Neubau Besucher- und Informationszentrum für den Deutschen Bundestag
Offenes Verfahren
Scheidemannstraße 5, 10557 Berlin
Publikationsdatum
01.03.2017
Auftraggeber
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Carlo Baumschlager (Architekt, Dornbirn),
- Stefan Behling (Architekt, London),
- Andrea Deplazes (Architekt, Chur),
- Donatella Fioretti (Architektin, Berlin),
- Bettina Georg (Architektin, Berlin),
- Almut Grüntuch-Ernst (Architektin, Berlin),
- Regine Keller (Landschaftsarchitektin, München),
- Arno Lederer (Architekt, Stuttgart),
- Gabriele Pütz (Landschaftsarchitektin, Berlin),
- Till Rehwaldt (Garten- und Landschaftsarchitekt, Dresden),
- Benedikt Schulz (Architekt, Leipzig),
- Michael Schumacher (Architekt, Frankfurt a. M.),
Sachrichter
- Bärbel Bas (Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag),
- Edelgard Bulmahn (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages),
- Gitta Connemann (Mitglied des Deutschen Bundestages),
- Klaus-Dieter Gröhler (Mitglied des Deutschen Bundestages),
- Anja Hajduk (Parlam. Geschäftsführerin der Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag),
- Günther Hoffmann (Leiter der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit),
- Bernhard Kaster (Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag),
- Regula Lüscher (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (SenStadtUm)),
- Max Straubinger (Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag),
- Petra Wesseler (Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung),
- Jörn Wunderlich (Parlamentarischer Geschäftsführer der Die Linke-Fraktion im Deutschen Bundestag),
Wettbewerbsresultat
Für den Neubau des Besucher- und Informationszentrum des Deutschen Bundestages (BIZ) ist ein Grundstück südlich der Scheidemannstrsse im Bereich des Tiergartens vorgesehen. Das Gebäude soll bis vor das Reichstagsgebäude, auf Höhe des Zwischenpodestes der Freitreppe mittels eines Besuchertunnels angebunden werden.
Der Neubau soll neben der Sicherheitskontrolle für Besucher, Informationsangebote, Plenarforum, Seminarbereiche sowie einen Bundestagsshop und ein Bistro beinhalten. Diese Angebote sollen neben der Information des Besuchers auch zur Lenkung der Besucherströme und zur Vermeidung von Wartezeiten und Staubildung auf dem Weg zur Kuppel des Reichstagsgebäudes beitragen.
In der ersten Bearbeitungsphase werden für die künftige Entwicklung des angrenzenden Bereiches des Grossen Tiergartens (zwischen Sowjetischem Ehrenmal, Scheidemannstrasse und Strasse des 17. Juni) Ideen zur Landschaftsgestaltung des Bereiches mit Darstellung der übergeordneten Struktur und Führung der Hauptzugangsströme abgefragt.
Das Besucher- und Informationszentrum sollte sich durch einen respektvollen Umgang mit dem Reichstagsgebäude auszeichnen.
Es werden Vorschläge erwartet, die sich sensibel in das Gartendenkmal «Grosser Tiergarten» einfügen.
Entscheidung des Preisgerichts
Das Preisgericht der 2. Phase tagte am 2. und 3. November 2016 unter dem Vorsitz von Prof. Arno Lederer im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Berlin und beschloss einstimmig die Vergabe von zwei ersten Preisen. Weiterhin empfahl das Preisgericht einstimmig vor Verhandlungen mit den beiden ersten Preisträgern beide Wettbewerbsarbeiten zur Überarbeitung entsprechend den Anmerkungen in den schriftlichen Beurteilungen und den Hinweisen der Vorprüfung.
Am 11. Januar 2017 erhielt die Zürcher Arbeitsgemeinschaft von Markus Schietsch Architekten mit Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur & Städtebau den Zuschlag.
Auszeichnungen
1223 (1. Preis und Weiterbearbeitung)
Mit Einordnung eines schlanken rechteckigen Baukörpers, abgerückt parallel zur Scheidemannstrasse, wird das neue Besucherzentrum im Kontext der bestehenden dominanten Parlamentsgebäudes angemessen und geschickt positioniert.
Der entstehende Vorplatz an der Scheidemannstrasse schafft eine selbstverständliche grosszügige Eingangssituation, die für grössere Besucherströme angenehme Aufenthaltsqualitäten verspricht. Die Materialwahl des Bodenbelags, Granit Grosspflaster, wird jedoch hinterfragt.
Die denkmalgeschützten Alleen sind in der Darstellung erhalten und der Entwurf verspricht eine respektvolle Einbindung in den Tiergarten. Die Analyse der Untergeschosse lässt jedoch erkennen, dass im Bereich des Simsonweges punktuelle Eingriffe stattfinden und auch der Abstand zu den Bäumen im südlichen Bereich wird kritisch gesehen. Die geforderten Abstände zum sowjetischen Ehrenmal und zu der 4. Tunnelröhre sind zu knapp bemessen. Im Fazit ist somit die Flächenausdehnung und Raumanordnung im Untergeschoss überarbeitungsbedürftig, um die zwingenden Abstände einzuhalten. Im Bereich des nicht überbauten Untergeschosses (Vorplatz im Norden) werden konstruktiv Zusatzmassnahmen zur Auftriebssicherheit erforderlich sein.
Die Anlieferung im westlichen Bereich ist durch die Anordnung der Fassadensäulen nur mit Einschränkungen möglich. Der vorgeschlagene Einsatz von Gabelstaplern wird als sehr gewagt eingeschätzt.
Das architektonische Konzept greift die Säulenstruktur des Eingangsportikus des Reichstagsgebäudes auf und entwickelt diese zu einem umlaufenden eleganten gebäudehohen Stützenkranz. Das Sockelgeschoss mit den dienenden Funktionen der Sicherheitskontrolle bildet eine Plattform auf der im Obergeschoss eine grosszügige lichte Halle entsteht, die in ihrer Transparenz als moderne Interpretation der Demokratie verstanden werden will und einen weiten Blick auf den Platz der Republik eröffnet.
Der Zugangsbereich im EG von Norden ist klar gegliedert. Im Osten schliesst das Foyer mit einer zentralen zweiläufigen Treppenanlage an. Diese Treppe schafft neue orientierungsbildende visuelle Verbindungen zwischen den Geschossen.
Die geringe Raumhöhe von 3m im Foyer ist nur als Kontrast zu der lichten Höhe von 6,5m im 1. OG verständlich. Hier im 1.OG sind das Plenarforum über die gesamte Raumhöhe und die Seminarräume in zwei Geschossen mit Galerie als eingestellte Raumkörper angeordnet. Die Flächen der Seminarräume im Westen sind allerdings zugunsten der grosszügigen Cafeteria auf der Plattform im Osten mit attraktivem Blick auf den Deutschen Bundestag zu gering bemessen.
Das UG teilt sich in einen nicht öffentlichen Bereich im Westen mit unzureichend belichteten Mitarbeiterräumen und einem öffentlichen Bereich im Osten mit WC Anlagen, Garderoben, Filmraum und flexiblen Ausstellungsflächen. Die Klarheit der Anordnungsstruktur wird begrüsst, jedoch sind die Belichtungsverhältnisse zu hinterfragen. Die Höhenanschlüsse an den Tunnel, sowie die Position der Fluchttreppen und Rettungswege sind im Detail zu überprüfen.
Fazit: Die städtebauliche Konzeption und die klare architektonische Anmutung des Entwurfs sind sehr überzeugend. Mit seinem Vorplatz an der Scheidemannstrasse schafft der Entwurf eine selbstverständliche grosszügige Eingangssituation für die Besucher.
1205 (1. Preis)
Mit filigraner Leichtigkeit fügt sich der Entwurf einerseits in das Ensemble der Parlaments- und Regierungsbauten ein und verwebt sich andererseits gleichzeitig mit den Gehölzen des Tiergartens.
Die polygonale Geometrie des Gebäudes generiert sich aus den Richtungen der angrenzenden Wege, wodurch die bestehenden Alleebäume erhalten und die Baugrenzen zu den Nachbargrundstücken respektiert werden können. Diese zwingend einzuhaltenden Abstände sind auch bei der Planung der Baugrube zu berücksichtigen.
In der allseitig umlaufenden Pufferzone ist die Erweiterung zum Vorbereich an der Scheidemannstrasse gut platziert, da sie den Wartenden Wetterschutz bietet und den Blick auf den Reichstag freigibt.
Mit dem Foyer an der Ostseite entwickelt sich das lebendige Zentrum des Gebäudes als geschossübergreifendes Raumkontinuum.
Der kaskadierende Blick führt vom Plenarforum im Obergeschoss in das Hauptfoyer und bis hinunter an den Tunnelzugang.
Die Grundkomposition der Architektur und schlüssige Richtungsführung der Besucher im Innern sind stimmig. So erkennen auch Parkbesucher von außen bereits die Aufgabe des Gebäudes.
Im Erdgeschoss wird die Trennung durch die tiefen eingestellten Boxen kritisch gesehen, ebenso weitere Aspekte der Wegführung im Bereich des Foyers...
Fazit: Das Gebäude wird nicht als massives Raumvolumen in den Tiergarten platziert, sondern dem Entwurf gelingt es viel mehr, Natur und Artefakt dialogisch zu verbinden und seiner funktionalen Aufgabe wie den Genius loci überzeugend gerecht zu werden.
Text: Auszug aus dem Jurybericht
Anerkennungen
1201
Burgos & Garrido Arquitectos Asociados mit FRPO Rodriguez & Oriol Arquitectos, Madrid | Verzone Woods Architectes + Uberland, Vevey
1203
bob-architektur, Köln | FSWLA, Düsseldorf | Ingenieurbüro Mentges Beratende Ingenieure, Siegburg
1209
Henn, Berlin | Ingenieurgesellschaft BBP Bauconsulting, Berlin
1219
Allmann Sattler Wappner Architekten, München | Schüller Landschaftsarchitekten, München
1225
ARGE Kim Nalleweg Architekten und César Trujillo Moya, Berlin | TDB Landschaftsarchitektur Thomanek Duquesnoy Boemans Partnerschaft, Berlin