Neubau Schulhaus Trachslau
Selektives Verfahren
Moosstrasse, 8840 Trachslau
Publikationsdatum
22.11.2016
Auftraggeber
Bezirk Einsiedeln - vertreten durch die Planungskommission Schulhaus Trachslau
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Hanspeter Kälin (HPK Architekten AG, Baubegleitung),
- Max Germann (Architekt),
- Gular Miller Acat (Architektin),
Sachrichter
- Franz Pirker (Bezirksrat, Ressort Bildung und Kultur (Vorsitz)),
- Markus Kälin (Bezirksrat, Ressort Liegenschaften),
- Markus Zollinger (Rektor, Abteilungsleiter Bildung und Kultur),
- Jakob Wyrsch (Abteilungsleiter Liegenschaften Sport Freizeit),
Wettbewerbsresultat
Ausgangslage
Das Schulhaus Trachslau im Bezirk Einsiedeln ist zu klein geworden und ist sanierungsbedürftig. Es fehlen Schulzimmer, Gruppenräume, Kindergarten, Nebenzimmer, etc. Weiter besteht Bedarf für eine Mehrzweck-/1-fach-Turnhalle mit Hartplatz und Spielwiese. Unter vertretbarem Aufwand ist eine Sanierung der bestehenden Anlage nicht möglich. Das bisherige Areal des Schulhauses bietet zu wenig Platz für die vorgesehenen Neubauten. Ein neues Schulhausareal an einer zentralen Lage ist verfügbar und wurde der Zone für öffentliche Bauten hinzugefügt.
Das alte Schulhaus und die dazugehörigen Freiflächen stehen künftig für andere Nutzungen zur Verfügung.
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft, das Projekt Amadeus von Rohrer Sigrist Architekten GmbH unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Vorprüfung und des Juryberichts zur Weiterbearbeitung.
Rangierte Projekte
Amadeus (1. Rang, Rohrer Sigrist Architekten)
Die zwei Baukörper erzeugen eine überzeugende Gliederung der Aussenräume. So erhält das Dorfzentrum eine neue grosszügige Ausrichtung. Das Projekt ist mit ein- bzw. zweigeschossigen feingliedrigen Holzfassaden im Einklang, mit der ländlichen Umgebung im Ortsbild gut verankert. Die Anforderungen bezüglich Kindergarten- und Schulbetrieb sind vollumfänglich erfüllt, alle Schulräume befinden sich auf einer einzigen Etage. Die Mehrzweckhalle ist so konzipiert, dass die verschiedensten Nutzungen, vom Sport bis hin zu Theater oder Konzerte optimal ermöglicht werden.
Das Schulhaus ist am nördlichen Ende des Grundstücks platziert und bewirkt die gewünschte Situierung des Schwerpunkts der Anlage in der Richtung des nördlichen, neueren Dorfteils. So wird ein breiter Raum zwischen dem Schulhaus und der Kirche aufgespannt. Eine Baumallee und der Zugangsweg flankieren diesen Raum auf der Westseite und verbinden selbstverständlich den Kirchenvorplatz mit dem südlich ausgerichteten Schulhof. Westlich der Baumreihe ordnet sich der eingeschossige Kindergartenpavillon als Abschluss einer Reihe kleinerer Wohnbauten ein. So erhalten die Kindergärten westlich ausgerichtete Aussenräume mit einem intimen Charakter. Die Ostfassade des Pavillons fasst den Schulhof auf dieser Seite. An diesem sonnigen, windgeschützten Platz liegen die Haupteingänge für die Schule, den Kindergarten und auch für Veranstaltungen in der Halle, welche im Schulhaus integriert ist. Im Nordwesten liegt der Sportplatz, wie das vorhandene Terrain, tiefer. Eventuell kann das Niveau nach oben angepasst werden. Der Übergang erfolgt über eine Freitreppe in der Verlängerung der Zugangsachse zwischen den beiden Baukörpern. Eine Fortführung dieses Weges bis in den nördlichen Dorfteil ist in den Plänen angedeutet und durchaus prüfenswert.
Das Erdgeschoss des Schulhauses ist als Galerie zur Mehrzweckhalle ausgebildet. So ergibt sich eine hervorragende Orientierung im Eingangsbereich. Die westseitige Glasfassade sorgt für eine grosszügige Raumwirkung mit viel Tageslicht und Ausblicke in die Landschaft. Zwei Treppenanlagen erschliessen die Schulräume im Obergeschoss sowie die Halle und Umkleideräume im Untergeschoss. Die Erschliessung ist überall angemessen dimensioniert mit genug Fläche für den Aufenthalt und die Garderoben. Die Klassenzimmer und Gruppenräume sind optimal angeordnet. Die Anordnung der Nebenräume auf der Hallenebene gewährleistet eine multifunktionale Nutzung der Halle.
