Sanierung Geschäftshaus Gartenstrasse 14 in Zürich Selnau
Einladungsverfahren
14 Gartenstrasse, 8002 Zürich
Publikationsdatum
12.01.2016
Auftraggeber
Agruna Immobilien Management AG
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Arthur Rüegg (Architekt, Vorsitz),
- Anita Emele (Stv. Leiterin Architektur und Stadtraum, Amt für Städtebau),
Sachrichter
- Franz Lienhardt (Präsident, Lienhardt & Partner Privatbank Zürich AG),
- Primo Bianchi (CEO, Agruna Immobilen Management AG),
Wettbewerbsresultat
Absicht
Das Geschäftshaus an der Gartenstrasse 14 wurde 1958 durch J. Piller & Co. im hauseigenen Büro geplant und anschliessend durch dieselbe Firma erstellt. Das Gebäude an repräsentativer Lage in Zürich-Selnau im Kreis 2 dient ausschliesslich Büronutzungen.
Mit einer lagegerechten Sanierung als Umbau in Regelbauweise unter Mietbetrieb soll die Gesamterscheinung des Gebäudes attraktiver gestaltet, die Fassade erneuert und die Nutzung durch Wohnen im Dachgeschoss erweitert werden.
Empfehlung
Gestützt auf die Beurteilungskriterien empfiehlt das Beurteilungsgremium einstimmig, das Projekt von Kohler + Ilario Architekten weiterzubearbeiten und zu realisieren.
Beschreibung der Projekte
Kohler + Ilario Architekten (Empfehlung)
Das «alte Haus im neuen Kleid» zielt auf «Selbstverständlichkeit ohne modischen Anschein». Der für die Entstehungszeit typische Rahmen und die horizontalen Binnengliederung werden ersetzt durch eine scharfkantige Betonstruktur, die sich dem mineralischen Bestand des historistischen Blockrandes stärker angleicht. Helle horizontale Glasfaserbetonelemente, die nahtlos Sims, Fassadenfläche und Sturz zusammenfassen, und sandgestrahlte dunklere Vertikalstäbe ergeben ein erstaunlich variables Grundmuster, mit dem sowohl eine gegenüber dem Bestand deutlich höhere Sockelzone als auch an die historischen Ecklisenen erinnernde seitliche Abschlüsse erfolgreich formen lassen: Es gelingt so, die traditionelle Tektonik der Nachbarbauten ohne formale Konzessionen in die Gegenwart zu führen. Umso wichtiger ist die Realisierung der zweiten Etappe, die den horizontal begrenzten Bürobau um einen adäquaten oberen Abschluss ergänzt, dem Haus Identität verleiht und den Ort des Haupteingangs betont...
Armon Semadeni Architekten
Die erfrischende Radikalität des Themas der Überlagerung zwischen alt und neu ist das tragende Motiv des sowohl in den Plänen wie auch im Modell klar dargestellten Projektvorschlages.
Die Verfasser verzichten auf den ursprünglichen Fassadenrahmen und sehen für die Fassadensanierung die Anwendung im Hochhausbau üblicher, feingliedriger und präzise gesetzter Fensterelemente aus natureloxiertem Aluminium vor. Diese Metall-/Glas-Elemente werden auf der Strassenseite hochformatig über die darüber liegende Brüstungen gezogen, welche in Anlehnung an die Nachbarsbauten eine feine Ornamentik offenbaren, die je nach Lichtsituation weniger oder stärker in Erscheinung tritt. Das Gestaltungsprinzip wechselt hofseitig; hier alternieren die wie Fensterbänder wirkende Fensterelemente mit den opak gehaltenen, in der Ebene leicht zurückgesetzten Aluminiumbrüstungen und betonen so die Horizontale. Dieser Fassadenaufbau überschreitet den Richtwert von 35 cm minimal. In Anlehnung an die muralen Nachbarsbauten wird das gegenüber dem Bestand wohltuend hohe Sockelgeschoss aus vorfabrizierten, sandgestrahlten Betonelementen gehalten, die Eingänge mit glattem, rötlichen Marmor akzentuiert, was allerdings das Beurteilungsgremium, den sehr hohen gestalterischen Ansprüchen der Obergeschosse entsprechend, nicht vollends zu überzeugen vermag...
B.E.R.G. Architekten GmbH
Das Gebäude an der Gartenstrasse 14 soll nach Begründung der Verfasser trotz der Schleifung des statisch und konstruktiv unbedeutenden Rahmes als Zeitzeuge der 60er Jahre erkennbar bleiben. Durch die vertikalen Fenster und die farbig eloxierten und teilweise profilierten Aluminiumbleche im Sturzbereich entsteht ein geschickter Rasteraufbau der Fassade, welcher jedoch beim Übergang zu den Nachbarsgebäude nicht zu überzeugen vermag. Der Fassadenaufbau überschreitet strassenseitig zudem den Richtwert von 35 cm minimal. Die vereinfachte Gestaltung der Hoffassade wird begrüsst; die Farbgebung der beiden Fassade in Champagnerbeige und hellem Bronzeton wäre jedoch zu überdenken. Die sich den Kräften entsprechend aus der Fassade entwickelnde und gegenüber dem Bestand erfreulicherweise höhere Sockelzone bildet den unteren Abschluss der Fassade und vermittelt durch seine neue Höhe zwischen den Sockelzonen der Nachbargebäude. Das aus dem Profil der Brandmauer der Gartenstrasse 16 entwickelte ortstypische, jedoch nicht dem modernen Bürogebäude entsprechende Mansarddach vermag noch nicht ganz zu überzeugen. Die zu zahlreichen Dachlukarnen sind in baurechtlicher Hinsicht insgesamt zu breit...
Kaufmann Widrig Architekten GmbH
Die Verfasser begründen das – hohe Planungssicherheit versprechende – Projekt mit dem Wert des zeittypischen Bestands, der sich «mit grosser Selbstverständlichkeit in die Kernzone Selnau» einfüge. Sie klären denn auch die Wirkung des charakteristischen Fassadenrahmens durch das Weglassen des erdgeschossigen Vordachs und durch die Öffnung der erdgeschossigen Räume entscheidend. Im Gegenzug dazu wird allerdings die horizontale Strukturierung der Binnenfläche mit Fenster- und Brüstungsbändern aufgehoben und durch eine glatte Aluminiumhaut mit gleichsam ausgestanzten quadratischen Löchern (Aluminiumfenstern mit Drehkippflügeln und integriertem Sonnenschutz) ersetzt. Dadurch verschiebt sich die Wahrnehmung weg von der Bänderung und hin auf das gleichsam am oberen Rand des Fassadenrahmens klebende Fensterraster, das nun einen ungünstigen Ausschnitt aus einer massiven Lochfassade suggeriert. Das steile Mansarddach ist zwar ortstypisch, will aber nicht recht zur Abstraktion verheissenden Fassadenfläche passen. Damit dieses Mansarddach, wie baurechtlich gefordert als Dach in Erscheinung tritt, müsste der hohe Fensterflächenanteil minimiert bzw. durch Erker ersetzt werden...
Loeliger Strub Architektur
Die Verfasser übernehmen vom Bestand das Gestaltungsprinzip der flachen Ausbildung der Fassade und der horizontalen Gliederung mit Fenster- und Brüstungsbänder, verzichten aber auf den umfassenden Rahmen und ersetzen ihn durch einen markanten Dachrandabschluss und einem Vordach über dem Erdgeschoss. Der horizontale Übergang zu den Nachbarsbauten wird durch eine breite Schattenfuge sichergestellt. Die auberginefarbenen Schwingflügel und auch die in den Strassenraum greifenden Fallarmmarkisen verleihen der Fassade Plastizität im Betrieb. Die Verkleidung der Brüstungen ist mit fein gewellten Aluminiumplatten vorgesehen, die Stossfugen werden strassenseitig blau akzentuiert, hofseitig fehlt diese zusätzliche Vertikalgliederung, die Horizontalwirkung wird somit noch verstärkt. Das im Bestand gedrungen wirkende Sockelgeschoss wird neu farblich abgesetzt und auf den Strassenraum hin geöffnet, was diesen aufwertet und grundsätzlich begrüsst wird...
Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht