Projektwettbewerb Im Grund Willisau
Selektives Verfahren
1 Zehntenplatz, 6130 Willisau
Publikationsdatum
05.09.2016
Auftraggeber
Katholische Kirchgemeinde Willisau zusammen mit der Stadt Willisau
SIA 142
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Roberto Alberati (Architekt, Zofingen),
- Benno Baumeler (Architekt, Wolhusen),
- Pascal Vincent (Architekt, Bern),
- Christoph Kaech (Architekt, Spreitenbach),
- Simon Schöni (Landschaftsarchitekt, Bern),
- Monika Jauch-Stolz (Architektin, Luzern),
Sachrichter
- Wendelin Hodel (Stadtammann, Willisau (Vorsitz)),
- Antonia Zihlmann (Kirchgemeinde, Willisau),
- Mario Roth (Büro für Raumplanung, Pfäffikon),
- Rolf Möri (Vertreter private Eigentümerschaft, Willisau),
- Pius Lustenberger (Vertreter private Eigentümerschaft, Willisau),
Wettbewerbsresultat
Zielsetzung
Das Ziel besteht darin, über alle 4 Parzellen eine Gesamtplanung zu machen mit Kindergartenräumen, Tagesstrukturen und Pfarreiräumen, eines Saales und Wohnungen.
Dabei ist die Anordnung der Nutzungen, der Erschliessung und Parkierung so zu lösen, dass ein ortsbaulich und architektonisch hochwertiges Ganzes entsteht. Die internen Grenzen sind nicht mehr verbindlich. Die Gesamtlösung hat den Vorrang. Ausser der Stadt haben alle Eigentümer das Bedürfnis, Wohnungen zu erstellen. Deren Anzahl ergibt sich aus der städtebaulichen Verträglichkeit und architektonischen Möglichkeiten. Der Wirtschaftlichkeit ist eine sehr hohe Beachtung zu schenken.
Für die Parkierung muss eine Gesamtlösung in einer Tiefgarage gefunden werden. Die Kote des Grundwasserspiegels erlaubt zwei Untergeschosse. Der Wirtschaftlichkeit ist aber auch in dieser Beziehung hohe Beachtung zu schenken.
Empfehlungen
Das Preisgericht beschliesst einstimmig, das Projekt mit dem 1. Preis, vicinia, zur Weiterbearbeitung zu empfehlen.
Dabei sind der Projektbeschrieb und die nachfolgend aufgeführten Empfehlungen für die Projektüberarbeitung in die weitere Planung einzuarbeiten.
- Die Adressbildung des Saales ist zu verdeutlichen.
- Die Organisation des Erdgeschosses ist im Bereich der öffentlichen Nutzungen zu optimieren.
- Die Setzung des Wohnbaus muss zugunsten des Aussenraumes angepasst werden.
Beschriebe der rangierten Projekte
Vicinia (1. Rang, 1. Preis: LEISMANN)
Die Verfasser sehen den Wettbewerbsperimeter als Schnittstelle zwischen der historischen Altstadt von Willisau und der quartierähnlichen Struktur westlich des Gemeindehauses, wie sie in den meisten Siedlungsräumen vorkommt. Einfamilien- bzw. Mehrfamilienhäuser wechseln sich ab mit Kleinindustriebauten und dergleichen.
Neu soll das Quartier durch fünf markante Bauvolumen definiert werden. Diese sind in ihrer Umklammerung vier- bzw. fünfgeschossig. Das Bauvolumen des Kindergartens im Zentrum der Anlage ist dreigeschossig. Abgeschlossen wird die Gesamtanlage im Osten durch die bestehenden Bauten des Gemeindehauses und der Alterswohnungen. Die Funktionen Pfarreisaal, Tagesstruktur und Kindergärten bilden das gewünschte Ensemble. Sie werden mit einem eingeschossigen Volumen untereinander verbunden. Dessen Ausformulierung befriedigt aber noch nicht. Weiter muss die verwirrende Treppenanlage der beiden Wohnbauten der Kirchgemeinde logischer und somit einfacher aufgezeigt werden.
