei insbesondere die Lösung der folgenden Aspekte gewährleisten:
- Die Anbindung des Untergeschosses an die Vertikalerschliessung des Neubaus ist zu prüfen.
- Die Ausformulierung des Zugangs von der Wohngruppe 2 zum Demenzgarten ist zu prüfen.
- Der Zugang zum Haupteingang sowie die Gestaltung des Vorplatzes sind zu optimieren, ebenfalls unter Einbezug des Vorbereiches mit der Zivilschutzanlage.
- Die Anlieferung sowie deren Zufahrt sind zu überarbeiten.
Rangierte Projekte
Hans im Glück (1. Rang, 1. Preis: Nuak Architekten)
Das Projekt «Hans im Glück» schlägt die Erweiterung des bestehenden Alterszentrums mit einem zweigeschossigen, rechtwinkligen Anbau im Norden und einem dreigeschossigen, geknickten und den Höhenlinien folgenden Seitenflügel im Westen des Areals vor. Beide Ergänzungen folgen einer präzisen Analyse des Bestandes und werden als «direkter» Anbau an den Bestand verstanden.
Städtebaulich entsteht eine neue Gesamtfigur aus Bestand und Erweiterung, welche im Norden ein neues Gesicht mit einer attraktiven Adressierung erhält und sich als geknickter, fliessender Winkelbau nach Südosten zur Landschaft und den Bergen hin öffnet. Durch die geschickte, seitliche Ergänzung des bestehenden Alterszentrums bleibt die mit den schräg abgetreppten Zimmern äusserst charakteristische Südfassade des Bestandes komplett unverbaut und ermöglicht allen Zimmern weiterhin eine freie Sicht in den offenen Landschaftsraum.
Der Vorbau im Norden bildet zusammen mit der neu gestalteten Verbindung zu den benachbarten Alterswohnungen eine grosszügige, attraktive Adresse der Gesamtanlage. Durch die Neugestaltung des Haupteinganges an der Nordwestecke und durch die Platzierung der Cafeteria zum Vorplatz hin, gelingt es den Projektverfassern, den Zugangsbereich zu einem wahren Dorfplatz für die Bewohner zu entwickeln, welcher hohe Aufenthaltsqualitäten bietet und Begegnungen fördert.
Auch im Inneren offenbaren sich durch den neu gestalteten Eingangsbereich neue Qualitäten und eine fliessende, gut belichtete öffentliche Zone. Die Empfangstheke wird gekonnt mit dem Kiosk verbunden und bildet zusammen mit den bestehenden Toilettenanlagen einen mittigen Servicekern, welcher neu umlaufen werden kann und die internen Betriebsabläufe verbessert. Der südöstliche Speisesaal wird entlang der ganzen Südfassade auf die gewünschte Grösse erweitert und bildet zusammen mit den erdgeschossigen Administrations- und Aktivierungsnutzungen im westlichen Erweiterungsbau eine öffentliche Klammer, welche den südlichen Terrassenbereich attraktiv belebt.
In den Obergeschossen des Erweiterungsbaus werden die zwei Wohngruppen für Bewohner mit Demenz als attraktive Rundlauftypologien entwickelt. Eine seitlich angeordnete Treppe und ein mittiger Lift führen die Bewohner ins Zentrum des Wohngeschosses. In diesem Bereich der Volumeneinschnürung befinden sich folgerichtig der Pflegestützpunkt und die nach beiden Seiten ausgerichteten Aufenthaltsbereiche. Die Korridorflächen sind als Endloswege attraktiv konzipiert und bieten an unterschiedlichsten Stellen differenzierte Aussenbezüge in die Landschaft. Möblierte Sitznischen an den zentralen Erschliessungsknoten kreieren eine wohnliche Atmosphäre und ermöglichen unterschiedliche soziale Treffpunkte.
Die Wohngruppe 1 im 1. Obergeschoss erhält durch das Ausnutzen der Hanglage einen direkten Ausgang in den westlich angeordneten Demenzgarten. Leider verfügt die Wohngruppe 2 noch nicht über einen direkten Aussenzugang zu diesem westlichen Garten, was sehr bedauert wird. Über die seitlich angeordnete Erschliessungstreppe ist jedoch ein «niederschwelliger», innerer Zugang möglich.
Der Erweiterungsbau wird auf allen drei Geschossen jeweils direkt mit dem Bestand verbunden und ermöglicht damit optimale betriebliche Abläufe und personelle Synergien.
Die Zimmer sind ebenfalls von hoher Qualität. Vor allem die Zweibettzimmer überzeugen durch ihre Längsausrichtung entlang der Fassade und den beidseitig zum Eingang gut möblierbaren Nischen. Damit lassen sich zwei gleichwertige Bereiche für beide Zimmerbewohner gestalten und fördern die Privatsphäre sowie die gewünschte Wohnlichkeit.
Der Anlieferungsbereich im Untergeschoss bleibt bestehen und wird mit einem Nebengebäude als Unterstand für Transporter und Container ergänzt. Das bestehende Untergeschoss bleibt grösstenteils erhalten und wird nur leicht umorganisiert. Nachteilig ist die fehlende Anbindung an den vertikalen Erschliessungskern des Erweiterungsbaus. Diese ist aus betrieblichen Gründen auf jeden Fall vorzusehen.
