Schulanlage Walka mit Auditorium in Zermatt
Offenes Verfahren
52 Englischer Viertel, 3920 Zermatt
Publikationsdatum
03.11.2016
Auftraggeber
Einwohnergemeinde Zermatt
SIA 142
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Anton Ruppen (Adjunkt des Kantonsarchitekten DHDA, Sitten, Vorsitz),
- Marco Bakker (Professor ETHL, Architekt TU Delft BSA, Lausanne / Zürich),
- Adrian Kramp (Architekt ETH BSA SIA, Freiburg),
- Thomas Pulver (Architekt ETH BSA SIA, Bern / Zürich),
- Philippe Venetz (Kantonsarchitekt DHDA, Sitten),
- Philipp Jordan (Architekt DHDA, Sitten),
Sachrichter
- Hermann Schaller (Gemeinderat, Ressort Infrastruktur und Werke, Zermatt),
- Beat Grütter (Leiter Verwaltung, Zermatt),
- Pino Mazzone (Schulleiter PS, Zermatt),
- Iris Kündig-Stössel (Gemeinderätin, Ressort Bildung, Zermatt),
- Stefan Anthamatten (Gemeinderat, Ressort Bau, Zermatt),
- René Frauchiger (Leiter Liegenschaften, Zermatt),
Wettbewerbsresultat
Wettbewerbsaufgabe
Mit dem Projektwettbewerb sollte ein funktionales, architektonisch und städtebaulich der Aufgabe angemessenes Projekt für den Neubau der Schulanlage Walka gefunden werden.
Der Neubau sollte sich sowohl in die bestehende Dorfstruktur integrieren, als auch zur Identitätsbildung der neuen Schulanlage beitragen. Die Qualität der Aussenräume, die vom Neubau bestimmt werden, waren für die Anbindung an die Dorfstruktur als auch zum Erlangen von qualitativ hochwertigen Aufenthalts- und Begegnungsbereichen ausschlaggebend. Der Neubau sollte, mit einem den Bedürfnissen angepassten Raumprogramm, den pädagogischen Ansprüchen eines zeitgemässen Schulbetriebes sowie den Anforderungen einer gemischten schulischen und ausserschulischen Nutzung gerecht werden.
24 Klassenzimmer für den regulären Unterricht für Kindergarten und Primarschule, Fach und Spezialzimmer, Räume für KITA, Mensa und Schulbibliothek sollten mit ebenfalls ausserschulisch nutzbarer Doppelturnhalle, Auditorium sowie Gemeinderäumen für Gruppen und Vereine, mit geschickten Raumabfolgen, klar zugeordneten Funktionsbereichen und effizienten, qualitativ hochwertigen Erschliessungsflächen für die Schulanlage geplant werden.
Der 5795 qm grosse Planungsperimeter auf dem sich bereits heute die Primarschule befindet, nahe Dorfzentrum und Orientierungsschulen, ist durch eine nach Westen leicht ansteigende Topographie sowie der, für den Bau des bestehenden Schulhauses abgetragenen Felswand im Norden, geprägt.
Durch das geplante Projekt, mit seinen neu gestalteten Aussenräumen, bietet sich die Chance, hinsichtlich einer idealen An- und Einbindung der neuen Schulanlage in das Dorf, es zu dessen integralem Bestandteil werden zu lassen.
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt der Auftraggeberin einstimmig das Projekt «Tabula rasa» für die Weiterbearbeitung und Ausführung zu beauftragen.
Bei der weiteren Bearbeitung sind die Bemerkungen und Empfehlungen im Bericht des Preisgerichts zu berücksichtigen.
Insbesondere sollte der Hauptknotenpunkt des Eingangsbereichs - Windfang , getrennter Auf- und Abgang, Treppenanlagen und Lifte - überarbeitet und bereinigt werden.
Das Projekt muss insgesamt gemäss der gültigen VKF-Brandschutzvorschriften überprüft und weiterentwickelt werden.
Hinsichtlich des erheblichen Felsabbaus den das Projekt vorsieht, ist die Überprüfung der Höhenlage des Gebäudes im Gelände notwendig und im Zusammenhang mit einer allfälligen Optimierung der Aushub-Volumina zu untersuchen.
Rangierte Projekte
Tabula rasa (1. Rang, GWJArchitektur)
Am Übergang zur Steilstufe, wo die Kleinteiligkeit der historischen Bebauung auf den gewachsenen Felsen stösst, schlagen die Autoren als Ersatz für die alten Walka-Schulhäuser ein längliches, orthogonales Gefüge aus schlanken, quaderförmigen Körpern vor, zusammen geschoben zu einem mehrgeschossigen, plastisch gegliederten Bauvolumen. Diese vielfältige Staffelung des Baukörpers ergibt gegenüber der Bauten der Umgebung eine angemessene Massstäblichkeit und schafft durch die Setzung der Volumen parallel zur Felswand einen - örtlich etwas knappen - Aussenraum, der über Abtreppungen sinnvolle Zonierungen vorsieht und zwei gut auffindbare Zugangssituationen bildet. Eine Höhenstaffelung der Quader schafft felsenseitig zwei, in die Volumen eingetiefte Dachterrassen, welche in den schneefreien Monaten als Aussenbereiche des Kindergartens (3.OG) und der Schule (2.OG) dienen und mindestens in diesen Zeiten die erdgeschossigen Aussenflächen etwas kompensieren vermögen.
In den langen Körper eingeschlossen ist ein fünfgeschossiger Atriumraum, der das räumliche Zentrum des Projektes bildet. Der Raum wirkt als starker Identifikationsort, ein Begegnungs- und Erschliessungsraum, der eine einfache, sehr übersichtliche Orientierung ermöglicht. Eine innenliegende und ausschliesslich auf den Atriumraum orientierte Raumschicht mit den Räumen der besonderen Schuldienste (PSH, DfF, DezSo) wird über die Halle mit Tageslicht versorgt. Die das übrige Volumen um zwei Geschosse überragende Nord- und Ostfassade des Atriums versorgt den Raum ausgiebig mit Tageslicht.
Das Atrium reicht bis in das Erdgeschoss, wo sich der östliche Haupteingang befindet. In diesem Geschoss sind Spezialräume, Speisesaal und Bibliothek untergebracht. Darüber, direkt am Atrium und im östlich angrenzenden Gebäudetrakt, sind die Räume der Primarschule. Zwei offen geführte Vertikalerschliessungen je stirnseitig des Atriums führen in die oberen Geschosse. Die Klassenzimmer weisen günstige Proportionen auf und sind im Unterricht gut bespielbar, die Garderoben ausreichend dimensioniert. Die Räume für Technisches und Textiles Gestalten sind über horizontale Deckenoberlichter belichtet, eine Lösung, die auf ihre Wintertauglichkeit noch überprüft werden müsste. Im westlichen Baukörper - zwei Geschosse über dem Erdgeschoss - liegen die Räume der Kita und der Kindergärten. Sie verfügen über einen eigenen Zugang und dorfseitig vorgelagert über einen eigenen Aussenbereich.
Der östliche Haupteingang dient nebst dem Zugang zur Schule als Eingangsbereich zum Auditorium und der Turnhalle in den darunter liegenden Geschossen. Die Mehrfachnutzung der offen geführten Treppenanlage für Schule, wie für Turnhalle und Auditorium ist ungünstig. Beide Bereiche werden parallel zum Schulbetrieb intensiv genutzt (Kongressnutzung im Tagesbetrieb) und sollten deshalb räumlich abtrennbar sein. Die Möglichkeit, Turnhalle-Garderoben für Auditoriums-Veranstaltungen synergetisch zu nutzen wird begrüsst.
Das Projekt wird, wo nicht in Kontakt mit Fels und Untergrund, als Skelett-Tragstruktur mit sinnvoll dimensionierten Spannweiten, Stützen und Unterzügen vorgeschlagen. Die Darstellung in den Bildern und Plänen zeigt eine sorgfältige, konstruktiv eher aufwändige, feingliedrige Fassade mit vertikalen Lamellen, Verglasungen, Ausfachungen und geschlossenen Feldern.
