Sportzentrum Kerenzerberg, Filzbach
Selektives Verfahren
Obermatt, 8757 Filzbach
Publikationsdatum
13.04.2016
Auftraggeber
Hochbauamt Kanton Zürich
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Boris Brunner (Architekt FH BSA SIA, Zürich),
- Daniel Niggli (Architekt ETH SIA BSA, Zürich),
- Luca Selva (Architekt ETH BSA SIA, Zürich),
- David Vogt (Architekt ETH SIA, HBA, Abteilungsleiter Baubereich 3, Vorsitz),
Sachrichter
- Yolanda Gottardi (Geschäftsführerin Zürcher Kantonalverband für Sport),
- Walter Hofmann (Betriebsleiter Sportzentrum Kerenzerberg ),
- Stefan Schötzau (Amtschef Sportamt des Kantons Zürich),
Wettbewerbsresultat
Das Sportzentrum Kerenzerberg liegt auf einem Hochplateau in der glarnerischen Gemeinde Filzbach über dem Walensee. Charakteristisch für die Anlage aus den 1970er-Jahren von Hans Oetiker ist die Aufreihung der einzelnen Gebäude an der Hangkante. Die in Sichtbeton gehaltenen Bauten mit den flach geneigten Kupferdächern formen eine prägnante Silhouette. Unterirdisch sind sie über durchgehende Korridore miteinander verbunden.
Die Anlage dient überwiegend dem Jugend- und Breitensport und bietet gute Bedingungen für Trainingslager, Aus- und Weiterbildungskurse sowie Seminare. Mit mehr als 30000 Logiernächten und über 4000 Kursen jährlich stösst das Zentrum an seine Grenzen. Insbesondere an Wochenenden sowie in der Ferienzeit fehlen Kapazitäten im Bereich der Sporthallen, Unterkünfte und Theorieräume.
Die Gebäude sind gut unterhalten, müssen aber an die heutigen Bedürfnisse und Vorschriften angepasst werden. Neben der Instandsetzung des Bestands sollen einzelne Gebäude ersetzt und die Anlage erweitert werden. Gewünscht waren eine zusätzliche Dreifachsporthalle, ein zentraler Werkhof und der Ersatz des Trakts mit den Unterkünften. Zudem soll der Bereich für die Regeneration und die Sportmedizin erweitert werden. Für das gesamte Projekt sind Kosten von 50 Millionen Franken vorgesehen.
Dafür hat der Kanton Zürich einen Projektwettbewerb im selektiven Verfahren ausgeschrieben. Gefordert waren Generalplanerteams aus den Bereichen Architektur, Bauleitung und Baumanagement, Landschaftsplanung, Statik und Haustechnik. Aus den 56 Bewerbungen wählte das Preisgericht zwölf Teams zur Teilnahme am Wettbewerb aus. Die Jury liess alle Beiträge zur Beurteilung zu und ermittelte in zwei Durchgängen eine engere Wahl von fünf Projekten.
Das Preisgericht empfiehlt einstimmig das Projekt «Silhouette» von Burkard Meyer Architekten zur Weiterbearbeitung. Der Beitrag basiert auf einer fundierten Analyse des Orts, die auch die Defizite der Gesamtanlage offenlegt: Die nachträglich hinzugefügte Sporthalle im Hinterland der bebauten Hangkante hat die ursprüngliche architektonische Disposition verunklärt.
Den Bestand aufwerten
Genau hier setzt der Entwurf an: Die bestehende Sporthalle wird um die neue Dreifachhalle und den Werkhof ergänzt; so wird das schwächste Element der Anlage aufgewertet und städtebaulich aktiviert. Der neue achtgeschossige Unterkunftstrakt ist zwar markant, rückt aber von der Hangkante weg. Damit bleibt er im Hintergrund und überlässt den bestehenden Gebäuden ihren prominenten Auftritt an der Kante. Er setzt einen willkommenen Akzent und fügt sich gleichzeitig doch zurückhaltend in die prägnante Silhouette ein. Im rückwärtigen Teil des Sportzentrums entsteht ein klar gefasster, attraktiver Aussenraum.
Eine weitere Schwachstelle ist bislang der unterirdische Verbindungsgang, der zwar funktional als Haustechnikkorridor von Bedeutung ist, aber keine architektonische Qualität aufweist. Diese bis anhin verborgene Welt wird neu mit drei Lichthöfen natürlich belichtet und von aussen sichtbar gemacht. Die Reorganisation des Untergeschosses zwischen den beiden Neubauten wertet die Verbindung räumlich auf und schafft optimale Voraussetzungen für den Betrieb und die Logistik der Gesamtanlage.
