Neubau Unterhaltsstützpunkt Bernina
Selektives Verfahren
Berninapass, 7710 Poschiavo
Publikationsdatum
17.11.2016
Auftraggeber
Hochbauamt Graubünden
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Markus Dünner (Kantonsbaumeister, Hochbauamt Graubünden, Chur),
- Christian Auer (Architekt, Studienleiter IBAR HTW, Chur),
- Quintus Miller (Architekt, Miller & Maranta, Basel),
- Patrizia Guggenheim (Kunsthistorikerin, Bündner Heimatschutz Engadin, Promontogno),
Sachrichter
- Mario Cavigelli (Regierungsrat, Vorsteher Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement, Chur, Vorsitz),
- Reto Knuchel (Kantonsingenieur, Tiefbauamt Graubünden, Chur),
- Richard Atzmüller (Geograf, Amtsleiter, Amt für Raumentwicklung, Chur),
Wettbewerbsresultat
Ein zweistufiger Projektwettbewerb sollte das Architekturbüro ermitteln, das einerseits für die Entwicklung eines architektonisch innovativen, effizienten und flexiblen Unterhaltsstützpunkts qualifiziert ist. Weiter sollten die Planenden die Realisierung in der geforderten Qualität, die Wirtschaftlichkeit sowie die Einhaltung der Kosten- und Terminvorgaben garantieren können.
Für die Präqualifikation wurden 60 Arbeiten eingereicht. Alle zugelassenen Bewerbungen wurden gemäss den Vorgaben geprüft und bewertet, die Beurteilung erfolgte in mehreren Rundgängen. Nach der letzten Bewertungsrunde wurden die Bewerbungsdossiers der sechs Architekturbüros mit den höchsten Punktzahlen einstimmig für den Projektwettbewerb ausgewählt. Unter diesen sechs überzeugte das Projekt «Camera Obscura» von Bearth & Deplazes Architekten aus Chur die Jury am meisten, insbesondere die Einbettung in die Landschaft wurde als gelungen empfunden: «Das Projekt zeigt eine intensive und interessante Auseinandersetzung mit der Landschaft. Der Ort wird durch eine gebogene Wand und einen frei stehenden Siloturm neu definiert. Alle Räume sind erdüberdeckt. Dadurch werden die prägnante Topografie aufgenommen und die über Jahre entstandenen Narben in der Landschaft renaturiert. Die Natur ist Bestandteil des Projekts und Teil des Entwurfs.» Ebenfalls positiv wertete die Jury die ebenerdige Verteilung der funktionalen Räume.
Sichtbares Zeichen
So zurückgenommen sich der erstplatzierte Entwurf präsentierte, so selbstbewusst trat der zweitplatzierte «Barba Gian» von Pablo Horváth aus Chur auf. Ein weithin sichtbarer Siloturm mit Kupferverkleidung markiert den Stützpunkt in der Landschaft. Er thront über einem zweifach abgewinkelten, länglichen Baukörper, in dem die Betriebsräume untergebracht sind. Dessen günstige abgewinkelte Form bildet den für die Fahrzeuge wichtigen Vorplatz. Während Setzung und Positionierung der Räume die Jury überzeugte, kritisierte sie vor allem die Materialwahl: «Die Aufbauten, insbesondere der ebenfalls pyramidenstumpfförmige Siloturm in Kupferverkleidung, sind ein weithin sichtbares Zeichen in der kargen Berglandschaft. Das Kupferblech verändert den Farbton im Aussenklima zu einem dunklen Braunton, damit verliert sich dieser wohltuende Farbkontrast, die Materialwahl ist auch aus ökologischen Gründen zu hinterfragen.»
Unprätentiöse Holzkonstruktion
Aufgeräumt, fast unscheinbar zeigte sich der drittrangierte Entwurf «Yuki» der ARGE von Ballmoos Krucker Architekten/Fanzun. Damit stellte er einen deutlichen Kontrast zu den expressiven Erst- und Zweitplatzierten her. Die Holzkonstruktion wurde vor allem in Bezug auf die Vorfabrikation und eine kürzere Bauzeit als vorteilhaft empfunden, moniert wurden hingegen ungünstige betriebliche Abläufe. Die generelle Einschätzung fiel aber durchaus positiv aus: «Gesamthaft überzeugt das Projekt durch seine fast unscheinbare Präsenz an der Bernina-Passstrasse, als Zeichen einer rücksichtsvollen Einpassung in die Landschaft, gepaart mit einer hohen Funktionalität in einem äusserst kompakten Volumen und einer durchdachten Strukturierung.» Warum es trotzdem nicht für den Sieg reichte? Vielleicht war der Entwurf dann doch etwas zu rücksichtsvoll.