Der Erweiterungsbau wird als Hybridkonstruktion vorgeschlagen. Der Stahlbeton-Skeletbau wird mit vorfabrizierten Holzrahmenelementen an der Fassade ausgefacht und ermöglicht damit eine effiziente und ressourcensparende Bauweise. Durch die klare Trennung von Primär-, Sekundär- und Tertiärstruktur wird ein Gebäude vorgeschlagen, welches langfristig auf sich ändernde Bedürfnisse reagieren kann.
Die vertikale Verkleidung des Erweiterungsbaus aus glasfaserarmierten Betonelementen führt das Thema der Fassadensegmentierung des Bestandes in einer zeitgemässen Form weiter und ermöglicht damit, beide Volumen zu einem Ganzen zusammenzufassen, ohne dabei die bestehende Fassade zu kopieren.
Die Parkseite der Anlage ist grosszügig, weit und offen angelegt und lädt die Dorfbewohner ein, die Anlage zu nutzen. Der Demenzgarten ist geschützt nach Westen ausgerichtet. Leider steht er direkt nur einer Wohngruppe zur Verfügung. Der Bestand wird gut genutzt und aufgewertet. Die Wege fügen sich schön in die Topografie ein und werden gekonnt von Baumgruppen begleitet.
Hingegen wirkt der Vorplatz etwas uninspiriert, funktional aufgeräumt und wenig einladend, wie nicht dazugehörend.
Gesamthaft handelt es sich beim Projekt «Hans im Glück» um einen auf sehr hohem Niveau differenziert ausgearbeiteten Vorschlag, welcher sowohl städtebauliche, als auch innenräumliche Qualitäten aufweist und als Gesamtanlage zu überzeugen vermag.
Die innenräumliche Organisation der Grundrisse und das geschickte Zusammenfügen der Einzelteile zu einem neuen Ganzen bestechen in ihrer konsequenten Haltung und verleihen der bestehenden Anlage eine neue Identität.
Colina (2. Rang, 2. Preis: ARGE bhend.klammer architekten und Bienert Kintat Architekten)
Das Projekt «Colina» schlägt einen eigenständigen Baukörper am Fuss des Bühli-Hügels vor. Das Neubauvolumen ordnet sich mit den rückspringenden Ecken und dem Knick entlang dem Hangverlauf selbstverständlich ins Ortsbild ein. Präzise wird das kompakte Volumen gesetzt und schafft zusammen mit dem Alterszentrum und den Alterswohnungen ein Ensemble. Der zwischen dem Neubau und dem Bestand entstehende Raum bildet das neue Zentrum der Anlage. Der Bereich im Südosten der Parzelle bleibt komplett frei...
Schliesslich besticht das Projekt durch wechselnde und sehr schöne Bezüge von der inneren Erschliessung in den Aussenraum.
TEO (3. Rang, 3. Preis: ds.architekten)
Das Projekt «TEO» schlägt die Erweiterung des bestehenden Alterszentrums mit einem geknickten Anbau entlang der östlichen Parzellengrenze vor. Der Bestand bleibt in seiner Volumetrie komplett erhalten und benötigt keine Erweiterungsbauten gegen Norden. Damit bleibt der Haupteingang in der heutigen Form bestehen, was einerseits ökonomische Vorteile hat, andererseits aber auch der erweiterten Gesamtanlage kein «neues Gesicht» bietet...
Gesamthaft handelt es sich beim Projekt «TEO» um einen auf städtebaulicher Ebene äusserst raffinierten und überzeugenden Ansatz, welcher aber in den engen Platzverhältnissen der südöstlichen Parzellengrenze schlussendlich zu einer zu knappen innenräumlichen Organisation der Wohngeschosse führt, die weder im Rundlauf, noch innerhalb der Zimmer zu überzeugen vermag.
Fridolin (4. Rang, 4. Preis: Knorr & Pürckhauer Architekten)
Die Verfasser platzieren ein zweigeschossiges Gebäude an den nordöstlichen Perimeterrand, das in etwa hälftig über der Zivilschutzanlage zu liegen kommt. Dadurch entsteht ein willkommener Eingangshof, der zum Zentrum für das Heim, die Alterswohnungen und das Demenzkompetenzzentrum wird. Der südliche Perimeterteil bleibt unberührt. Somit entsteht auch ein deutlicher und etwas abrupter Massstabsprung zu den nördlich angrenzenden kleineren Bauvolumen...
Gesamthaft überzeugt der Vorschlag durch die konsequente Position und das Schaffen eines interessanten und zentralen Aussenraumes. Die Stringenz bringt im Innern zu wenig stimmungsvollen Wohnwert. Nutzungsmässig ist das Projekt insbesondere hinsichtlich der Lage der Cafeteria mangelhaft.
Paisley (5. Rang, 5. Preis: Gret Loewensberg Architekten)
Die Verfasser platzieren einen zweigeschossigen Neubau als «Brosche» südlich vor den Bestand. Der Hangfuss wird frei gelassen. Das Voransetzen eines Volumens vor den Bestand ist ortsbaulich schwierig. Etwas seltsam mutet die Ausformulierung und Gestaltung des zweigeschossigen Demenzkompetenzzentrums und des administrativen Anbaus in derselben Formensprache an. Sockel und Hauptbau werden gestalterisch verschliffen. Im Zusammenhang mit dem Bestand wird das Ensemble noch mehr verunklärt...
Gesamthaft weist das Projekt ein hohes innenräumliches Niveau auf. Die Zimmer sind hochwertig. Das Gesamtensemble ist zu wenig schlüssig.
Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht