Neubau Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG) der Universität Basel, Münchenstein
Offenes Verfahren
10 Eidgenossenweg, 4052 Basel
Publikationsdatum
27.10.2015
Auftraggeber
Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Städtebau & Architektur, Hochbauamt
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Roya Blaser (Vorsitz), Architektin, Leiterin Strategie Hochbauamt Basel-Landschaft,
- Thomas Blanckarts, Leiter Hochbauamt, BVD Basel-Stadt,
- Evelyn Enzmann, Architektin, Enzmann Fischer Architekten,
- Helmut Dietrich, Architekt, Dietrich Untertrifaller Architekten,
- Reto Mosimann, Architekt, spaceshop Architekten,
- Massimo Fontana, Landschaftsarchitekt, Fontana Landschaftsarchitektur,
- Stefan Segessenmann, Leiter Uni 2020, BVD Basel-Stadt,
Sachrichter
- Christoph Tschumi, Verwaltungsdirektor, Universität Basel,
- Markus Kreienbühl, Leiter strategische Immobilienplanung, Universität Basel,
- Prof. Uwe Pühse, Departementsleiter DSBG, Universität Basel,
- Martin Schwendimann, Architekt, Leiter Fachstelle Sportanlagen BASPO,
- Lukas Lauper, Gemeinderat, Gemeinde Münchenstein,
Wettbewerbsresultat
Der Perimeter des Wettbewerbs grenzt im Norden unmittelbar an die St. Jakobshalle an. Dort finden die grossen Sportanlässe statt, beispielsweise das Tennisturnier Swiss Indoors und das internationale Reitturnier CSI Basel. Auch das Heimstadion des FCB, der St. Jakob-Park, ist nicht weit entfernt. Erschlossen wird die Parzelle im Osten über die Grosse Allee, die zum Naherholungsgebiet der Brüglinger Ebene führt. Komplex war die Aufgabe wegen des engen Perimeters und aufgrund der unterschiedlichen Nutzungen. Dazu kommt das grosse Volumen der Dreifachsporthalle, deren Positionierung die unterschiedlichen Konzepte massgeblich bestimmt.
Die Jury empfiehlt einstimmig das Projekt «Playtime» von Caesar Zumthor und Markus Stern zur Weiterbearbeitung und Ausführung. Es gruppiert die unterschiedlichen Bereiche für Lehre, Behandlung, Forschung und Verwaltung um einen Innenhof und stellt die ins Terrain eingesenkte Dreifachsporthalle im Norden dazu. So werden die Bereiche für die Studierenden, die Mitarbeitenden, die Forschenden und die Patienten räumlich entflochten, aber nicht getrennt. Zugleich schafft der Innenhof aber auch eine visuelle Verbindung zwischen den unterschiedlichen Bereichen. Er ist stimmungsvoll als Garten mit Bäumen, Pflanzflächen und Wegen gestaltet und dient zum Aufenthalt und zur Erholung. Eine Cafeteria bildet das Scharnier zwischen dem Grünraum im Süden und der Sporthalle im Norden. Eine grosszügige Wendeltreppe mit Liftanlage bedient alle Geschosse. Die um den Innenhof verlaufende Erschliessung erleichtert die Orientierung und weitet sich immer wieder zu vielfältigen Begegnungszonen im Innern aus.
Das zweigeschossige homogene Volumen mit Attika fügt sich unprätentiös in die hybride bestehende Bebauung ein. Anstatt aus Stahl und Glas – der Name des Siegerprojekts verweist wohl auf den Film «Playtime» von Jacques Tati aus dem Jahr 1967 – besteht die Fassade aus vorstehenden Deckenstirnen mit geschosshohen Elementen aus Beton und Holzfenstern. Zum Innenhof öffnet sich die Fassade mit raumhohen Schiebefenstern. So selbstverständlich wie die städtebauliche Setzung und Organisation ist auch die Materialwahl – bis zum Maschendraht für die Geländer.
Das Projekt «Compluvium» im zweiten Rang setzt die Turnhalle ins Zentrum des Gebäudes und ordnet die übrigen Räume als Mantelnutzung drumherum an. Dieses Konzept wird folgerichtig zu einem zweigeschossigen rechteckigen Baukörper entwickelt, der auf einem Sockel steht. Die Wege sind zwar lang, bieten aber spannende Einblicke in und durch die Sporthalle. Insgesamt schränkt das stringente Konzept nach Ansicht der Jury jedoch Funktionen und Abläufe zu stark ein. Unter dem grossen Fussabdruck leiden insbesondere die Aussenräume, die weder mit ihrer Grösse noch in ihrer Gestaltung begeistern.
Ganz anders der Entwurf «Tartan & Jane» im dritten Rang. Den Auftakt bildet ein grosszügiger Aussenraum mit blauem Tartanbelag als Eingangsbereich. Möglich macht diese generöse Geste eine Komposition aus zwei ineinander greifenden, geschickt gestaffelten Volumen. Im flachen zweigeschossigen Kubus befindet sich die Turnhalle, im anderen viergeschossigen Baukörper sind die übrigen Nutzungen untergebracht. Im Innern überzeugt die attraktive Erschliessung. «Verschiedene städtebauliche und architektonische Aspekte sowie die atmosphärische Qualität des Freiraumkonzepts» konnten die Jury dann aber nicht restlos überzeugen.
Die Vielfalt der Lösungen überrascht – obwohl der Perimeter eng begrenzt ist und das Raumprogramm vom grossen Volumen der Dreifachsporthalle dominiert wird. Die Jury hat sich für einen Entwurf entschieden, der eine schwierige Aufgabe scheinbar ohne Mühe löst. Die städtebauliche Setzung ist selbstverständlich, die Grundrisse sind entspannt, und der Innenhof überzeugt als identitätsstiftender Aussenraum.
Text: Jean-Pierre Wymann, Architekt ETH SIA BSA, Mitglied der Wettbewerbskommission des SIA