Allgemeine Kritik
Der Wettbewerb hatte zum Ziel, neben einem formal schlüssigen Vorschlag für den Stützpunkt eine Lösung zu erhalten, die funktional überzeugt. Hier ortete die Jury bei allen drei rangierten, aber vor allem auch beim Siegerprojekt noch Verbesserungspotenzial.
Text: Johannes Herold, Architekt
Weitere Teilnehmer – Stufe 2
«Zwei Figuren» Caruso St John Architects, Zürich; Ferrari Gartmann, Chur; Bakus Bauphysik & Akustik, Zürich
«Wegmacherhaus» Iseppi-Kurath, Thusis
«Angolo» Penzel Valier, Zürich; SAR Elektro und Telematik, Chur; Gini Planung, Lenzerheide; Gartenmann Engineering, Zürich; BDS Security Design, Bern; IBV Hüsler, Zürich
Weitere Teilnehmer – Eingabe
Park Dipl. Architekten, Zürich; Cangemi Architekten, Chur; Ruch & Partner Architekten, St. Moritz; ARGE Aita Flury Architektin & Schnetzer Puskas Ingenieure, Zürich; Liesch Ott Architekten, Chur; Renato Maurizio, Maloja; Norbert Mathis, Chur; Carigiet Architektur und Baumanagement, Ilanz; ARGE Pascal Flammer / Archobau, Chur; Temperaturas Extremas Arquitectos – Amann Canovas Maruri, Madrid; ARGE Alex Buob / Carlos Martinez Architekten, Ftan; Degelo Architekten, Basel; Klainguti + Rainalter, Zuoz; AT7 Architektur, Samnaun- Compatsch; Ruinelli & Associati, Soglio; Brasser Architekten, Samedan; ARGE Leidescher Architekten + Obraestudio + Mikel Martinez, Zürich; Ritter Schumacher, Chur; Fiechter & Salzmann Architekten, Zürich; Cavegn Architekten, Schaan; SAM Architekten und Partner, Zürich; Allemann Bauer Eigenmann Architekten, Zürich; Aschwanden Schürer Architekten, Zürich; ARGE Heusler /Krieg, Lenzburg; Pfleger + Stöckli Architektur, Chur; Rossetti + Wyss Architekten, Zollikon; Paul Duri Degonda, Chur; Weberbuess, Basel; Pool Architekten, Zürich; Schmidlin Architekten, Zürich; ARGE Ressegatti Thalmann / Wagner Vanzella, Zürich; Demuth Hagenmüller & Lamprecht Architekten, Zürich; ARGE Bosch & Heim / Natter & Malgiaritta / Placido Pérez, Chur; Loeliger Strub Architektur, Zürich; Weberbrunner Architekten, Zürich; ARGE Huggenbergerfries Architekten / Walter Dietsche Baumanagement, Zürich; ARGE Iso Huonder / Grigo Pajarola Architekten, Chur; Architekturbüro Flury + Furrer Architekten, Zürich; Pfister Schiess Tropeano & Partner Architekten, Zürich; Scheibler & Villard, Basel; ARGE Planbar / Beat Burgmaier Architekten, Triesen (FL); Bosshard Vaquer Architekten, Zürich; Architekturbüro Caramel Architekten, Wien; KIT-Architects, Zürich; Mierta & Kurt Lazzarini Architekten, Samedan; Joos & Mathys Architekten, Zürich; IllIz Architektur, Zürich; Capaul & Blumenthal Architects, Ilanz; Jaeger Koechlin Architekten, Basel; S2 / Stucky Schneebeli/Architekten, Zürich; Küchel Architects, St. Moritz; E2A Architekten, Zürich; Christen Architekturbüro, Chur; Cukrowicz Nachbaur Architekten, Bregenz