Neubau Klassentrakt Schulhaus Wallrüti
Selektives Verfahren
140 Guggenbühlstrasse, 8404 Winterthur
Publikationsdatum
16.02.2017
Auftraggeber
Stadt Winterthur, Departement Bau
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Michael Hauser (Stadtbaumeister Winterthur (Moderation)),
- Marie-Noëlle Adolph (Landschaftsarchitektin FH SIA BSLA, Meilen),
- Philipp Brunnschweiler (Architekt FH SIA, Winterthur),
- Sibylle Bucher (Architektin ETH SIA BSA, Zürich),
- Adrian Streich (Architekt ETH SIA BSA, Zürich),
- Katrin Gügler (Leiterin Bau 2),
Sachrichter
- Josef Lisibach (Stadtrat, Vorsteher Departement Bau (Vorsitz)),
- Stefan Fritschi (Stadtrat, Vorsteher Departement Schule und Sport),
- Toni Patscheider (Präsident Kreisschulpflege Oberwinterthur),
- Maya Steffen (Schulleiterin Sekundarschule Wallrüti),
- Urs Borer (Urs Borer, Leiter Zentrale Dienste),
Wettbewerbsresultat
Ausgangslage
Die Schulanlage Wallrüti liegt in einem grosszügigen Parkgebiet, das vom Freibad bis zur Landwirtschaftszone am Rande von Oberwinterthur reicht. Der Landschaftsraum soll Zug um Zug erneuert werden. In einem ersten Schritt muss der Klassentrakt ersetzt werden. Damit werden auch die Weichen für die weiteren Erneuerungsschritte gestellt.
Das Raumprogramm sieht einen Klassentrakt für 28 Klassen der Oberstufe vor, womit hier das grösste Schulhaus von Winterthur entstehen wird. Die räumliche Qualität der neuen Anlage soll zu einem guten Schulbetrieb beitragen.
Präqualifikation
Die Jury hat am 29. Februar 2016 in einer Präqualifikation aus 64 Bewerbungen zehn Teams für die Bearbeitung des Wettbewerbs ausgewählt. Nach Rückzug eines Teams haben neun Teams ihre Projekte fristgerecht und vollständig eingereicht.
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft, das mit dem 1. Rang / 1. Preis ausgezeichnete Projekt Grosser Bär zur Weiterbearbeitung.
Weiterbearbeitung
Nachfolgende Punkte sind bei der Weiterbearbeitung zu beachten:
— Die Betriebsabläufe zwischen Haupt- und Nebenräumen sowie zwischen Klassenzimmern und Lehrpersonenbereich sind zu überprüfen; insbesondere ist eine dezentrale Anordnung der WC-Anlagen nötig.
— Proportionen/Raumhöhen/Belichtung der Klassenzimmer sind zu überprüfen.
— Fenstertyp und Fensterfläche, Beschattung und Verdunkelung sind in Hinblick auf Energiebilanz, Schulanforderungen und Lieferbarkeit/Erprobtheit der Produkte zu überprüfen.
— Die Öffnungen/Verbindungen der Klassenzimmer sind hinsichtlich Fluchtwegtauglichkeit und Akustik zu überprüfen.
— Es ist nachzuweisen, dass trotz Verzicht auf eine künstliche Lüftung die Anforderungen an die Luftqualität in den Schulzimmern eingehalten werden.
— Es ist aufzuzeigen, wie die Laubenterrassen ausserhalb der Betriebszeit ausgeleuchtet/überwacht/ gesichert werden können.
— Es ist der Kostennachweis zu erbringen, dass der vorgegebene finanzielle Rahmen eingehalten werden kann. Dieser Nachweis ist im Vergleich zu den ermittelten Kosten zu plausibilisieren.
Rangierte Projekte
Grosser Bär (1. Rang, Schneider Studer Primas)
Der Vorschlag einer Pavillon-Freiluft-Schule zeigt ein sehr innovatives Konzept einer Sekundarschule auf, welches auf einer Erschliessung aller Schulräume via Aussenklima setzt. Für die Sekundarstufe ist dies absolut denkbar, sogar erwünscht, da die Schülerinnen und Schüler aufgefordert sind, sich in der Pause draussen aufzuhalten. Das Projekt hat nach Einschätzung der Vorprüfung das Potenzial, die Kostenvorgaben zu unterschreiten. Zudem eröffnet das zukunftsorientierte Raumkonzept pädagogisch wertvolle Perspektiven.
Der neue Klassentrakt kommt am nördlichen Rand des Schulareals auf der heutigen Spielwiese zu liegen. Auf drei Geschossen sind die Schulräume innerhalb einer regelmässigen Grundstruktur angeordnet, auf ein Kellergeschoss wird verzichtet. Im Kontrast zur orthogonalen Gliederung der Schulräume stellt sich eine umlaufende Laubenschicht als Pausenraum, die in verschiedenen Kreissegmenten organisch verspielt das Schulhaus «umringt». Markant treten an beiden Längsseiten halbrunde Plateaus mit Treppen- sowie Rampenverbindungen in Erscheinung; sie bilden Pausengärten über drei Niveaus...
Das Projekt «Grosser Bär» begeistert durch die Idee, eine Sekundarschule mit einem zukunftsorientieren Raumkonzept zu schaffen, welches architektonisch und pädagogisch neue Wege eröffnet. Die Schule Wallrüti steht vor einer räumlichen Weiterentwicklung, die eine identitätsbildende Wirkung entfaltet und ein animierendes Umfeld für einen qualitätsvollen Unterricht schafft. Geradezu symbiotisch verhält sich dazu der Ansatz einer radikalen Kostenoptimierung.