Insgesamt handelt es sich beim Projekt Tabula Rasa um einen, in Bezug auf Ort und Aufgabenstellung sehr wertvollen und durchgearbeiteten Beitrag. Städtebaulich dürfte die Volumetrie sogar etwas höher im Terrain stehen - ein geringerer Fels-Aushub wäre eine positive Folge davon. Überzeugend wirkt das Projekt insbesondere auf Grund des starken Innenraums, ein ganzjährig nutzbarer Begegnungsraum, der vielseitige visuelle Bezüge und Ausblicke bietet und sowohl Benutzern wie Betreibern eine starke Identifizierbarkeit mit der neuen ‚Institution Walka’ verspricht. Fragen stellen sich beim Brandschutz und im Bereich des östlichen Hauptzuganges, wo eine, vom Schulbetrieb losgelöste Erschliessung von Auditorium und Turnhalle zu untersuchen wäre.
Sentiers (2. Rang, giuliani.hönger)
Das Projekt Sentiers schlägt die Setzung zweier einfacher und kompakter Baukörper parallel zur Felswand vor. Die Volumen entwickeln dank leichter Verdrehungen eine angemessene Autonomie zum Dorf. Der durch die Positionierung entstehende Abstand der ruhig gehaltenen Baukörper verleiht der Schule ihren institutionellen Charakter.
Die Schulanlage lehnt sich in Massstab und Körnung bewusst an Bauten wie das Hotel Zermatterhof und Monte Rosa, die Gemeindeverwaltung und das Schulhaus Im Hof etc. an. Die freistehenden Baukörper werden von Wegen und Aussenplätzen umgeben, welche mit Treppen die verschiedenen Ebenen der Schulanlage geschickt verbinden und in die bestehende Topographie einbetten. Der Raum zwischen Schulbauten und Felswand wird dank dem Felsenweg als erlebter Raum inszeniert...
Das Projekt SENTIERS zeichnet sich durch seine Volumetrie aus, sowie das geschickte Ausnutzen der topographischen Ausgangslage, die sich als Leitmotiv durch das Projekt ziehen. Die gezielt eingesetzten architektonischen Mittel in Typologie und Ausdruck sind konsequent und weitestgehend überzeugend eingesetzt und lassen aus ökonomischer Sicht unterdurchschnittliche Erstellungskosten erwarten. Das Projekt stellt einen sehr wertvollen Beitrag dar, dessen Kompaktheit aber mit seinen knapp und introvertiert gehaltenen Aufenthalts- und Erschliessungsräumen erkauft wird und welche sich für den gewünschten zukünftigen Schulalltag als zu einschränkend erweisen.
Sten (3. Rang, ARGE Kathrin Sindelar, André Châtelain Architekten)
Sten besteht aus zwei Volumen, die mit der Körnung des Dorfgefüges und insbesondere mit den umgebenden öffentlichen Gebäuden, den Hotels, dem Gemeindehaus und der Kirche sowie den Schulhäusern OS, einen Dialog eingehen. Bestechend ist, dass zwischen den beiden Volumen ein klarer gemeinsamer Platz mit Sicht auf die rohe Felswand aufgespannt wird. Beide Häuser sind mit einem zusätzlichen, eingeschobenen und abgewinkelten Baukörper ergänzt. Im Sockelbereich verwachsen beide Häuser unterhalb des Schuleingangsplatzes, um so die grossen Räume wie das Auditorium und die Turnhalle unterbringen zu können.
Die Geometrie der Sockel passt sich den Hauptrichtungen der gegenüberliegenden Bebauung an und klärt den Kontrast in den Aussenräumen zwischen engeren Gassenzügen und offenen Plätzen...
Da sich die Turnhalle zwischen Schulhaus und Kindergartengebäude und das Auditorium unterhalb des Abdruckes des Schulhauses befindet, ist die Tragstruktur einfach. Das Projekt ist sowohl in der Fläche als auch im Volumen kompakt und liegt unterhalb des Durchschnitts.
Die Fassade besteht aus vorgehängten Elementen aus Glasfaserzement, die auf einer Betonstruktur angebracht sind. Diese Elemente weisen bei den Fensterleibungen eine markante facettenartige Schräge vor, die sich von der bestehenden Architektursprache von Zermatt abhebt. Der Ausdruck des Hauses ist kompakt und robust und kann als Institution einer Schule deutlich erkannt werden.
Rocky Raccoon (4. Rang, Konrad Scheffer & Nele Dechmann)
Das Projekt ROCKY RACCOON, gestaffelt und in die Länge gezogen, liegt parallel zum Hang. Diese Geste befreit gegen Südosten einen grosszügigen, vorliegenden Freiraum, welcher im Kontrast zum dichtenüund engen Gassengewebe der alten Dorfstrukur eine angenehme Öffnung im Ganzen bietet. Dieser Freiraum wird in drei Terrassen mit unterschiedlichen Höhen gegliedert, welche die einzelnen Eingänge strukturieren...
Die Materialisierung, Mineral, in zweifarbigem Beton, ist in Anlehnung an den Felsen klar. Vor allem im Lichthofbereich, felsenseitig, vermag das Projekt zu überzeugen und zeigt hier einen sehr interessanten Gesamtquerschnitt. Die Ausbildung der Geometrie der Fassaden zum Dorf hin, mit ihren Winkelvariationen, wirkt zusammen mit den Dachschrägen hingegen etwas überinstrumentiert.
Geissbock (5. Rang, Daniele Marques)
Das Projekt Geissbock ist in drei kompakte Baukörper aufgegliedert, die frei und untereinander verdreht der Felskante entlang stehen und leicht von der Felswand abgerückt sind. Deren vermeintlich freie Positionierung nehmen gewisse Geometrien aus der umliegenden Dorfstruktur auf. Einzig der mittlere Baukörper scheint etwas zufällig in Position und Ausrichtung.
Analog zur Disposition in der Situation haben die drei Bauköper jeweils ihre eigene Höhe, angefangen mit einem viergeschossigen Volumen auf einem Sockelgeschoss im Osten, einem dreigeschossigen im Westen und einem fünfgeschossigen dazwischen. Durch diese Variation der Höhen entwickelt das Projekt eine eigenständige starke Silhouette, die über den gemeinsamen abgetreppten Sockel verbunden wird. Dadurch entsteht eine gewisse Nähe zu den umliegenden Wohn- und Hotelbauten...
Das insgesamt kompakt und effizient organisierte Projekt lässt unterdurchschnittliche Erstellungskosten erwarten. Die attraktive Organisation der Unterrichtsgeschosse wiegt das Fehlen von grosszügigen und gemeinschaftlich nutzbaren Innen- und Aussenräumen und die starke Abtrennung der Turnhalle und des Auditoriums vom Schulbetrieb nicht auf.
Dreiling (6. Rang, Hurst Song Architekten)
Am Ort der alten Walka-Schulhäuser schlagen die Autoren ein rigides, fünfgeschossiges Volumen vor. Der mit markanten Fensteröffnungen perforierte Bau, welcher dreiteilig in Höhe und Grundriss abgestuft der Felswand vorgelagert wird, geometrisiert die felsene Topographie und giesst den natürlichen Übergang in Beton. Je Gebäudetrakt ist ein Zugang vorgesehen, was angesichts der Menge der Schüler angemessen scheint. Die leicht ausgedrehte Platzierung vor den Felsen generiert dem Bau südseitig vorgelagert Aussenbereiche, die der volumetrischen Treppung folgend, von Osten nach Westen ansteigen. Der Aussenraum und eine Bepflanzung mit Bäumen schafft einen Übergang zwischen der kleinteiligen Struktur des Dorfes und dem Neubau. Unnötig starr wirkt dagegen die Wegführung, die den Aussenbereich durchschneidet, Hartflächen von Grünflächen trennt und die Pausenflächen mit aufsteigender Topographie zunehmend verkleinert...
Insgesamt handelt es sich beim Projekt Dreiling um einen eigenständigen, formal eigenwilligen Beitrag. Interessant ist er auf Grund der städtebaulichen Disposition, der klaren Organisation des Programmes und der Präsenz, die der Bau der Institution Walka-Schule verspricht. Unerwartet und den Kindern dieser Schulstufe wenig angemessen erscheint das innenräumliche Thema der schluchtartigen Erschliessung. Hier vermisst man beim Entwurf die notwendige Souplesse, das Projekt scheint da mehr auf Kontrast statt auf Dialog zu setzen.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)