Neubau für eine psychosoziale Einrichtung in Yverdon-les-Bains
Offenes Verfahren
53 Route de Bellevue, 1400 Yverdon-les-Bains
Publikationsdatum
15.02.2017
Auftraggeber
Fondation Saphir
SIA 142
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Marco Zünd (Architecte HTL BSA, Basel),
- Alexandre Blanc (Architecte EPFL FAS, Lausanne),
- Antonio Gallina (Architecte FAS SIA, Neuchâtel),
- Valérie Jomini (Valérie Jomini, Architecte EPFL SIA BSA, Zürich),
- Diane de Pourtalès (Architecte EPFL, Service de la santé publique),
- Markus Bärtschi (Architecte de la Ville d’Yverdon-Les-Bains),
- Vincent Rapin (Architecte EPFL SIA FAS, Vevey),
- Mona Valdivia Dorion (Architecte DE HMONP, Vevey),
Sachrichter
- Claude Recordon (Président de la Fondation Saphir),
- André Allmendinger (Directeur de la Fondation Saphir),
- Tristan Jobin (Responsable filière psychiatrique),
- Claire Perrenoud (Chargée de mandat, Fondation Saphir),
Wettbewerbsresultat
Die Fondation Saphir hat einen Wettbewerb für den Erweiterungsbau einer neuen psychosozialen Einrichtung mit 50 Betten ausgeschrieben, der sich an das Hauptgebäude am Standort Floreyres in Yverdon-les-Bains anschliesst. Den Wettbewerb für sich entschieden hat APZ Atelier Prati Zwartbol, ein eben erst gegründetes Büro aus Zürich. Gegen rund 60 Mitbewerber ist es den jungen Architekten gelungen, die Jury mit einem einfachen, aber kühnen Vorschlag zu überzeugen. Ein Beitrag übrigens, der interessante Auswirkungen auf die Landschaftsgestaltung in der Region haben könnte.
Die Teilnehmer entschieden sich bei ihren Entwürfen für einen von zwei Ansätzen: entweder sie rückten die Landschaft in den Vordergrund, indem sie mit mehreren Bauvolumen eine Fläche definieren, die sich zur Ebene von Yverdon hin öffnet, oder sie brachten das ganze Raumprogramm kompakt in einem einzigen, grossen Volumen unter. Doch keiner der beiden Ansätze vermochte die Jury zu überzeugen. Sie bedauerte, dass sich viele der eingereichten Projekte eher an einer medizinisch-sozialen als einer psychosozialen Einrichtung orientierten. Dabei beherbergen erstere eher betagte, nicht mehr selbstständige Menschen, die sich regelmässig in Gemeinschaftsräumen zusammenfinden, während sich psychosoziale Einrichtungen eher an Erwachsene richten, die möglichst viel Autonomie behalten sollen. Für solche Institutionen gibt es bislang keine klar definierten Referenzen, keine festen Typologien. Zu den Anforderungen dieses Wettbewerbs gehörte es also, zu einer innovativen Lösung für diese Art von Nutzung beizutragen.
Die Sieger fassten den gewagten Entschluss, das Wettbewerbsprogramm in zwei Gebäude aufzuteilen und diese ihrerseits an das bestehende Hauptgebäude anzudocken. Während die Ausstrahlung des alten Gebäudes darunter leidet, schafft die Ausrichtung der neuen Volumen mit ihren beiden kleinen Seitengassen den Anfang einer Mikrourbanität, ein quasi dörfliches Ambiente, das die Bewohner dabei unterstützen soll, sich «ihr» Haus anzueignen und nachbarschaftliche Beziehungen zwischen den drei Einheiten entstehen zu lassen. «Die Idee der Einrichtung scheint in diesem Projekt ein wenig zugunsten des ‚wahren Lebens‘ in den Hintergrund zu treten», heisst es im Jurybericht.
In stadtplanerischer Hinsicht scheint uns der besondere Wert dieses Entwurfs in der Beziehung zu seiner Umgebung zu liegen: Indem der Entwurf kleine Volumen zueinanderfügt, statt eine massive Volumetrie zu bilden, betritt er einen kaum erforschten Weg zur Verdichtung neuer Bauten. Eine Überlegung, die es sich in der Region sicherlich zu verfolgen lohnt.
Text: Marc Frochaux, Redaktor TRACÉS,
Übersetzung: Christof Rostert, Online-Redaktor