Sekundarschulanlage Halden: Sanierung Bestand und Erweiterungsneubau
Selektives Verfahren
Thurgauerstrasse, 8152 Opfikon
Publikationsdatum
05.11.2015
Auftraggeber
Stadt Opfikon
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Patrick Altermatt (Landschaftsarchitekt BSLA, Hager Partner AG, Zürich),
- Elisabeth Boesch (Architektin ETH SIA BSA, M. & E. Boesch Architekten GmbH, Zürich),
- Thomas Lussi (Architekt ETH SIA BSA, Lussi und Halter Partner AG, Luzern),
- Marcel Angele (Bereichsleiter Hochbau/Planung, Opfikon),
Sachrichter
- Werner Soland (Schulleiter Sekundarschule Halden, Opfikon),
- Valentin Perego (Finanzvorstand, Opfikon (Vorsitz)),
- Hans Zolliker (Schulpräsident, Opfikon),
- Claudia Früh (Lehrerin Sekundarschule Halden, Opfikon),
Wettbewerbsresultat
Resultat
In Zürichs Norden sind einige Schulhäuser entstanden, die zu reden geben: das Schulhaus Birch in Oerlikon von Peter Märkli (2004) etwa oder die Primarschule Leutschenbach von Christian Kerez (2009). Funktional sind die beiden Bauten auf der Höhe ihrer Zeit. Was aber ihren Ausdruck als Schulhäuser angeht, scheiden sich die Geister. Die Diskussion dreht sich um das «kindgerechte» Bauen, wie immer dieses definiert sein mag, zudem mögen viele in ihnen keine Schule mehr erkennen.
ie boomende Region im Glatttal hat einen Entwicklungsschub hinter sich: Allein die Einwohnerzahl von Opfikon ist seit der Jahrtausendwende um ein Drittel gewachsen. Die Schulen sind ein beredtes Zeichen für die baulichen Experimente, die dort gegenwärtig stattfinden. Dabei schwingt die Frage mit, wie wir mit hergebrachten Bildern umgehen wollen.
In Opfikon steht nun die Erweiterung der Sekundarschule Halden an – ein Projekt, an dem sich diese Fragestellung zuspitzt. Die Schule soll um einen Erweiterungsbau und eine Turnhalle ergänzt werden. Zudem muss der Bestand energetisch und organisatorisch auf den neuesten Stand gebracht werden.
Die Anlage wurde von 1951 bis 1961 vom Architekten Oskar Bitterli erstellt und steht im Inventar der Denkmalpflege. Sie bettet sich in einen Park ein, der sich der Glatt entlang ausweitet und auch die Kirche, den Friedhof und einen Kindergarten umfasst. In typischer Manier der 1950er-Jahre besetzen sieben Pavillons – der Singsaal als exotisches Achteck – mit fein gegliederten Fassaden den Grünraum.
Welche Antworten findet nun das Siegerprojekt auf die drängenden Fragen nach Typologie und Identität? Mittels Präselektion wurden sieben Büros ausgewählt, die sich dieser diffizilen Aufgabe stellen durften. Fast alle liessen sich durch die handwerkliche Machart der bestehenden Bauten inspirieren – die Masse auf dem Areal zu verteilen gelang jedoch nicht allen Büros gleich gut.
Drei Projekte schafften es in die Endrunde und mit ihnen drei unterschiedliche Ansätze: die Variante mit zwei Volumen von Bischof Föhn, ein liegendes Gebäude von Harder Speyermann, das sich mit seiner Form passgenau in den Aussenraum schmiegt, und das hohe, kompakte Haus des Siegerprojekts von Guignard&Saner.
Die Gewinner nutzen einen bemerkenswerten Kniff, um den Neubau feiner wirken zu lassen – der Grundriss baut auf einem Fünfeck auf. Mit seinen kurzen Fassaden erscheint das Gebäude viel kleiner, als es tatsächlich ist, die unorthodoxe Form führt besonders in den Ecken und im zentralen Treppenhaus zu spannenden Formen. Durch die verdrehten Plattformen und die abwechselnd angeordneten Treppenläufe fliesst der Raum in alle Richtungen. Auf den Plänen erscheint die Möblierung der Klassenzimmer noch ein bisschen steif, doch das Potenzial ist enorm.
Das neue Schulhaus gibt sich in seiner Materialisierung und Anmutung bescheiden. Es führt jedoch mit seinem Raumkonzept die Innovationen in Zürichs Norden weiter – nur eben ein bisschen leiser als seine eingangs erwähnten Vorgänger.
Marko Sauer, Architekt