Die Wohnungen der Kichgemeinde liegen in den oberen Geschossen der Bauvolumen entlang der Strasse Im Grund. Das geschickte Zurückspringen der Fassaden verhindert, dass eine zu lange Fassadenfront entsteht. Die Stirnfassaden der beiden Gebäudevolumen in der Nordostecke des Betrachtungsperimeter spannen eine klare Eingangssituation auf. Die Ausformulierung der Neubaufassade an dieser Stelle wirft aber viele Fragen auf und wirkt wenig überlegt. Über diese Torsituation gelangt man auf den Platz, welcher die Eingangssituation der öffentlichen Nutzungen aufzeigt. Funktional getrennt liegen an der südwestlichen Lage des Aufgabenfeldes die beiden Häuser mit den Privatwohnungen. Hier sind alle Geschosse mit Wohnungen belegt. Der Raum zwischen der Wohnnutzung und den Alterswohnungen wird mit dem geforderten Aussenraum des Kindergartens belegt. Mit dieser Massnahme bleibt die Gesamtanlage weiterhin bis zum Mühlebach erlebbar.
Die Grundrisse der Funktionsräume sind logisch und klar gegliedert. Als Schwachstelle des Projektes entpuppen sich die Wohnungsgrundrisse. Die interne Anordnung der Nutzräume bringt wenig Innovatives hervor. Die Wohnungsgrundrisse der Kirchgemeinde sind wenig klar gegliedert. Es stellt sich die Frage, ob die Privatbauten die Abstufung des Attikavolumens benötigen. Der durchgehende Gedanke einer Loggia müsste auch hier Platz haben. Die Anordnung der Tiefgarage ist logisch und mit der neuen Ausfahrt, zusammen mit der Parkierung der Alterswohnungen, auch an der richtigen Stelle mit dem Strassennetz der Umgebung verbunden.
Die Fassaden mögen auf den ersten Blick etwas starr für die Umgebung wirken. Trotzdem sollte das neue Quartier ein gesamtheitliches Erscheinungsbild erhalten. Das vorgeschlagene Fassadenraster kann aber mit seinem System alle Arten von Nutzungen in den Bauvolumen abbilden. Somit ist der Lösungsvorschlag bezüglich der Fassadengestaltung zeitlos und deshalb auch gerechtfertigt.
Es handelt sich um ein Projekt, das sich bezüglich Wirtschaftlichkeit im Durchschnittsbereich befindet.
Das Aussenraumkonzept wird konsequent aus dem Ort und aus der Funktion der Gebäude heraus entwickelt. So werden die beiden Wohnungsbauten an der Chirbelmatt in das Siedlungsgrün eingewoben. Kindergarten wie Pfarreisaal gruppieren sich mit dem Gemeindehaus zusammen um einen zentralen Hof. Zwischen den Gebäudevolumen bilden hofartige Räume, welche mit Bäumen akzentuiert werden, Adressen. Hier kann angeliefert und parkiert werden, es hat auch Platz um sich hier aufzuhalten. Der losgelöste und zum Teil öffentliche Kindergartenaussenraum liegt gut ausgerichtet vorgelagert am Hangfuss. Die Schnittstelle zwischen privatem Grün und öffentlichem Raum ist schwierig und in der vorliegenden Ausgestaltung noch unbefriedigend.
Das Projekt Vicinia überzeugt durch die städtebauliche Setzung der Bauvolumen und der entstehenden Aussenräume. Die Interaktion der Bauten untereinander muss aber noch teilweise geschärft werden. Gleiches gilt für die Wohnungsgrundrisse. Die Stärke des Wettbewerbsvorschlags liegt jedoch in seiner Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.
KISATAWO (2. Rang, 2. Preis: Guignard & Saner Architekten)
Die Projektverfasser reagieren mit drei sehr unterschiedlichen Volumen auf die gestellte Aufgabe. Auf der Nordseite werden beinahe über die ganze Breite der Parzelle zweigeschossig das neue Pfarreizentrum und darüber liegend auf drei weiteren Geschossen Wohnungen organisiert. Die unterschiedlichen Nutzungen sind in der Fassadengestaltung gut ablesbar. Die Eingangssituationen werden klar getrennt. Der Zugang zu den öffentlichen Nutzungen des Pfarreizentrums liegt sinngemäss auf der schmalen Ostseite des Gebäudes, wodurch dieses Gebäude gegen Osten zur Geissburgstrasse eine klare Adresse und auch ein Gesicht bekommt. Der vorgelagerte chaussierte Platz schafft - begrenzt durch Gemeindehaus und Pfarreizentrum - eine neue städtische Platzsituation. Die privaten Wohnungen werden über die Strasse Im Grund von Norden her erschlossen...
Rendez-vous (3. Rang, 3. Preis: Zimmer Schmidt Architekten)
Eine vierteilige Gebäudegruppe wird so auf dem Gelände positioniert, dass sich angemessene Achsen und Aussenräume bilden, welche die Bebauung an ihr Umfeld anbinden. Die Körnung der Gebäudevolumen vermittelt zwischen der lockeren Vorstadtbebauung und der geschlossenen Altstadt. Das historische Schulhaus und heutige Gemeindehaus behält seine zentrale Stellung im Gebäudeverbund. Durchgehend gepflästerte Quartiergassen nehmen ein Altstadtthema auf und setzen es, ergänzt durch die Pflanzrabatten mit Baumgruppen, stimmig um...
Mit rendez-vous liegt ein unprätentiös pragmatisches Projekt vor, das in vielerlei Beziehungen vorteilhafte Lösungen und grosses Entwicklungspotenzial anbietet. Die städtebaulich-architektonische Gestalt vermag jedoch die Jury nicht zu überzeugen.
Heinrich (4. Rang, 4. Preis: Menzi Bürgler Architekten)
Die Verfasser ordnen den Rändern des Perimeters entlang fünf Gebäude, die in etwa gleich grosse Grundrisse aufweisen, in den Höhen aber variieren. Die beiden bestehenden Gebäude, das Gemeindehaus und die Alterswohnungen, werden in diese Komposition integriert. Zwischen den Gebäuden werden Freiräume aufgespannt, die verschiedene Nutzungszuweisungen erhalten. In der Ausgestaltung der Gebäude werden Unterschiede gemacht zwischen reinen Wohnbauten und öffentlichen Bauten...
Gesamthaft beurteilt handelt es sich um einen Vorschlag, der eine masstäbliche und vielfältig ausgeformte Volumenplatzierung aufzeigt. Die Lage des Kirchgemeindesaals im Zentrum und hinter dem Gemeindehaus ist suboptimal. Sämtliche Gebäude, auch die Wohnbauten würden durch Emissionen beeinträchtigt.
Quadra (5. Rang, 5. Preis: Soppelsa Architekten)
Die Projektverfasser platzieren vier in etwa gleich grosse und gleich hohe Gebäudevolumen auf dem Gelände. Dabei werden sie paarweise Nord-Süd und Ost-West orientiert. Das Gemeindehaus und die Alterswohnungen werden in die Komposition einbezogen. Es entstehen somit zwei Höfe, die sich zu diesen beiden bestehenden Gebäuden richten. Ein dritter Hof richtet sich gegen Westen zum Wohnquartier. Jedes Gebäude weist ein zum Hof vorkragendes Erdgeschoss auf und eine zurückgesetzte Attika...
Gesamthaft beurteilt handelt es sich um einen Vorschlag der dadurch besticht, dass alle öffentlichen Nutzungen erdgeschossig sind und das Wohnen ab dem 1. Obergeschoss beginnt. Die Platzierung der Volumen ist teilweise unpräzise und es entstehen Überlappungen, die sich negativ auf die Grundrisse ausweisen. Zudem wirkt das ganze Ensemble etwas spannungslos.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)