Studienauftrag Entenbad Dietikon
Einladungsverfahren
Schöneggstrasse 29, 8953 Dietikon
Publikationsdatum
11.12.2015
Auftraggeber
Schächli Baugenossenschaft Dietikon
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Marianne Dutli Derron (Architektin ETH SIA, MAS Real Estate Management, Immobilien- und Bauprozessberatung für Wohnbaugenossenschaften, Zürich),
- Evelyn Enzmann (Architektin ETH BSA SIA, Enzmann und Fischer AG, Zürich),
- Daniel Ganz (Landschaftsarchitekt BSLA, Ganz Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich),
- Adrian Streich (Architekt ETH BSA SIA, Adrian Streich Architekten AG, Zürich),
Sachrichter
- Karl Geiger (dipl. Wirtschaftsprüfer, Die Schächli Baugenossenschaft Dietikon),
- Manuel Peer (dipl. Ing. Landschaftsarchitekt FH, Die Schächli Baugenossenschaft Dietikon),
- Thomas Furger (lic. iur., Die Schächli Baugenossenschaft Dietikon),
- Remy Wipfler (dipl. Arch. HTL, Berater der Schächli Baugenossenschaft),
Wettbewerbsresultat
Ausgangslage – Siedlung Entenbad
Die Immobilienstrategie Schächli Baugenossenschaft Dietikon sieht vor, für die Alterssiedlung Schöneggstrasse 29 und die arrondierten Altliegenschaften Asylstrasse 8 und 14 einen Ersatzneubau zu planen.
Auf dem Areal Schöneggstrasse 29 und Asylstrasse 8 und 14 soll durch Abbruch / Neubau eine Wohnüberbauung mit preisgünstigen Wohnungen und Gewerbe erstellt werden.
Um für diesen Standort ein bezüglich Städtebau, Architektur, Aussenraum und Wohnqualität angemessenes Projekt zu entwickeln, wurde mit acht Teams der Fachbereiche Architektur und Landschaftsarchitektur dieser Studienauftrag durchgeführt.
Empfehlungen für die Weiterbearbeitung
Das Projekt «Carl» überzeugte das Beurteilungsgremium von der städtebaulichen Setzung bis zur inneren Organisation. Besonders gelobt wurde der respektvolle Umgang mit dem Ort und die konzeptionelle Kohärenz des Entwurfs. Es handelt sich um ein strukturell durchdachtes, wirtschaftliches und nachhaltiges Projekt.
Die folgenden Empfehlungen sind bei der weiteren Bearbeitung des Projekts zu berücksichtigen. Vor dem Vorprojekt soll in einer Überarbeitungsphase die Umsetzung der Empfehlungen durch einen Ausschuss des Beurteilungsgremiums beurteilt werden.
- Die Zufahrt zur Tiefgarage ist zu optimieren und eine direkte Einfahrt ab der Asylstrasse zu prüfen.
- Das Erdgeschoss ist in der Grundrissorganisation zu überarbeiten. Dabei sollte vor allem die Beziehung vom Erdgeschoss zum Strassenraum im nördlichen Teil des Gebäudes optimiert werden. Waschsalons an der Strasse sind vorstellbar, direkte Zugänge vom Keller zum Garten sind erwünscht.
- Das landschaftsarchitektonische Konzept ist zu präzisieren. Dabei werden detaillierte Aussagen zur Umgebungsgestaltung und zur Bepflanzung erwartet.
- Die Brüstungshöhe der Fassaden muss die baurechtlichen Bestimmungen einhalten. Es ist sicherzustellen, dass die vorgestellten Schichten (Balkone und Laubengänge) als Fassaden in Erscheinung treten.
- Die Lage des Liftkerns ist zu Gunsten von mehr Durchlässigkeit Strassenraum/Hofraum zu überprüfen.
Projekte
Siegerprojekt «Carl» (Studio Märkli)
Städtebau, Architektur, Aussenraum
Die Verfasser beschreiben ihr Projekt als ein Vorstadt-Haus. Ein Sockel bildet eine kräftige Basis und verortet das Haus in der Vorstadt. Über dem Sockel erheben sich zwei ineinander verschränkte sechsgeschossige Quader, welche parallel zur Asylstrasse und leicht abgedreht zur Schöneggstrasse ausgerichtet sind. Sockel und Aufbauten bilden eine stattliche Kubatur, die den offenen Stadtraum zentriert und als Anker für die nüchternen Bauten in der Nachbarschaft wirkt. Mit der strassenseitigen Verandaschicht und dem hofseitigen Laubengang erhalten die Längsfassaden eine räumliche Tiefe, die dem grossen Baukörper eine lebendige Porosität verleihen. Mit der selbstbewussten Setzung des Neubaus wird die vorstädtische Situation geklärt, indem der Stadtrand deutlich markiert und somit ein städtebaulicher Akzent geschaffen wird.
Der schöne Baumbestand des Entenbades wird grundsätzlich erhalten. Zu diesem Zweck wird die Tiefgarage unter dem Wohnhaus platziert und der Aushub und Eingriff in die bestehende Bepflanzung auf ein Minimum beschränkt. Die Stützen der Garage reichen über alle Geschosse und bestimmen die Tragstruktur des Hauses. Konsequent werden die üblicherweise im Untergeschoss angeordneten Technik- und Kellerräume in das Erdgeschoss verlegt. Das Erdgeschoss springt auf allen Gebäudeseiten vor und bildet einen Sockel für das neue Haus in der Vorstadt. Ausser den Nebenräumen sind hier Gewerberäume, die Geschäftsstelle der Genossenschaft, der Gemeinschaftsraum und ein Waschsalon untergebracht. Die Nutzung des Erdgeschosses entlang der Asylstrasse mit Abstellräumen für Kinderwagen und Velos entspricht aber noch nicht den Erwartungen des Beurteilungsgremiums.
An der Strassenecke, bei der Nahtstelle der beiden Aufbauten, wird der Passant von einer grosszügigen überdeckten Halle empfangen, die als Veloabstellplatz dient und direkt zum Garten im Hof führt. Durch den doppelten Liftkern wird diese räumliche Verbindung etwas eingeschränkt. Alle Wohnungen sind dank der Erschliessung mit Laubengängen über eine Treppenanlage zugänglich. Laubengang und Treppe werden zu einem wichtigen informellen Treffpunkt im neuen Haus.
Der Zugang zum Gebäude in der Ecke Schönegg- und Asylstrasse verlangt eine adäquate Reaktion im Aussenraum. Die Entscheidung, den Hof in seiner Ausprägung bestehen zu lassen und dies als Grundprinzip für den Entwurf des gesamten Haus zu etablieren, wird äusserst geschätzt. Wie grundsätzlich mit dem Juwel Hof und der bestehenden Vegetation umgegangen werden soll, ist noch offen. Insbesondere der Umgang mit dem vorhandenen Wasserbecken und den unterschiedlichen Terrains muss im Hinblick einer zukünftigen Nutzung durch die Bewohner noch geklärt werden. Insgesamt lässt die Umgebungsgestaltung noch kein klares Konzept oder gestalterischen Willen erkennen.
Wohnqualität, Gebrauchswert
Alle Wohnungen sind zweiseitig auf die Strassen- und Gartenseite orientiert. Die Wohnungseingänge erhalten durch Nischen einen angemessen privaten Charakter. Eine grosse, flexibel nutzbare Wohnhalle bildet den Kern jeder Wohnung. Auf der Südseite wird die Halle mit grossen Verglasungen an die Veranda angebunden. Auf der Nordseite ist die Halle mit einem höher gelegten Fenster auf den Laubengang und den Gartenhof orientiert. Natürlich belichtete Bäder und Abstellräume bilden eine attraktive Nebenraumschicht. Dank der einfachen Grundstruktur des Gebäudes bleibt die Flexibilität auch in Zukunft gewährleistet.
Baurecht
Die Abschlüsse der vorgelagerten Veranda und des Laubengangs sind baurechtlich als Fassaden ausgebildet, was ermöglicht, den Grundriss des Regelgeschosses im Attika zu übernehmen. Diese Massnahme ist zulässig, solange die äusseren Schichten als Fassaden in Erscheinung treten. Die baurechtlichen Rahmenbedingungen sind eingehalten.
Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit
Der Projektvorschlag vermag einen wesentlichen Beitrag an das ressourcen- und klimaschonende Bauen im Sinne der 2000-Watt-Gesellschaft zu leisten. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Ziele nach dem SIA-Effizienzpfad Energie zu erreichen sind. Positiv zu erwähnen sind die klaren Strukturen, die gute Kompaktheit sowie das gute Verhältnis von Energiezu Geschossfläche. Mit dieser Basis lässt sich der sehr hohe, ressourcenintensive Fensterflächenanteil kompensieren.
Der ungünstigen Vorgabe der hohen Parkplatzzahl wird Rechnung getragen; die Tiefgarage im «Fussabdruck», angeordnet. Dies ist eine ressourcen- und klimaschonende Massnahme.
Die Erschliessungseffizienz ist hoch. Als Folge des Laubengangkonzeptes genügt ein Treppenhaus für die Erschliessung der 48 Wohnungen. Die Nasszonen sind konzentriert angeordnet; für die Ver- und Entsorgung dürften zwei Steigzonen pro Wohnung genügen.
Das kleine Untergeschoss, die durchgehende Tragstruktur, die Laubengangerschliessung, die flächensparsamen Grundrisse und die gebündelten Steigstränge sind auch bauökonomisch vorteilhaft. Dieses Projekt weisst die besten Flächen- und Kostenkennwerte auf und ist trotz Realisierung von 48 Wohnungen das zweitgünstigste Projekt.
Vorgeschlagen wird eine Mischbauweise aus Holz, Stahl und Beton. Der Vorschlag ist innovativ und vermag einen konstruktiven Beitrag an die Nachhaltigkeit zu erbringen. Er wurde von den Erstellungskosten höher als eine herkömmliche Bauweise kalkuliert. Die ökonomische und bautechnische Realisierbarkeit sowie die Anforderungen an Brandschutz und Schallschutz sind im weiteren Projektverlauf zu prüfen und nachzuweisen.
Gesamteindruck
Das rundum durchdachte Konzept mit der kompakten Tiefgarage, der über alle Geschosse durchgehenden Tragstruktur und der einfachen Anlage des Dachgeschosses zeichnet die grosse Qualität dieses Entwurfs aus. Die städtebaulich radikale Setzung überzeugt genauso sowie der Grundsatz, ein Minimum an Nutzungen in das bauliche «Unterbewusstsein» im Untergeschoss zu verdrängen. Die Entwurfsschritte wurden erstaunlich elegant abgeleitet und ein erfrischendes Wohnhaus wird entwickelt. Schnörkellose Wohnungen mit robusten Räumen für ein breites Zielpublikum können in Zukunft angeboten werden.
«Vanda» (BS + EMI Architektenpartner)
Gesamteindruck
Das Projekt überzeugt durch die städtebauliche Setzung, die volumetrische Ausformulierung und die speziellen Wohnungsgrundrisse. Vermisst wird eine stimmungsvolle landschaftsarchitektonische Gestaltung im Hof, bedingt durch die Grösse der Tiefgarage. Die Wohnungen sind sehr gut konzipiert, jedoch ist der Raum in der Mitte nicht in allen Wohnungen ausreichend belichtet. Die Idee der Wintergärten fand im Gremium nicht genügend Anklang, als dass diese die relativ hohen Anlagekosten rechtfertigen könnten.
«Erpel» (neff neumann architekten)
Gesamteindruck
Das Projekt Erpel ist durchgehend sorgfältig bearbeitet und weist schöne Wohnungen mit attraktiven organischen Raumfolgen auf. Die ambivalente städtebauliche Haltung wird gut verständlich hergeleitet und gekonnt umgesetzt. Der identitätstiftende Charakter des Gebäudes wurde sehr geschätzt. Kritisch wird die Ausdehnung der Tiefgarage und die Ausformulierung im Aussenraum als «Entenbad» gesehen.
«Tango» (Schneider Studer Primas)
Gesamteindruck
Das Projekt Tango beeindruckt das Beurteilungsgremium durch seinen einfühlsamen und Identität schaffenden Städtebau und die konsequente, aber doch spielerische Umsetzung in Architektur und Wohnkonzept.
Max und Moritz» (Baumann Roserens Architekten)
Gesamteindruck
Das Ensemble fügt sich gut in den städtischen Kontext ein und generiert positive Qualitäten im Erdgeschoss sowie im Aussenraum. Die Wohnungen sind durchdacht organisiert und entsprechen den Vorstellungen des Beurteilungsgremiums. Gesamthaft fehlt es dem Projekt an «Einzigartigkeit» als Grundlage für die Identifikation sowie allgemein an genossenschaftlichem Charakter. Die Aspekte der Nachhaltigkeit konnten nicht genügend berücksichtigt werden.
«Pas de deux» (Galli Rudolf Architekten)
Gesamteindruck
Der Entwurf hat sehr gute Ansätze in Bezug auf das genossenschaftliche Wohnen und im Aussenraum. Die Grosszügigkeit im Erdgeschoss und die gemeinsamen Waschräume auf den Geschossen wurden dabei positiv aufgenommen. Durch die kompakt organisierten Vierspänner leistet das Projekt auch einen sehr guten Beitrag zur Nachhaltigkeit. Die resultierende Anordnung der Wohnungen über Eck wurde vom Beurteilungsgremium an diesem Ort als klarer Nachteil empfunden. Die äussere Erscheinung konnte darüber hinaus nicht überzeugen.
«Kohärente» (raumfachwerk)
Städtebau, Architektur, Aussenraum
Ein abgeknickter Gebäudekörper folgt der strassenbegleitenden Bebauungslinie. Entlang der Schöneggstrasse bis zur Kreuzung tritt das Gebäude siebengeschossig mächtig in Erscheinung und verjüngt sich an der Asylstrasse auf sechs bzw. fünf Geschosse. Mit der volumetrischen Akzentuierung werten die Verfasser die beiden Strassenräume unterschiedlich. Bewusst soll dann jedoch mit dem architektonisch gleich gestalteten Sockelgeschoss der Strassenraum wieder zusammengeführt werden. Ob diese Gestaltungsmittel genügend erlebbar sind und nicht eher intellektuell begründet bleiben, wird kritisch hinterfragt...
Gesamteindruck
Das Projekt kann mit seiner städtebaulichen Haltung, dem äusseren Erscheinungsbild und mit der angebotenen Wohnqualität nicht überzeugen.
«Jeff» (Darlington Meier Architekten)
Der Entwurf hat in der Ausformulierung des Erdgeschosses und in den Wohnungsgrundrissen grosse Qualitäten. Auch den genossenschaftlichen Aspekten wurde mit grosszügigen Begegnungszonen im Innen- und Aussenraum Rechnung getragen. Die baurechtlichen Verstösse und die Unsicherheiten im Bereich der Nachhaltigkeit wurden jedoch im Gremium als zu grosse Risiken für eine weitere Projektierung eingestuft.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)