Neubau Doppelkindergarten Rüti, Winkel
Offenes Verfahren
8 Hargartenstrasse, 8185 Winkel
Publikationsdatum
04.05.2017
Auftraggeber
Primarschule Winkel
SIA 142
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Carlos Rabinovich, Architekt FADU/MAS ETH, (Vorsitz)
- Roswitha Büsser (Architektin ETH/SIA/BSA),
- Katharina Lenggenhager (Architektin HTL),
- Stefan Koepfli (Landschaftsarchitekt BSLA),
- Alice Hucker (Architektin ETH/SIA),
Sachrichter
- Michael Loth (Leiter Ressort Infrastruktur, Schulpflege Primarschule Winkel),
- Esther Baumann (Leiterin Ressort Finanzen, Schulpflege Primarschule Winkel),
- Daniel von Büren (Gemeinderat Winkel, Ressort Hochbau),
- Mathias Brunner (Leiter Ressort Kommunikation, Präsident Schulpflege Primarschule Winkel),
Wettbewerbsresultat
Gegenstand
Die Primarschule Winkel unterrichtet ihre Kinder in Winkel und im Ortsteil Rüti. Die wachsenden Schülerzahlen und ein mittlerer Instandsetzungsbedarf bilden die Basis für das Gesamtentwicklungskonzept zur zukünftigen Schule. Zur Entlastung der räumlichen Dichte und zur Umsetzung pädagogischer Grundsätze wird als erstes Teilprojekt auf dem Areal der Schule in Rüti ein Doppelkindergarten mit einer Einheit Hort für den Kindergarten realisiert.
Projekteingaben
Zum Projektwettbewerb hatten sich 165 Planungsteams angemeldet. 123 Projektvorschläge sind eingegangen.
Das Preisgericht nahm die Ergebnisse des ersten Vorprüfungsberichts zur Kenntnis und entschied alle eingereichten Projekte zur Beurteilung zuzulassen.
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt der Primarschule Winkel das Projekt Nr. 123 «Zur Linde» zur Weiterbearbeitung.
Das Preisgericht empfiehlt der Veranstalterin bei der Weiterbearbeitung des Projekts durch die Gewinner des Projektwettbewerbs besonders Gewicht auf die nachfolgenden Punkte zu legen.
- Das Bild der «wilden Oase» gilt es in der weiteren Projektentwicklung zu schärfen sowie die Gestaltung der verschiedenen Flächen und den Bezug der Mauer zum Gebäudekörper präziser zu formulieren.
- Die Parkierung unmittelbar vor dem Haus ist zu überprüfen.
- Die Raumhöhen der übereinanderliegenden Nebenräumen und Galerien gilt es zu prüfen.
- Die Entfluchtung aller Räume über maximal einen Raum an einen sicheren Ort ist sicherzustellen.
- Der hindernisfreie Zugang zum Technikraum ist aus betrieblicher Sicht erforderlich.
- Die Organisation und Grösse des Hortes ist auf seine Flexibilität als zukünftigen dritten Kindergarten hin zu überprüfen.
Rangierte Projekte
1. Rang «Zur Linde» (Brandenberger Kloter Architekten)
Städtebau/Ortsbau
Ein eingeschossiges, rechteckiges Volumen besetzt den westlichen Teil der Parzelle. Es belässt die Hügelkuppe frei und bildet zusammen mit den umliegenden Bauten einen grosszügigen, mit einer Linde ausgezeichneten Hof. Das neue Volumen schmiegt sich mit seiner Abtreppung stark an den Hang an und fügt sich trotz seiner Grösse präzise in die Topographie ein.
Die Durchquerung des Areales von Norden nach Süden bildet die Erschliessungsachse des neuen Gebäudes und bestimmt sowohl die Grundriss- als auch die Schnittfigur. Auf Grund der Hanglage wird das Volumen in zwei verschiedene Niveaus geteilt: einen tieferliegenden, gegen Westen und zur Aussicht orientierten Bereich, und einen zum ruhigeren Hofraum orientierten Bereich. Folgerichtig ist der westliche Bereich für den Hortbetrieb vorgesehen, der höherliegende Bereich für den Kindergarten. Es entsteht eine einfache und logische Disposition, in der ein interessantes Wechselspiel zwischen Quer- und Längsachse stattfindet.
Architektur
Die städtebauliche Setzung und die Erschliessungsachse bestimmen den strukturellen Aufbau des Hauses bis hin zur Materialisierung in konsequenter Art und Weise. Das Gebäude ist als Schottenbau konzipiert: massive, geschlossen gehaltene Sichtbackstein-Wände definieren die Haupträume und deren Ausrichtung nach Osten oder Westen. Die Querwände sind als leichte Einbauten konzipiert und verknüpfen die verschiedenen Funktionen mittels Sicht- oder Wegbezügen untereinander, unterstützt durch die Höhenversätze im Dach, die immer wieder Licht in die Tiefe des Grundrisses bringen und auch für die Orientierung hilfreich sind.
Der Besucher gelangt über je einen etwas knapp gehaltenen gedeckten Vorbereich in den Erschliessungskorridor. Mehr oder weniger tiefe Vorzonen rhythmisieren diesen Raum, der zugleich als Aufenthaltsort dienen kann. Auf der Westseite befinden sich der Hort- und Lehrerbereich, untereinander zu einer Art Rundlauf verbunden. In der Hälfte des Korridors öffnet sich eine Weg-Abzweigung nach Osten: über eine breite Treppe gelangt man auf das um ein halbes Geschoss höher gelegene Niveau. Dort bildet ein grosszügiger Garderobebereich den Vorraum für die Kindergarten und den Übergang zum grosszügigen Aussenspielbereich.
Die zwei Kindergarteneinheiten sind nach Osten ausgerichtet. Auch hier sind Eingangsbereich, Hauptraum und Gruppenraum als Rundweg angelegt und damit unterschiedlich zugänglich. Eine kleine Treppe führt vom Hauptraum zur höher gelegenen Spielnische (Adlernische), die zwar spannende Sichtbezüge aufweist, aber vom Hauptraum leider stark abgekoppelt ist. Mittels Deckenversätzen erhalten die Räume die geforderte zweiseitige Belichtung und die Möglichkeit zum Querlüften. Die beiden Kindergarteneinheiten sind gut proportioniert und flexibel nutzbar.
Die äussere Erscheinung des neuen Kindergartens bezieht sich stark auf die umliegenden Bauten. Es nimmt bestehende Elemente, beispielsweise den Sichtbackstein oder das Thema des Daches auf, und wendet sie in einer eigenständigen Form an, ohne sich dabei anzubiedern. Auch hier bestimmt der strukturelle Aufbau die Wahl der Konstruktion und der Materialien, die immer klar ablesbar sind. Mit dem Einsatz von geschlämmten Backsteinwänden, Holz und Glas sowie der vielfältigen Belichtung und den Durchblicken entsteht im Innenraum ein Werkstattcharakter, der für einen Kindergartenbetrieb sehr anregend wirkt.
Betriebliche Anforderungen, Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Die Aufteilung von Hort und Kindergarten auf zwei höhenversetzten Niveaus mit unterschiedlicher Ausrichtung ist sehr gut nachvollziehbar und macht Sinn. Die Organisation und Grösse des Hortes ist auf seine Flexibilität als zukünftigen dritten Kindergarten hin zu überprüfen. Die Verschachtelung von Nebenräumen und Spielnische ergibt zu geringe Raumhöhen. Die Verbindung der beiden Ebenen mittels Hebebühne ist vom Betrieb zu prüfen. Der Lehrer- sowie ein Materialraum müssen direkt entfluchtet werden. Die Parkierung unmittelbar vor dem Haus ist vom Betrieb (Konfliktpotenzial) her nicht möglich und für den südlichen Zugang des Hauses auch nicht attraktiv. Sie könnte zugunsten des Aussenraumes anders platziert und an dieser Stelle auf einen einzelnen Parkplatz und Anlieferung reduziert werden.
Das kompakt gehaltene Volumen sowie die klare Struktur des Hauses mit der Möglichkeit zur Vorfabrikation versprechen eine kostenbewusste Realisierung. Nicht nur die gewählten Materialien, auch deren konstruktive Anwendung und sowie die vorgeschlagene Haustechnik verweisen auf eine nachhaltige Denkweise.
Freiraum
Durch die Platzierung und die Modulierung des Gebäudes entstehen attraktive und gut situierte Spielflächen, mit direktem Bezug zum Obergeschoss des Kindergartens. Die Begrenzung durch eine Mauer gegenüber den Wohnbauten, sowie das belassen der Hügelkuppe im Osten, welche mit einer Linde akzentuiert wird, betonen den hofartigen Charakter des Freiraums. Die Zuordnung der verschiedenen Bereiche, sowie die «Sprache» der estaltung wirkt allerdings etwas unentschieden. Einerseits zeigt das Projekt noch nicht die «wilde Oase» wie im Text beschrieben, andererseits korrespon-diert es auch nicht mit der klaren Organisation des Gebäudes.
Durch die optimale Situierung der Spielflächen mit dem belassen der Hügelkuppe und dem angedachten Pflanzkonzept mit den Strauchgruppen und Nischen, weist das Freiraumprojekt aber ein grosses Potential auf. Die Gestaltung der verschiedenen Flächen, sowie der Bezug und die Ausdehnung der Mauer zum Gebäudekörper muss allerdings noch präziser formuliert werden.
Würdigung
Das Projekt «Zur Linde» ist ein sehr stimmiges und sorgfältig ausgearbeitetes Projekt, das sowohl der gestellten Aufgabe und auch dem Ort in sehr hohem Masse gerecht wird. Die erzeugte Raumstimmung des Kindergartens mit dem Werkstattcharakter verspricht ein kreatives und anregendes Umfeld.
2. Rang «Artus» (Isler Gysel Architekten)
Umringt von Primar- und Heilpädagogischer Schule sowie der südlichen Wohnsiedlung platziert sich das Projekt Artus als solitärer Baukörper in die Mitte. Topografisch legt sich das flache Volumen geschmeidig an den Hang und integriert sich mit seinem nach Westen geneigten Dach in das abfallende Gelände. Drei verschiedene Niveaus im Gebäude ermöglichen eine sehr gute Einbettung des Volumens in das bestehende Terrain.
Der Baukörper setzt sich als Konglomerat aus Raumgruppen zusammen, welche durch unterschiedliche Ausdrehungen und Rücksprünge das Gesamtvolumen gliedern. Die Rücksprünge schaffen sowohl in Richtung der heutigen Primarschule wie auch von der Hargartenstrasse kommend einladende Eingangssituationen. Während der nördliche Zugang mit Vorplatz, Überdachung und Windfang eindeutig als Haupteingang ausformuliert wird, ermöglicht der südliche Eingang über den vorgelagerten Allwetterplatz eine sekundäre Eingangssituation...
Besonders geschätzt wird der sehr eigenständige und kohärent umgesetzte Projektansatz. Die spezifische Lage sowie die funktionalen Anforderungen werden zum entwurfsbestimmenden Element und generieren einen für den Ort adäquaten und harmonisch eingefügten Baukörper. Die innere Struktur in Bezug auf Tageslicht, Raum- und Sichtbeziehungen ist gekonnt umgesetzt.
3. Rang «sanfona» (Felix Kellenberger Architekt)
Das Projekt Sanfona besteht aus einem längsgerichteten Baukörper, der sich parallel zur südlichen Wohnüberbauung ausrichtet. Zugänge, Erschliessungs- und Aussenräume werden im nördlichen Zwischenraum zur Primar- und Heilpädagogischen Schule angeordnet und ermöglichen eine Beziehung mit den angrenzenden Schulnutzungen. Der südliche Aussenraum zur Wohnüberbauung hin wird als Ausblick- und Naturraum ausformuliert. Diese städtebauliche Setzung bündelt die schulisch genutzten Räume und ermöglicht eine Distanz zur Wohnnutzung. Das Volumen und die Zonierung der Aussenräume integrieren sich damit ganz selbstverständlich in die Umgebung...
