Neubau Schulhaus Staffeln in Luzern
Offenes Verfahren
Schulhaus Staffeln, 6015 Luzern
Publikationsdatum
15.06.2016
Auftraggeber
Stadt Luzern, vertreten durch die Baudirektion
SIA 142
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Jürg Rehsteiner (Stadtarchitekt Luzern),
- Roger Boltshauser (Architekt, Zürich),
- Annette Gigon (Architektin, Zürich),
- Marco Merz (Architekt, Basel),
- Armando Meletta (Architekt, Luzern),
- Sibylle Aubort Raderschall (Landschaftsarchitektin, Meilen),
- Erich Zwahlen (Landschaftsarchitekt, Cham),
Sachrichter
- Manuela Jost (Stadträtin Stadt Luzern, Vorsitz),
- Vreni Völkle (Rektorin Volksschule),
- Friederike Pfromm (Architektin-Stadtbaumeisterin Stadt Luzern, Vorsitz Stv.),
- Teddy Henzi (Fachbereichsleiter Infrastruktur und Planung Volksschule),
- Fabrizio Laneve (Präsident Quartierverein Reussbühl),
- Anja Kloth (Architektin-Co-Leiterin Bau- und Objektmanagement),
Wettbewerbsresultat
Gegenstand
Das bestehende Sekundarschulhaus Staffeln entspricht aus bautechnischen und grundrisstypologischen Gründen nicht mehr den heutigen Nutzungsanforderungen und soll abgebrochen werden. Künftig soll die Sekundarschule im heutigen Primarschulhaus Ruopigen untergebracht werden, so dass auf dem Grundstück Staffeln ein Primarschulhaus erstellt werden kann. Mit dieser Rochade kann der Schulweg der Schulkinder optimiert und ausreichend Schulraum für den wachsenden Stadtteil sichergestellt werden.
Wettbewerbsaufgabe
Der Neubau sollte ein Primarschulhaus für 24 Primarschul- und 2 Kindergartenklassen sowie eine Dreifachturnhalle mit den dazugehörigen Aussenraumanlagen umfassen. Im Projektvorschlag war auch aufzuzeigen, wie das Schulhaus in einer späteren zweiten Bauetappe um 6 Primar- und 2 Kindergartenklassen erweitert werden kann.
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt der Auftraggeberin das Projekt Nr. 9 DODES'KA-DEN unter Berücksichtigung der nachfolgenden Rückmeldungen zur Weiterbearbeitung:
Die Vorteile einer Hoflösung im 2. Obergeschoss des Betreuungs- / Kindergartengebäudes für die Lehrerzimmer (inkl. Lageranteil als Vorwegnahme der zweiten Etappe) erschliesst sich nicht genügend. Die Lehrer sind im Obergeschoss etwas zu abgeschieden und haben tendenziell zu wenig Kontakt zum Pausenbereich. Einen Abtausch mit den Werkräumen oder den heilpädagogischen Unterrichtszimmer gilt es zu prüfen.
Auch die betrieblichen Vor- und Nachteile eines Abtauschs der Betreuungsräume im 1. Obergeschoss des Betreuungs-/Kindergartengebäudes mit Räumen, die im Erdgeschoss des Schulgebäudes vorgesehen sind, gilt es in der weiteren Planung sorgfältig abzuwägen.
Beschriebe der prämierten Projekte
DODES'KA-DEN (1.Rang, 1.Preis: Blättler Dafflon Architekten)
Jedem der drei Baukörper sind spezifische Nutzungen zugeordnet. Dem südwestlichen die Öffentlichsten (die Turnhalle, die Aula und die Musikräume), dem südöstlichen die Privateren (die Bibliothek, der Kindergarten, die Betreuungsräume) und zuoberst die Lehrerzimmer mit kleinem Innenhof. Im nördlichen Schulhaus-Baukörper befinden sich die Werkräume, die Förderungsräume sowie in den Obergeschossen die Klassenzimmer. Letztere sind zu gelungenen Clusterformationen angeordnet. Die Zuordnung der Nutzungen ist grundsätzlich einleuchtend, sinnvoll und berücksichtigt neben den unterschiedlichen Öffentlichkeitsgraden und Raumdimensionen auch die verschiedenen Nutzungszeiten. Die vorgesehene Struktur ist darüber hinaus flexibel genug, um in Zukunft auch Nutzungsanpassungen umsetzen zu können. Einige Rochaden von Funktionseinheiten drängen sich dabei gleichwohl auf. So wäre es beispielsweise wünschenswert, die Musikzimmer im gleichen Haus anzuordnen wie die Betreuungsräume. Ebenso willkommen wäre eine direkte Verbindung von den Betreuungsräumen zum Aussenbereich. Und schliesslich würde der Schulbetrieb nicht nur von mehreren Eingängen ins Schulhaus profitieren, sondern zusätzlich auch von räumlich entflochtenen, statt räumlich kombinierten Treppenhäusern, um den gleichzeitigen Ansturm von 500 bis 600 Schülerinnen und Schüler besser verteilen zu können...
Würdigung
Der leichte, spielerische und doch präzise Umgang mit der Aufgabe zeigt sich auf allen Ebenen: In der Setzung der Baukörper, dem Umgang mit der Topographie, der Gestaltung der Freiräume, der Anordnung der Nutzungen, der konstruktiven Ausformulierung und schliesslich auch im architektonischen Ausdruck der Bauten und Innenräume. Das Resultat ist eine gelungene Schulanlage, die mit dem grossen und dem kleinen Massstab umgehen kann, die sowohl einen Ausdruck für die Schule als Institution wie auch als Aufenthaltsort für die Kinder findet und die gegen aussen und gegen innen eine heitere und einladende Atmosphäre bietet.
BULLERBÜ (2.Rang, 2.Preis: Lütjens Padmanabhan Architekten)
Die architektonische Ausformulierung der einzelnen Schulhäuser folgt konsequent der Grundkonzeption des Entwurfs. Sie ermöglicht den einzelnen Häusern eine individuelle Prägung hinsichtlich der Grundrissorganisation und der Erscheinung der Baukörper. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der ungezwungene Umgang in der Grundrisskonzeption teilweise nicht etwas willkürlich bleibt. Die Ausgangslage ist dennoch positiv zu werten, insofern dass in einem partizipativen Prozess die einzelnen Häuser nahezu massgeschneidert angepasst werden könnten. Dies ist ein impliziertes Versprechen des Projekts.
Einzelne Ordnungen in den jeweiligen Grundrissen sind gekonnt auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt, andere werfen durch den grossen Freigeist in der Organisation der Grundrisse die Fragen der innenräumlichen Qualität auf. Als Beispiel kann der Erschliessungsraum der Turnhalle mit dem Saal erwähnt werden. In dieser Art der architektonischen Prägung könnte nur die Untersuchung im Modell die Zuversicht geben. Die Projektverfasser sind sich dieser Arbeitsweise bewusst und stellen verschiedene Modellbilder zur Verfügung. Diese sind von grosser Qualität und lassen ein gekonntes Handwerk der Projektverfasser erkennen. Konsequent werden die Häuser in ihrer äusseren Erscheinung angemessen individualisiert, ohne die architektonische Absicht und Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Diese basiert durchaus auf einem modernen, wenn nicht postmodernen Ansatz.
Die Organisation der Nutzungen bleibt der Grundkonzeption treu und ist geschickt auf die jeweiligen Häuser verteilt. So wird das Potenzial der Einzelhäuser richtig eingesetzt. Es sind unterschiedliche Schulhäuser möglich, die einerseits stufengerecht organisiert werden und andererseits im Erdgeschoss öffentlichere oder übergeordnete Nutzungen zulassen, die jeweils einen individuellen Bezug zum Aussenraum haben. Der Schulbetrieb war an der Herausforderung interessiert, diese Einzelhäuser zu organisieren und auf den Tagesbetrieb abzustimmen, da darin ein pädagogischer Nutzen erkannt wurde...