Rotes Krokodil (2. Rang, Annette Gigon/Mike Guyer Architekten)
Das Konzept der Verfasser beabsichtigt, die vorhandenen städtebaulichen Qualitäten der bestehenden Schulanlage und des Freiraumes zu erhalten und im selben Geiste weiterzubauen. Die bestehende Freiraumanlage wird bis auf einige kleine Anpassungen zur Optimierung des Bestandes übernommen und moderat erweitert. Dieser Ansatz von stark frequentierter Mitte mit hohem Öffentlichkeitsgrad überzeugt im Grundsatz. Konsequent wird in der Vision 2030 die Parklandschaft vom Freibad bis zu den Sportanlagen mit den beiden Wohntürmen gestärkt und mit einem bereichernden Wegenetz zu einer Naherholungsachse weiterentwickelt.
Anstelle der Pavillonanlage von 1974 soll, etwas mehr nach Norden verschoben, erneut ein dreigeschossiger gestaffelter Baukörper die terrassierten Aussenbereiche säumen. Das grosse Raumprogramm führt zu einer doppelbündigen Anlage und dadurch zu einer grösseren Gebäudetiefe. Die vorgeschlagene Strategie verlangt eine Ausführung in Etappen, welche die Projektverfasser sorgfältig darlegen. Für die Erstellung des ersten Gebäudetraktes werden Naturkunderäume abgerissen, der Unterricht für neun Klassen bleibt weiterhin möglich. Umbauten im Sockelgeschoss der Turnhalle und im Singsaalgebäude garantieren den Schulbetrieb während der 2. Bauetappe. Es ist jedoch während vier Jahren mit einem eingeschränkten Schulbetrieb zu rechnen...
Der gut durchdachte und mit grosser Sorgfalt erarbeitete Projektvorschlag überzeugt durch den respektvollen Umgang mit den vorhandenen räumlichen und architektonischen Qualitäten. Es gelingt den Projektverfassern nicht nur diese Qualitäten zu erhalten, sondern sie in der Umsetzung der gestellten Aufgabe dem selbstgewählten Regelwerk entsprechend zu erweitern. Der noch etwas schematisch anmutende architektonische Ausdruck des Gebäudes würde mit einer eigenständigeren Charakteristik an Attraktivität gewinnen. Der Freiraum bietet ein attraktives und vielfältiges Raum- und Nutzungsangebot, das die architektonische Haltung unterstützt.
Balthasar (3. Rang, Stutz Bolt Partner Architekten)
Eine der Stärken des Entwurfs liegt in seiner langfristigen städtebaulichen Vision. Mittels parallel ausgerichteten Baukörpern stärkt er das Freiraumband entlang des Gleistrassees und betont seine Länge. Den Abschluss dieser Figur bildet der neue Klassentrakt des Schulhauses Wallrüti. Dank seiner peripheren Lage an der nordöstlichen Ecke des Grundstücks kann der zweigeschossige Klassentrakt unabhängig von der bestehenden Schulanlage in einer Bauetappe erstellt werden...
Das Projekt «Balthasar» schlägt mit seiner zweigeschossigen Organisation eine attraktive Sekundarschule vor. Ihre dezentrale Erschliessung eignet sich gut für diese Altersstufe. Leider wird es verpasst, den rein seriellen Aufbau im Obergeschoss zu differenzieren und dadurch vielschichtigere räumliche Zusammenhänge zu ermöglichen. Aufgrund der grossen Bedeutung von tiefen Erstellungskosten in diesem Projektwettbewerb ist es für das Beurteilungsgremium nicht verständlich, dass der konzeptbedingt unkompakte Baukörper mit einer sehr teuren und aufwendigen Gebäudehülle verkleidet wird. Dies führt im Quervergleich zu den höchsten Erstellungskosten aller Projekte.
Perilun (4. Rang, Guignard & Saner Architekten)
Das Projekt «Perilun» setzt ein quadratisches Gebäude mit sechs Geschossen im Norden mit einem grosszügigen Abstand als Solitär vor die bestehende Anlage. Die Konzentration des Programms in einen in der Höhe halbierten Würfel ist spannend. Das Gebäude wird von der Zivilschutzanlage abgesetzt, der Graben dazwischen wird mit einer Brücke überquert, womit das Gebäude auch vom oberen Niveau des Pausenplatzes erschlossen wird. Eine weitere Erschliessung des Gebäudes erfolgt über das Erdgeschoss vom Niveau der Guggenbühlstrasse her...
Das Projekt «Perilun» hat die geforderten Werte bei der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sehr ernst genommen. Es handelt sich um ein sehr sorgfältig entwickeltes Projekt, welches zusammen mit der Freiraumgestaltung eine überzeugende Komposition vorschlägt, gekonnt Altes mit Neuem verbindet und die Schule überzeugend im Parkband integriert. Bei den betrieblichen Belangen der Schule vermag der Vorschlag jedoch nicht vollends zu überzeugen.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)
Weitere Teilnehmer
«Lenz»: Rohrbach Wehrli Pellegrino Architekten, Winterthur; Schneider Landschaftsarchitekten, Olten; MMT Bauleiter und Architekten, Winterthur
«Schola»: von Ballmoos Krucker Architekten, Zürich; Neuland ArchitekturLandschaft, Zürich; GMS Partner, Zürich
«Wallwurz»: KilgaPopp Architekten, Winterthur; Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau, Zürich; Dürsteler Bauplaner, Winterthur
«Max»: Enzmann Fischer Partner Architekt/innen, Zürich; koepflipartner landschaftsarchitekten, Luzern
«Lernwerkstatt»: huggenbergerfries Architekten, Zürich; quadra, Zürich