Der längliche Pavillonbau überzeugt durch sein reichhaltiges Angebot an Raumsituationen. Der über alle drei Einheiten erlebbare Eingangsbereich, die mit Sitznischen bespielte Fassade mit vorgelagerter Terrasse sowie die Raumabfolge von getrenntem Gruppenraum und Hauptraum mit Spielbühne laden zu vielseitigen und inspirierenden Nutzungen ein.
4. Rang «Crictor» (häni joho architekten)
Elegant steht der eingeschossige Neubau auf der Hügelkuppe, und er erstreckt sich zum Hang im Westen. Dadurch entsteht ein interessanter, gedeckter Aussenraum, der viel mehr zu bieten hat als eine konventionelle Lösung. Diese klare Geste verleiht dem Volumen eine wohltuende Leichtigkeit, die überzeugend wirkt für ein Gebäude mit diesen spezifischen Nutzungen, von dieser Grösse und auf einer Parzelle, die von der Strasse zurückversetzt ist. Das längliche Volumen generiert einen Aussenraum nach Norden (den Haupteingangsraum) und einen nach Süden, den Spielraum...
Die Leichtigkeit und die Präzision, mit denen die Aufgabe gelöst wird, manifestiert sich sowohl im Umgang mit der Topografie als auch in der Ausformulierung der inneren Organisation und im architektonischen Ausdruck. Es gelingt ein überzeugendes Bild eines Kindergartens. Die Verfasser/innen sprechen von einem Pavillon: Aufgrund der Höhe und der Länge des Neubaus vermag diese Assoziation nicht ganz zu überzeugen.
5. Rang «Tripiti» (Parc Architekten)
Ein in drei ähnliche Einheiten aufgeteiltes Gebäude belässt die Hügelkuppe frei und besetzt den westlichen Projektperimeter. Die Aufteilung mit den höhenversetzten Volumen nimmt nicht nur die Massstäblichkeit des Ortes schön auf, es gelingt damit auch eine subtile Einfügung in das abfallende Gelände. Das leichte Verdrehen vermeidet direkte Bezüge zur sehr heterogenen Umgebungsbebauung, und es entstehen immer wieder Durchblicke in die unterschiedlichsten Richtungen. Die Volumen bleiben unter der Traufhöhe der benachbarten Gebäude, was als sehr angemessene Antwort auf die Umgebung und auf die Anforderungen des Programmes bewertet wird...
Das Projekt «Tripiti» besticht durch seine präzise Einfügung in die Topographie sowie einen differenziert gestalteten Kindergartenbereich. Die sorgfältige Bearbeitung der Details sowie das verspielte Erscheinungsbild zeigen eine vertiefte Auseinandersetzung mit der gestellten Bauaufgabe und leistet damit einen wichtigen Beitrag an den Wettbewerb.
6. Rang «Papillon» (Ost Architekten)
Das kompakte Volumen ist in die verlängerte Achse zwischen bestehendem Kindergartenbau und der Heilpädagogischen Schule gesetzt. Dabei befindet es sich in der westlichen Hälfte der Parzelle und lässt den optimal besonnten südöstlich gelegen Aussenraum samt Hügelkuppe grosszügig frei. Das stark nach Westen abfallende Terrain wird durch die Organisation über zwei Geschosse minimal moduliert. Der Zugang von der Lufingerstrasse her erschliesst das untere Niveau, jener von der Hargartenstrasse her das obere Niveau.
Die beiden Nutzungen Kindergarten und Hort sind einerseits den zwei Geschossen klar zugeordnet und andererseits gemäss den Hauptnutzzeiten dem Sonneneinfall zugewiesen. So orientieren sich die Kindergärten mit ihrem vorgelagerten Grünraum von Osten nach Süden, während der Hort im unteren Geschoss mit dem ihm zugeordneten Aussenraum für Essen und Spiel nach Westen ausgerichtet ist. Dadurch wird die Nähe zu den südlich gelegenen Wohnbauten geschickt entschärft. Der sparsame Umgang mit der Grundstücksfläche stellt vor allem dem Kindergarten einen schönen und reich gestaltbaren Aussenraum zur Verfügung...
Das Projekt besteht aus einem sorgfältig platzierten und gestalteten Bau, welcher durch zahlreiche kindgerechte Details und Stimmungen hohes Aneignungspotential aufweist.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)