Die Lichthöfe leisten im Obergeschoss eine wertvolle Gliederung, Belebung und auch Übersicht der Erschliessung. Im Erdgeschoss, wo Ausblicke und Lichteinfall über die Westfassade gegeben sind, tragen sie weniger bei. Eine Optimierung, auch in statischer Hinsicht, soll geprüft werden. Die Geometrie aller Treppen entspricht noch nicht den gültigen Normen und muss angepasst werden. Die Zugänglichkeit des Lifts muss verbessert werden. Die Verbindung zum Sportplatz im Untergeschoss könnte zum Vorteil grosszügiger ausgestaltet werden.
Das Projekt liegt mit Kubatur und Gebäudehülle im mittleren Bereich unter den eingereichten Arbeiten und verspricht eine wirtschaftliche Umsetzung. Es lässt eine gelungene Schulanlage mit einer heiteren und einladenden Atmosphäre erwarten. Das Projekt überzeugt in seiner Gesamtheit und das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft den Entwurf zur Weiterbearbeitung.
Nie ohne Seife waschen (2. Rang, BSS Architekten)
Das Ensemble überzeugt durch ein stimmiges Erscheinungsbild. Die Kombination zwei unterschiedlicher Gebäudevolumen und die Materialisierung der Fassaden nehmen Bezug auf die ländliche Siedlungsstruktur. Traditionelle architektonische Gestaltungselemente werden neu interpretiert. Das weiche Holzgebäude ruht auf einem betonierten Sockel. Der Entwurf ist sorgfältig ausgearbeitet und die Visualisierungen lassen erkennen, dass die Anlage sehr gut in die Umgebung passen würde. Die unterschiedliche, nutzungsbedingte Massstäblichkeit der Fensteröffnungen lassen die zwei Gebäude eigenständig erscheinen und sich trotzdem zu einem Ensemble vereinen. Eine Visualisierung der heiklen Strassenansicht (Ostfassade) fehlt. Diese bedarf einer sorgfältigen Bearbeitung der (hohen) Sockelpartie zusammen mit der anschliessenden Holzfassade...
Die äussere Erscheinung des Entwurfes ist sehr gelungen. Die innenräumliche Konzeption weist aber doch einige kritische Punkte auf, die ohne grössere Korrekturen im Konzept nicht zu beheben sind. Darum kann das vielversprechende Projekt nicht zur Weiterbearbeitung empfohlen werden.
David + Goliath (3. Rang, Hotz Partner)
David und Goliath waren nicht verwandt und sie waren sich auch nicht ähnlich. Im Übrigen war der kleinere David der Stärkere und er eliminierte den Riesen Goliath. Beim vorliegenden Projektvorschlag ist diese verunglückte Wahl des Kennworts nun aber keineswegs ein Hinweis auf allenfalls mangelnde Qualität des Entwurfs.
Stärker als üblich beruht dieser nämlich auf einer sehr überzeugenden Vision des Erscheinungsbildes, die das Projekt auf eindrückliche Weise in der Zeit und in der Geschichte des Grossraums Einsiedeln verankert. Der Griff zum Stall mit Betonsockel und Holzaufbau als Referenzbild für ein Schulhaus ist zwar gewagt und es braucht grosse Sorgfalt in der Transformation der gewählten Konstruktionsprinzipien der Materialien des Volumens und der Beziehung zum Terrain. Soweit es die vorhandenen, sehr sorgfältig ausgearbeiteten Unterlagen erkennen lassen, ist das beim vorliegenden Projekt aber gelungen. Der Entwurf wirkt in seiner äusseren Erscheinung in hohem Masse ortsbezogen und authentisch...
Die innenräumliche und konstruktive Bearbeitung, insbesondere des Obergeschosses, löst die architektonischen Versprechungen aus der Vision leider nicht ein. Es fehlt eine zu erwartende Auseinandersetzung mit einem angemessenen Tragwerk und die dazu passende innere Raumentwicklung. Die Verfasser verpassen es bedauerlicherweise, diese Chance zu packen und den vielversprechenden konzeptionellen Ansatz mit der notwendigen Akribie zu Ende zu entwickeln.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)