Neubau Gewerbehaus Stiftung Behindertenwerk St. Jakob, Zürich
Selektives Verfahren
215 Heinrichstrasse, 8005 Zürich
Publikationsdatum
07.12.2012
Auftraggeber
Stiftung St. Jakob
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Jeremy Hoskyn (Architekt, Amt für Hochbauten, Vorsitz),
- Mathias Müller (Architekt),
- Evelyn Enzmann (Architektin),
- Anne Kaestle (Architektin),
- Stephan Bleuel ( Architekt, Amt für Städtebau),
Sachrichter
- Hans Gut (Stiftungsrat Stiftung St. Jakob, Zürich),
- Christian Kuhn (Geschäftsleiter Stiftung St. Jakob, Zürich),
- Bernhard Lauper (Vertretung Grapha Holding AG, Zürich),
- Richard Schubiger (Bauberater Stiftung St. Jakob),
Wettbewerbsresultat
Generationen von Architekturstudenten haben an der Parzelle AU6410 Städtebau geübt. Der rund 3400 m² grosse Parkplatz gehört der Stadt Zürich und bietet zwischen der Viadukt- und der Heinrichstrasse Urba-nität in Reinkultur: Der steinerne Viadukt durchschneidet die gründerzeitlichen Blockränder und trennt sie vom ehemaligen Industriegebiet Zürich West, das im vergangenen Jahrzehnt dichter und vielfältiger wurde.
Die Stiftung St. Jakob siedelt ihren Hauptsitz von der Kanzleistrasse 18 an diesen Brennpunkt städtischen Treibens um. Der Gewerbebau mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen für rund 400 körperlich und geistig benachteiligte Menschen wird auch die Verwaltung der Stiftung beherbergen.
Das reichhaltige Programm aus Gastronomie, Dienstleistung und Handwerksbetrieben verlangt ebenso ein massgeschneidertes Gebäude wie die vielschichtige städtische Situation. Caruso St John entwerfen dafür einen tiefen Sockel, der beinahe die gesamte Breite der Parzelle nutzt. Auf ihm erhebt sich ein Volumen mit Rücksprüngen, das an seinem südlichen Ende in einem Riegel endet.
Der Sockel läuft weiter und geht in eine Arkade vor einem kleinen Platz über. Der Viadukt schneidet diese Gebäudeform schräg ab. So entsteht ein anspruchsvolles und vielgestaltiges Volumen, das auf jeder Seite einen differenzierten und angemessenen Ausdruck findet.
Zur Heinrichstrasse hin reiht sich das Haus in die Gewerbebauten der Nachbarschaft ein. Dort ist die Betonfassade weitgehend geschlossen. Die Fenster des grosszügigen Treppenhauses gliedern die Wand und unterstreichen die symmetrische Gebäudeform. Entlang der Viaduktbögen zeigt sich der angeschnittene viergeschossige Aufbau in seiner vollen Höhe und setzt einen markanten, vertikalen Akzent.
Ganz anders das Bild von Süden: Durch die Arkade zum Platz und die umlaufenden Loggien im Aufbau wirkt das Gebäude luftig, und das Volumen löst sich auf in Stützen und Platten. Zum benachbarten Wohnhaus zeigen sich Sockel und Aufbau ruhig und unaufgeregt.
Der Studienauftrag für Gesamtleistungen ist ein seltenes Verfahren, an dessen Ende ein Projekt mit einem verbindlichen Werkpreis steht. Dies bedingt, dass die Bedürfnisse der Bauherrschaft in einem wasserdichten Programm festgehalten sind – Änderungen im Projekt führen sofort zu Mehrkosten. Für die Planenden bedeutet das Verfahren ebenso einen grossen Aufwand, der mit 50000 Franken entschädigt wurde.
Marko Sauer Architekt, Korrespondent TEC21