Neubau HPQ Labor- und Bürogebäude
Selektives Verfahren
Gustave-Naville-Weg, 8049 Zürich
Publikationsdatum
17.10.2016
Auftraggeber
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
SIA 142
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Yves Stump (Dipl. Architekt FH BSA, Stump & Schibli Architekten, Basel),
- Lorenzo Giuliani (Dipl. Arch. ETH/SIA BSA, Giuliani Hönger Architekten, Zürich),
- Marco Serra (Dipl. Arch. ETH/SIA, Novartis Chef-Architekt),
- Corina Schneider (Amt für Städtebau Stadt Zürich),
- Dario Tonelli (Laborplanung Tonelli AG, Geschäftsführer),
- Massimo Fontana (Dipl. Landschaftsarchitekt HTL/BSLA, Fontana LA),
Sachrichter
- Roman Boutellier (ETH Vizepräsident für Personal und Ressourcen (Vorsitz)),
- Drazenka Dragila-Salis (ETH IB Immobilien, Direktorin (Moderation)),
- Gianni Blatter (ETH D-PHYS, Nutzervertretung),
- Andreas Wallraff (ETH D-PHYS, Nutzervertretung),
- Daniel Nötzli (ETH IB Immobilien, Projektentwicklung),
Wettbewerbsresultat
Ziel des Verfahrens
Ziel des Verfahrens war die Erlangung eines städtebaulich, architektonisch und betrieblich optimalen Projektvorschlags für ein Forschungsgebäude der Physik mit Laboratorien und komplexen Technologieplattformen auf höchstem Niveau, der die hohen Anforderungen der Auftraggeberin an den Städtebau, die Architektur, die Nutzung und die Nachhaltigkeit erfüllt. Gleichzeitig wurde auch ein geeigneter und kompetenter Partner für die weitere Planung gesucht.
Antrag und Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Das Preisgericht beantragte bei der Veranstalterin einstimmig das Projekt 10 WOLFGANG-PAULI-STRASSE zur Überarbeitung und Weiterbearbeitung.
Zudem empfiehlt es dem Siegerteam bei der Überarbeitung des Projekts insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen:
- Aufzeigen von Varianten der Büroorganisationsformen mit dem Nutzerfokus auf Gruppen- und Einzelbüros, Open-Space-Bereiche sollen spezifiziert werden in beispielsweise Arbeits-, Kommunikations- und Rückzugsbereiche
- Weitere Detaillierung der Fassade und deren Ausgestaltung v.a. bzgl. Fensteranteil, Sonnen- und Blendschutz
- Optimierung der Anordnung der Physik-Labore mit Supportbereichen und Erschliessung im 2. und 3. UG
- Verfeinerung der räuml. Übergänge zwischen Innen- und Aussenraum
- Überprüfen der Erschliessung unter Berücksichtigung der Brandschutzanforderungen
- Optimierung betreffend Volumen und Kosten auf Basis des Wettbewerb-Raumprogramms, Aufzeigen von Kostensenkungsmöglichkeiten
Rangierte Projekte
Wolfgang-Pauli-Strasse (1. Rang, ARGE Winklmann Bauherrenvertretung + Ilg Santer Architekten)
Das Projekt ordnet sich mit einem kompakten und eigenständigen Baukörper elegant in die Situation ein. Das sechsgeschossige Gebäudevolumen nimmt die Flucht des HIT-Gebäudes auf und tritt markant gegenüber der Wolfgang-Pauli-Strasse in Erscheinung. Hin zum Florat-Ruchat-Roncati-Garten orientiert sich das Projekt am HIL-Gebäude. Diese stringenten Bezüge zum HIT- und HIL-Gebäude geben dem Baukörper eine präzise Setzung.
Der äusserst kompakte Baukörper erlaubt eine maximale Erweiterung des Flora-Ruchat-Roncati-Gartens, wie es auch im Masterplan 2040 vorgesehen ist. Durch die Untergeschosse werden allerdings essentielle Strukturen und Baumgruppen potentiell beeinträchtigt. Die markanten Schrittplatten erschliessen den erweiterten Gartenteil und weiten sich vor dem Gebäude zu einer Terrasse für die Cafeteria aus. Einzelne Baumgruppen, modellierte Wiesen- und Rasenflächen prägen den Garten. Als Ergänzung und Kontrast zum bestehenden Weiher wird ein formal klar definierter Teich angelegt. Die Klarheit des Raumes, welche aus der präzisen Positionierung der Bauten resultiert, die Grosszügigkeit des Freiraumes sowie die vorgeschlagenen Gestaltungsthemen bergen ein grosses Potenzial für eine äusserst stimmige Anlage. Allerdings lässt die Art und Weise der Darstellung noch einige Fragen unbeantwortet, so zum Beispiel die der Materialisierung oder der Bepflanzung. Zudem wird die für die ETH Zürich wichtige Verbindung zum HIF kritisiert. In sich handelt es sich aber beim Vorschlag um ein stimmiges und überzeugendes Konzept.