Vielleicht ist Heimat (3.Rang, 3.Preis: Masswerk Architekten)
Bereits vom Kreisel aus ist das neue Gebäudeensemble als Schul- und Sportanlage erkennbar. Die öffentliche Bedeutung wird durch den architektonischen Ausdruck, welcher mit dauerhaften und wertigen Materialien vorgeschlagen wird, unterstützt. Die Erschliessung der einzelnen Gebäudeteile erfolgt intuitiv und logisch über Eingänge, welche durch Vordächer markiert werden. In den Fassaden kommen die unterschiedlichen Typologien und Nutzungen der beiden Gebäude zum Ausdruck. Das Primarschulhaus zeigt sich zum Platz hin als regelmässiger, dreigeschossiger Bau mit zwei Unterrichtsgeschossen und gleichmässigem Fassadenrhythmus. Das zweite Gebäude kombiniert die Dreifachturnhalle mit einem multifunktionalen Kopfteil und entsprechender Fassadengestaltung. Die übergeordnete Materialisierung mit teils ornamental eingesetztem Sichtbacksteinmauerwerk und das Motiv der horizontalen Bänder aus vorfabriziertem Beton verleihen dem Ensemble einen einheitlichen und ruhigen Ausdruck. Die nach Süden und Osten ausgerichteten Fassaden des Turnhallengebäudes haben diesen Stand noch nicht erreicht.
Der kleinere, überdeckte Eingangsbereich zu den Kindergärten befindet sich mit Abstand zum Schuleingang am Zugangsplatz und ermöglicht eine gute Entflechtung der Primar- und Kindergartenstufe. Durch einen einspringenden, überdachten Bereich betritt man die Eingangs- und Pausenhalle der Schule. Sie gibt den Blick auf den südlichen, bewaldeten Hügel frei und verbindet die Freiräume auf beiden Seiten der Schule. Im Erdgeschoss befinden sich gut auffindbar die gemeinschaftlichen und öffentlicheren Nutzungen. Zwei Treppenanlagen führen von der Halle in die beiden Unterrichtsgeschosse. Im 1. und 2. Obergeschoss befinden sich jeweils drei Unterrichtsabteilungen, die als Lernlandschaften ausgestaltet werden. Um eine gemeinsame, frei möblierbare Mitte gruppieren sich vier Klassenzimmer und zwei Gruppenräume, dazu ein Lehrerarbeitsbereich, ein Materialraum und fest zugeordnete WC-Anlagen. Gedeckte Innenhöfe und die durch Schiebetüren abtrennbaren Gruppenräume sorgen für Belichtung und vielfältige Ausblicke ins Freie und durch das Gebäude. Der Lichteinfall in die freie Mitte im ersten Obergeschoss wird durch den Wegfall des zentralen Oblichtes stark beeinträchtigt. Das Untergeschoss verfügt über einen direkten Ausgang auf den tieferliegenden Pausen- und Sportbereich. Die Werk- und Handarbeitsräume haben dort die Möglichkeit von Aussenarbeitsplätzen.
Das zweite Gebäude präsentiert sich als multifunktionales Sport-, Freizeit- und Kulturhaus. Es vereinigt die Dreifachturnhalle mit einer kleinen Galerie und die Aula mit Küche und Betreuungsräumen idealerweise unter einem Dach. Die Aula, aber auch die Hallen können so mit den Räumlichkeiten der Betreuung kombiniert werden und separat von Schulbetrieb durch Sport- oder andere Vereine genutzt werden. Leider fehlt die Bibliothek in diesem Bereich...