Mit der sensiblen Setzung der Neubauten und der Aufwertung der unterirdischen Verbindungen gelingt ein architektonischer Wurf der geschickt die Schwachstellen der Gesamtanlage behebt und neue räumliche Qualitäten schafft. Wie die bestehenden Gebäude sind auch die Neubauten in Sichtbeton gehalten. Durch die gestockte Oberfläche und die Beimischung eines beigen Sands erfahren sie eine leichte Differenzierung. Die vorgeschlagenen Eingriffe sind gekonnt gestaltet und präzise gesetzt. Sie sind durchaus sichtbar, wirken dabei aber weder dominant noch unterwürfig.
Auch der mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Beitrag von E2A ist aus einer klaren Lektüre des Orts entwickelt. Er rückt die neue Dreifachsporthalle prominent an die Hangkante und bindet den Neubau in den Bestand ein, indem er die Dachform der vorhandenen Gebäude übernimmt. Westlich der vorhandenen rückwärtigen Sporthalle wird der neue Werkhof angefügt. Das Unterkunftsgebäude setzt sich vom Bestand ab und wird zur Landmarke des Sportzentrums Kerenzerberg. Die Neubauten bestechen mit ihrer klaren Volumetrie, konnten aber die Jury in der Materialisierung mit Holz und Zementfaserplatten sowie in der markanten horizontalen Schichtung des Gebäudes mit den Unterkünften nicht überzeugen.
Trotz einiger Mängel – z.B. die langen steilen Rampen unter Terrain, die fehlende Trennung von Schmutz- und Saubergang in der Sporthalle und die schlecht gelöste Anlieferung der Geräte – ist der Beitrag sorgfältig bearbeitet. Das robuste Gesamtkonzept in Verbindung mit guten Gebäudehüllzahlen und einer einfachen Statik erfüllt die Erwartungen in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht.
Das Projekt von :mlzd im dritten Rang setzt sowohl die neue Sporthalle wie auch das Unterkunftsgebäude an die Hangkante und ergänzt das bestehende Ensemble mit einer räumlichen Klammer zu einer neuen Gesamtform. Die schlanke achtgeschossige Scheibe mit den Unterkünften setzt gleich zu Beginn einen deutlichen vertikalen Auftakt, während die Sporthalle mit dem markanten horizontalen Dach den Schlussstrich bildet. Neben der Akzentuierung von Anfang und Ende werden auch die Leerstellen in der Reihe bearbeitet und verdichtet. Der Werkhof spielt eine untergeordnete Rolle. Er ist in drei unterschiedlich grossen Bauten untergebracht und nimmt Bezug auf die benachbarten landwirtschaftlichen Gebäude.
Die Jury war vom klaren städtebaulichen und räumlich reichhaltigen Konzept beeindruckt. Nicht überzeugen konnte der teilweise zweigeschossige Neubau der unterirdischen Verbindungswege. Im Vergleich zu den anderen Projekten offenbarte dieser Beitrag in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht Schwächen. Der Grund liegt nicht nur in den grossen unterirdischen Volumen, sondern auch in der mangelnden Kompaktheit der Gebäude. Zudem war die Jury der Meinung, dass ein achtgeschossiges, direkt an der Hangkante platziertes Scheibenhaus den Massstab des Orts sprenge und dass sein Ausdruck nicht zum Selbstverständnis der Breitensportanlage passe.
Eine prägnante Architektur, die weitherum sichtbar an der Kante des Hochplateaus sitzt, zu erweitern ist nicht einfach. Das zeigt das Ergebnis des Wettbewerbs. Bei vielen Projekten heisst es im Jurybericht lapidar, sie seien am Bestand angelehnt, wenig eigenständig oder wiesen kaum Impulse zur Stärkung der Anlage auf. Bei anderen Beiträgen wiederum ist die Rede von eigenwilliger Gestaltung, die zu dominant und expressiv sei, oder davon, dass die Neubauten nicht überzeugend in die Gesamtanlage eingegliedert seien. Das Siegerprojekt findet durch die subtile städtebauliche Setzung und die differenzierte Materialisierung einen harmonischen Gleichklang von Alt und Neu.
Text: Jean-Pierre Wymann, Architekt ETH SIA BSA, Mitglied der Wettbewerbskommission des SIA