Das Erdgeschoss ist geprägt von der grosszügigen, zweigeschossigen Eingangszone mit Durchblick vom Haupteingang hin zum Garten. Der Eingangsbereich wirkt sehr offen und transparent, so dass die damit geschaffenen Sichtbezüge eine einfache Orientierung im Gebäude zulassen. Repräsentativ angeordnet befinden sich die öffentlich zugänglichen Studentlabs, Services und publikumsorientierten Büros sowie die Caféteria mit Aussenzone zum Garten. Der ETH-Shop liegt in guter Distanz zum Warenlift, so dass kurze und sichere Wege die betrieblichen Abläufe optimieren. Die Lage der Servicebereiche ist hingegen zu prüfen. Die grosszügigen Zugänge zu den Seminarräumen im Zwischengeschoss von EG und 1. OG orientieren sich zur Haupthalle hin.
Die Regelgeschosse zeichnen sich durch eine klare statische Struktur und den beiden Haupterschliessungskernen aus, welche sich über sämtliche Geschosse erstrecken. In den Obergeschossen sind im Bereich zwischen den beiden Hauptkernen die Physiklabore angeordnet. Diese sind gut positioniert sowie strukturiert und die räumliche Modularität und Flexibilität ist gegeben. Im Laborbereich sind die Sitzungszimmer teilweise ungünstig verortet. Um den Kern aus Physiklaboren und Erschliessung herum ist die Büroschicht angeordnet. Typologisch orientieren sich die Büros entlang der Schmalseite an der Zellenstruktur, entlang der Längsseite kommen geräumig angeordnete Open-Space-Bürostrukturen mit grosser Raumtiefe sowie wiederum kleinere Einzel- und Mehrplatz-Büroeinheiten zum Einsatz. Die Büroflächen betonen aus Nutzersicht noch zu sehr den Grossraumaspekt; spezifisch muss ein Layout mit einer grösseren Anzahl abgeschlossener Einheiten geprüft werden. Die Transparenz und die Sichtbezüge von den Schreibarbeitsplätzen zum Laborbereich hin werden positiv bewertet. Die längsseitige Erschliessungszone mit multifunktionaler Nutzung für Aufenthalt, Besprechung, Service-Points usw. wird jeweils entlang der kleineren Bürozellenstruktur angeordnet. Die Verkehrswege für den Personen- und Warenfluss sind klar strukturiert und eindeutig. Durch die Raumorganisation entsteht eine grosse Gebäudetiefe, die innovative Lösungen zur Tageslichtführung erforderlich machen. Auch für die multifunktional genutzten Erschliessungsbereiche werden hinsichtlich Brandschutzanforderungen die richtigen Ansätze noch zu finden sein.
Die unterirdisch platzierten Technologieplattformen sind als eigenständige Module um die durchgehenden Erschliessungskerne angeordnet und werden als sehr gut organisiert bewertet. Die Gebäudetechnikzentralen befinden sich zwischen diesen beiden Kernen. Diese modulare Organisation ergibt aufgeräumte und funktional klar getrennte Nutzungseinheiten. Das FastLab ist ein separater Baukörper, der je nach Anforderung veränderbar ist oder, sollte sich kein dringender Bedarf abzeichnen, auch problemlos entfallen kann. Die Anlieferung erfolgt auf der Rückseite des HIT-Gebäudes.
Nano (2. Rang, Penzel Valier)
Der dreigeschossige Baukörper ordnet sich an der Wolfgang-Pauli-Strasse entlang der bestehenden Gebäude ein und schliesst parkseitig mit dem Flora-Hezner-Weg ab...
Die Lage und Dimensionierung der Plattformen ist sehr gelungen, flächenmässig jedoch an der oberen Grenze. Das FIRST II ist mit grosszügiger Raumhöhe geplant, zusätzliche Zellen sind einfach einzubauen. Die Verbindung zum MMC via Schleuse ist machbar, Support und Labor MMC müssten invertiert werden. Der Grauraum ist fast verschwenderisch, erlaubt aber spätere Erweiterungen. Gleiches gilt für das FastLab: grosszügige Supportflächen, Applikationslabs in Strahlrichtung beidseits. Das CLNE ist im Fels fundiert, gut positioniert, klar gegliedert und mit einem regulären Zugang. Die Laborbereiche sind von den Technik- und Verkehrsbereichen getrennt fundiert, 800 m² sind oberirdisch angelegt. Die Aufteilung in 400 m²-Blöcke inklusive Supportfläche ergibt eine gute Erschliessung. Die Zuteilung der Labore zur Nutzung kann angepasst werden.
Physis (3. Rang, Gruner)
Der heterogene, viergeschossige Baukörper bildet sich aus additiven Gebäudeausstülpungen, die sich aus der inneren Gebäudeorganisation und städtebaulichen Bezügen konzipiert. Mit seinen Vor- und Rücksprüngen reagiert der Baukörper präzise auf sein Umfeld und schafft spezifische Aussenräume. Im Eingangsbereich an der Wolfgang-Pauli-Strasse nimmt er dadurch Bezug zur baumbestandenen Promenade und schafft eine klare Adresse. Auch zum Flora-Ruchat-Roncati-Garten hin springt das Gebäude zurück und transformiert den Freiraum in einen klar gefassten Gartenhof. Die dem Gebäude vorgelagerte Terrasse der Cafeteria profitiert von der Nähe zum Garten, der über eine chaussierte Fläche und einzelne Baumgruppen bis an das Gebäude erweitert wird. Der Entwurf zeugt von einer hohen Sensibilität und vom Verständnis für den Ort, dies bildet die Basis für wohlproportionierte und äusserst atmosphärische Aussenräume, die in einer engen Beziehung zum Neubau stehen. Einzig das Vorrücken des Baukörpers über die Flucht des HIF-Gebäudes zum Boulevard, was zu dessen visueller Abkoppelung führt, wird kritisch hinterfragt...
Doc.Brown (4. Rang, Proplaning)
Das Projekt ordnet sich mit einem einfachen, kompakten Baukörper gut in die Situation ein. An der Wolfgang-Pauli-Strasse übernimmt es die Flucht und die Gebäudehöhe des HIT-Gebäudes. Durch den Einzug im Erdgeschoss und die breiten Arkaden schafft es eine offene Beziehung zum HIL-Gebäude und auf der Westseite erlaubt es die Erweiterung des Flora-Ruchat-Roncati- Gartens im Sinne des Masterplans 2040. Die dreiseitige Arkade erzeugt eine grosszügige Vorhalle zum Haupteingang, einen guten Zugang von der Wolfgang-Pauli-Strasse in den Garten und einen besonderen, gedeckten Aufenthaltsbereich zum Park. Die Erweiterung wird quasi als «Auslaufen» des durch den Stil des Naturalismus geprägten Flora-Ruchat-Roncati-Gartens verstanden...
Albert (5. Rang, Nissen Wetzlaff Architekten)
Das Projekt Albert überzeugt und überrascht zunächst aufgrund seines kompakten Gebäudevolumes. Seitens Wolfgang-Pauli-Strasse wird die Flucht des benachbarten HITGebäudes aufgenommen, wobei der eher kleine, quadratische «Footprint» eine adäquate Distanz zu letzterem erlaubt und somit eine grosszügige Sichtschneise in die Tiefe, zum Flora-Ruchat-Roncati-Garten hin, garantiert. Der sechsgeschossige Monolith ragt dort nur leicht in den grosszügigen, durchfliessenden Grünraum hinein und unterstreicht mittels gleichwertiger, umlaufender Fassadengestaltung seine Autonomie bzw. seinen solitären Anspruch. Eine filigrane Glasfassade verhilft in seiner Abstraktion zu einer möglichen kohärenten Antwort auf die feingliedrige Betonstruktur des HIT-Institutes...
Déjeuner sur l'herbe (6. Rang, S+B Baumanagement)
Das Projekt schlägt ein sechsgeschossiges Gebäude entlang der Wolfgang-Pauli-Strasse vor, welches auf der Westseite die Flucht des HIT-Gebäudes übernimmt und eine Erweiterung des Flora-Ruchat-Roncati-Gartens dem Masterplan 2040 entsprechend ermöglicht. Die sechs Geschosse des Hauptbaus können die zulässige Gebäudehöhe einhalten, bedingen aber im Innern sehr knappe Raumhöhen. Mit einem eingeschossigen Pavillon mit Café und Restaurant wird der Park ergänzt und als sozialer Treffpunkt und Erholungsraum ausgezeichnet. Darunter befinden sich in vier Untergeschossen die technischen Labor-Plattformen...
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)