GILBERTE & GEORGE (4.Rang, 4.Preis: ARGE Aita Flury dipl. Arch. ETH/SIA und Marco Teixeira Duarte Architekt)
Die Zugänge sind einfach auffindbar und erfolgen über den Pausenhof. Die Kindergärten sind am südlichen Gebäudekopf über einen eigenen Aussenbereich separat erschlossen. Die drei Klasseneinheiten haben je einen eigenen, die Beheimatung fördernden Zugang über einen gedeckten Aussenbereich wie auch eine grosszügige Halle. Der Verpflegungs- und Aufenthaltsbereich mit der Bibliothek wird über zwei Zugänge separat mit gedecktem Aussenbereich und grosszügigen Garderobenbereichen erschlossen. Turnhallen und Aula sind ebenfalls vom Pausenhof her erschlossen. Der lange Schulbaukörper ist im Grundriss und im Schnitt stark gegliedert. Darin spiegelt sich der reiche, innere Aufbau; es wird eine räumliche Verzahnung mit der eher kleinteiligen Bebauung im Umfeld gesucht. Der Ausdruck erinnert allerdings fast eher an einen Wohnungsbau als an eine Schule. Die Gliederung wird noch akzentuiert durch die grossen Eingangsvordächer auf konischen Stützen. Im Erdgeschoss reihen sich die Aufenthalts- und Verpflegungsräume sowie die Bibliothek beidseitig entlang des durchgehenden Mittelkorridors auf. Über jeweils zwei grosse Türen pro Raumeinheit können auch Querbeziehungen entstehen. Die drei Eingangshallen und zwei Garderoben sind vertikal dazu gesetzt. In den beiden Schulgeschossen weitet sich der durchgehende Korridor zu einer gegliederten und funktional stark differenzierten Multifunktionszone als räumliche Mitte, welche als Ergänzung zu den Klassenzimmern und den Gruppenräumen sehr vielfältige Mehrfachnutzungen in unterschiedlichen Situationen erlaubt. Die Möglichkeit, die Klassenzimmer über Eck zu öffnen ist räumlich zwar sehr schön, dürfte allerdings technisch aufwendig zu realisieren sein (Schallschutz). Die Korridorabschnitte dagegen sind etwas eng, die Lage der Lehrerzimmer ist in Bezug auf die räumliche Mitte und die Übersichtlichkeit nicht optimal. Die mit der Treppenerschliessung verbundenen Vorhallen sind zwar grosszügig, in ihrer Funktionalität und Zuordnung aber eingeschränkt. Im obersten Geschoss sind die Werkräume und die Lehrerund Schulleitungsräumlichkeiten wiederum entlang dem durchgehenden Korridor angeordnet. Das Gebäude ist lediglich minimal unterkellert. Die Aula, mit direktem Bezug zum Aussenraum, zu den Musikzimmern und zu den Turnhallen mit entsprechenden Nebenräumen im Untergeschoss, ist im separaten Baukörper sinnvoll angeordnet. Der gestufte Schnitt mit niedriger Fassade vermittelt gegen den Pausenhof...
SURIBACHI (5.Rang, 5.Preis: Architekturbüro Angela Deuber)
Gestalterisch wird die Form des Kreises auch bei den Innenräumen und der Gebäudestruktur zum tragenden Thema. Die Verfasser verweisen dabei auf «Der Beginn der Architektur» von Siegfried Giedion, wo die Urform der Hütte als Kreis beschrieben wird. Entsprechend wird der Mitte des Schulhauses ein kreisförmiges Atrium eingeschrieben, welches über fünf Geschosse formuliert und bis ins Erdgeschoss geführt wird. Das grosse, offene Atrium wird durch aussenliegende Fluchtbalkone ermöglicht, welche prägnant den Baukörper fassen. Die Schulanlage wird grundsätzlich zweiseitig über das Erd- und das erste Obergeschoss erschlossen. Die Aula kommt dabei im überhohen Erdgeschoss beim Haupteingang zu liegen. Um das Atrium organisieren sich die Treppenanlagen für die Turnhalle im Untergeschoss sowie die Schulräume im Obergeschoss. Die Sporthalle wird komplett unterirdisch angeordnet; auf Oblicht wird verzichtet, was Fragen bezüglich des Aussenraumbezuges und der Tageslichtnutzung für den Primarschulbetrieb aufwirft. Weiter wird der Geräteraum umständlich organisiert und die Anlieferung für Grossveranstaltungen ist problematisch. Im Erdgeschoss befinden sich die separat erschlossenen Kindergarteneinheiten sowie die Werkräume, welche übersichtlich und betrieblich gut angeordnet worden sind. Die Betreuungseinheiten kommen im zweiten Obergeschoss zu liegen, sind aber nicht klar vom übrigen Schulbetrieb getrennt. Eine direktere Beziehung dieser Räume zur Aula wäre ebenfalls wünschenswert gewesen. Erst ab dem dritten Obergeschoss erfolgt die Organisation der Clustereinheiten, was generell für einen Primarschulbetrieb unvorteilhaft ist. Zwei Gruppenräume werden jeweils von vier Klassenzimmern gerahmt. Als nachteilig wird die mittige Lage der Treppenhäuser in den Clustereinheiten beurteilt. Die einzelnen Lernlandschaften sollten gerade an dieser Stelle über eine gewisse Grosszügigkeit und Übersichtlichkeit verfügen. Weiter wäre eine deutlichere Trennung zwischen den einzelnen Clustereinheiten wünschenswert gewesen. Einige Klassenzimmer werden auf Grund ihrer Lage durch die aussenliegenden Fluchtbalkone bezüglich des Tageslichts zu stark beeinträchtigt. Generell werden die Fluchtweglängen über die Aussenbalkone kritisch hinterfragt...
Litowo (6.Rang, 6.Preis: E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten)
Die Zugänge als eigentliche Adresse der Schulanlage sind leicht auffindbar und logisch angeordnet: Drei Haupteingänge zu den Klasseneinheiten, separate Zugänge zu den Turnhallen, dem Betreuungsbereich und zu den Kindergärten. Die Haupterschliessung der Klasseneinheiten erfolgt über drei im Zentrum liegende offene Treppenanlagen. Durch die separaten Fluchtreppenanlagen können die grosszügigen, zentralen Räume zwar vielseitig genutzt werden, sie sind aber räumlich wenig gegliedert. Die Lage der Treppen im Zentrum erschwert zum Teil auch die Übersicht. Die vor allem auch für die Funktionalität wichtige und gewünschte räumliche Mitte wird dadurch etwas beeinträchtigt. Die Dreiteilung des Schulbaukörpers und die Anordnung auf drei Obergeschosse erlaubt die gewünschte Aufteilung in sechs Clustereinheiten, die auf den Geschossen untereinander verbunden sind. Lehrerbereiche, Werkräume und Bibliothek sind im Erdgeschoss übersichtlich und entlang der grosszügig durchgehenden Eingangshalle gut angeordnet. Drei Werkräume, nur mittels schmaler Abgrabung belichtet, sowie einige Nebenräume sind in einem Teiluntergeschoss untergebracht. Im südlichen Baukörper bildet die halbgeschossig eingesenkte Turnhalle mit dem Betreuungsbereich, der Aula, den Musikzimmern und den Kindergärten eine schöne, klar aufgebaute und gut gegliederte, zum Teil auch mit Zenitallicht versehene und auch funktional sehr gute Einheit. Zur Bibliothek, im anderen Baukörper gelegen, sind synergetische Beziehungen noch möglich. Aus der Logik des weitgehend modularen Raumprogramms wird für das gesamte Projekt ein mit bemerkenswerter Konsequenz angewandtes, dreidimensionales Raster vorgeschlagen. Dieses bestimmt, je nach Ort und Lage den Ausdruck, die Form und die Raumstimmung. Trotz der rigiden Anwendung gelingt eine selbstverständlich Einfügung der einzelnen Raumeinheiten, welche den Charakter der Schule prägen und als Folge der gelungenen Proportionierung doch zurückhaltend wirken...
LE PETIT PRINCE (7.Rang, 7.Preis: Enzmann Fischer Partner)
Das Schulhaus zeigt sich zum Pausenplatz hin als eine Schichtung aus Eingangs- und Klassenzimmergeschoss. Unter der Auskragung des Klassenzimmergeschosses reihen sich drei gleichberechtigte Eingangsbereiche nebeneinander, welche jeweils durch eine Auskragung ausformuliert werden. Von dort gelangt man in die Eingangshallen, welche im rückwärtigen Teil des Gebäudes durch eine Rue intérieur miteinander verbunden sind. Die Nutzungen im Schulgebäude sind klar strukturiert und sinnvoll auf die drei Geschosse aufgeteilt. Die drei separaten Eingangshallen und Erschliessungszonen verstärken das Gefühl der Beheimatung. Im Obergeschoss befinden sich die Clustereinheiten. Mittelpunkt eines Clusters ist die Garderobenhalle, die sich zwischen Patio und Atrium aufspannt. Diese belichten zugleich das tiefe Gebäude bis ins Erdgeschoss. Der mittig liegende Versammlungsraum bindet jeweils zwei Klassenzimmer mit Gruppenraum, Lehrpersonenzimmer und Vorbereich zu einer Clustereinheit zusammen. Die Verbindung zwischen den Unterrichtseinheiten ist lediglich über den Lehrerbereich möglich. Die Klassenzimmer weisen nur auf der kurze Seite Fenster auf, was die Zimmer einerseits schwierig möblierbar macht und andererseits schlechter belichtet. Im Erdgeschoss reihen sich entlang der Rue intérieur im rückwärtigen Teil des Gebäudes die Verpflegung sowie Therapieräumlichkeiten aneinander. Im vorderen Bereich gruppieren sich Lehrerzimmer, Bibliothek und eine Vielzahl von Nebenräumen um die Lichthöfe. Das zunächst versteckte Untergeschoss öffnet sich nach Osten hin zu den Sportanlagen und beherbergt Werkunterricht, Aula und den Kindergarten. Generell ist die Aufteilung und Anordnung der Räumlichkeiten gut und identitätsstiftend. Die Turnhalle ist klar strukturiert, jedoch gibt es auch hier Optimierungsbedarf bei Raumanordnungen und Betrieb. Die Distanz zu den Aussensportplätzen ist relativ gross...
TIM & EMMA (8.Rang, 8.Preis: Stücheli Architekten)
Am langgezogenen Eingangsraum des Schulhauses liegen gut platziert die Betreuungsbereiche mit Aussenbezügen und die Bibliothek sowie der einsehbare Luftraum der unbelichteten Aula. Das 1. Obergeschoss mit den zwei Kindergärten und die Werkund Therapieräume werden über zwei grosszügige Treppenanlagen aus dem Erdgeschoss erschlossen. Hier findet der Wechsel auf drei andere Treppenhäuser statt, welche ins 2. und 3. Obergeschoss mit den Schulzimmern führen. Im Schnitt verspricht diese Anordnung viele räumliche Qualitäten, in der funktionalen Betrachtung ist das Thema überstrapaziert. Das Schulgeschoss ist konventionell bespielt: Rundum angeordnete Klassenzimmer mit dazwischenliegenden Gruppenräumen, welche für einen Teil der Belichtung sorgen, sowie im Zentrum ein grösserer, zweigeschossiger Lichthof mit knappen Belichtungsmöglichkeiten. Leider belegt das Treppenhaus die Flächen in der freien Mitte. Im Untergeschoss befindet sich die Aula und das Foyer, beide ohne natürliche Belichtung, welche mit einem Stichgang mit dem UG, dem Niveau der Turnhallen, verbunden sind. Der Eingang in die Turnhalle erfolgt direkt auf eine kleine stirnseitige Galerie, welche über eine Treppe ins sehr eng organisierte Untergeschoss führt. Die Organisation des ganzen Gebäudes ist funktional möglich, ergibt aber wenig räumliche Qualitäten und müsste zur Einhaltung von Vorschriften der Feuerpolizei erheblich anders organisiert werden...
Kosmos (9.Rang, 9.Preis: Büro Konstrukt Architekten)
Das Schulhaus ist ein dreigeschossiges, in die Länge gezogenes Volumen, mit einer nordseitig gedeckten Eingangspartie. Dieses wird durch eine halbgeschossige Terrainabsenkung im Kopfbereich akzentuiert. Die Turnhalle nutzt die topographische Ausgangslage der Obermättlistrasse gut aus und nimmt sich seiner städtebaulichen Setzung durch seinen halbgeschossigen Versatz ins Untergeschoss zurück. Das Bauvolumen des Schulhauses wird mit geschosshohen Einschnitten von Erschliessungs- und Garderobenschichten in mehrere kleine, überschaubare Einheiten gegliedert. Die separaten Zugänge im Erdgeschoss sollen im Sinne einer Adressbildung dienen. Sie wirken für ein Primarschulhaus jedoch auch grossmassstäblich. Die Dreifachturnhalle verfügt über zwei separate Zugänge: Einen im Erdgeschoss für den Schulbetrieb und einen im Hochparterre für die publikumsintensive Nutzung. Das Schulgebäude ist nach Geschossen und Nutzungen klar strukturiert und durchdacht. So befinden sich Nutzungen mit ausdrücklichem Aussenbezug wie der Kindergarten oder öffentlich wirksame Räume wie Bibliothek oder Aula im Erdgeschoss und weisen separate Zugangsmöglichkeiten auf. In den beiden Obergeschossen ordnen sich pro Geschoss jeweils drei Clustereinheiten mit je vier Klassenzimmern an. Im nordseitigen Kopfbau sind Lehrerbereich und technisches Werken untergebracht. Die zusätzliche Belichtung des kompakten Baukörpers wird mittels Lichthöfen gewährleistet. Diese dienen gleichzeitig zur räumlichen Unterteilung der gemeinsam genutzten Mitte eines Clusters und erlauben über die Geschosse hinweg Sichtkontakte. Die Verbindungen der Klassenzimmer untereinander, zu den Gruppenbereichen und der gemeinsamen Mitte ermöglichen eine optimale Zusammenarbeit. Die Anordnung des textilen Werkens und einem Aussenbereich auf dem Dachgeschoss ist jedoch schwierig nachvollziehbar und scheint den Mehrwert eines solchen lichtdurchfluteten Raumes auf dem Dach nicht wirklich auszuschöpfen. Generell sind alle Räumlichkeiten zu knapp bemessen. Zudem sind gewisse Raumbezüge nicht gegeben...
Traghetto Zimmeregg (10.Rang, 10.Preis: Manuel Burkhardt Architekt)
Der viergeschossige Schulhausbaukörper nimmt alle Klassenzimmer auf und erschliesst sie mit zwei Treppenhäusern sowie inneren Verbindungskorridoren. Die Anordnung der Bibliothek beim Hauptzugang der Schule im Erdgeschoss, in der Nähe der Betreuungsräume wie auch die Lage des Kindergartens gegen Süden mit eigenem Aussenraum ist in beiden Fällen nachvollziehbar und sinnvoll. Der fassadenbegleitende Korridor im Erdgeschoss wäre als Mittelgangerschliessung zwischen Verpflegungsund Spielbereichen um Einiges vorteilhafter. In den Obergeschossen sind die Klassenzimmer in guter räumlicher Beziehung zueinander angeordnet. Die Lehrerstützpunkte sind im Treppenbereich aber zu dezentral und erlauben keine Übersicht über die gemeinsame Mitte. Auch die Lage der Werkräume im Untergeschoss und insbesondere deren Belichtung mit schalen Lichtschächten vermag nicht zu überzeugen; ebenso wenig deren Trennung zu den Handarbeitsräumen die sich im 2. Obergeschoss befinden. Im zweiten, niedrigeren Baukörper mit Satteldach befinden sich neben der Dreifachturnhalle auch die Musikzimmer und die Aula. Letztere öffnet sich zum Pausenplatz hin. Dabei dienen die Dachvorsprünge als gedeckte Pausenbereiche. Die grosse Distanz zwischen den Musikzimmern und den nördlich gelegenen Betreuungsbereichen im Schulhaus wird als betrieblich ungünstig beurteilt...
Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht