Neubau Alterszentrum St. Anna in Luzern
Einladungsverfahren
51-55 Rigistrasse, 6006 Luzern
Publikationsdatum
28.04.2016
Auftraggeber
St. Anna Stiftung
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Jürg Rehsteiner (Stadtarchitekt Luzern),
- Armando Meletta (dipl. Architekt, Luzern, Präsident Stadtbaukommission Luzern),
- Elisabeth Blum (dipl. Architektin ETH, Autorin, Mitglied Stadtbaukommission Sursee),
- Franziska Manetsch (dipl. Architektin, Zürich),
- Christoph Steiger (dipl. Architekt, Luzern),
- Christoph von Arx (Landschaftsarchitekt, Solothurn),
Sachrichter
- Heidi Kälin (Generaloberin Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern),
- Louis Renner (Präsident Stiftungsrat St. Anna Stiftung),
- Walter Graf (Stiftungsrat St. Anna Stiftung),
- Bernadette Schaller (Geschäftsleiterin St. Anna Stiftung),
Wettbewerbsresultat
Im Rahmen des Projektwettbewerbs sollten Lösungen für den Neubau Alterszentrum St. Anna als gesamtheitliches Konzept mit Einbezug des GMZ und der Autoeinstellhalle aufgezeigt werden. Die Konzeptvorschläge hatten eine architektonische, ökologische, funktionale und wirtschaftliche Qualität aufzuweisen und die Idee des «Alterszentrums St. Anna: Leben. Spiritualität. Herzlichkeit» umzusetzen. Dabei war dem städtebaulichen Kontext und einem angemessenen Freiraumkonzept grosse Bedeutung zugewiesen.
Rangierte Projekte
SPIRO (1. Rang)
Prägend für den Ort ist einerseits der Überwältigende Blick über den Vierwaldstättersee in die Alpen, andererseits spielt die vom See oder dem gegenüberliegenden Ufer her wahrgenommene urbane Dichte des St. Anna-Gebietes eine wesentliche Rolle. Das neue Volumen wird auf die Flucht der bestehenden Bauten an der Rigistrasse gesetzt, wobei richtig platzierte, kleine Ausstülpungen die Länge brechen. Die Form wird präzise auf aussenräumliche, städtebauliche Bezugspunkte ausgerichtet und entwickelt. So stuft sich der westliche Abschluss in Anlehnung an die steile Topografie und die angrenzende Bebauung gekonnt ab und das östliche Ende des Gebäudes verjüngt sich und gibt dadurch der bestehenden Kapelle ihren notwendigen Aussenraum. Das Gebäude verortet sich optimal, erscheint bergseitig fünfgeschossig und überragt die bestehenden Gebäude an der Rigistrasse nur minimal. Das bestehende, eingeschossige GMZ wird nicht aufgestockt, auf dem Erdgeschoss mit dem neuen Pflegetrakt zusammengebaut und bildet mit einem neu formulierten, grosszügigen, dreiseitig umbauten Hof den neuen Eingangsbereich und das Zentrum des Gebäudeensembles.
Schlusswürdigung
Gesamthaft handelt es sich um ein Projekt, welches die städtebaulichen, aussenräumlichen und architektonischen Qualitäten virtuos bespielt und in der detaillierten, innenräumlichen Ausgestaltung in hohem Masse zu überzeugen vermag. Die spezielle identitätsstiftende, übergeordnete Detaillierung und Materialisierung verbindet die Gesamtanlage inklusive der St. Anna-Kapelle zu einem neuen Ganzen. Auf die Inhalte der Schwesterngemeinschaft und deren Spiritualität wird sehr gezielt verwiesen und eingetreten.
A room with a view (2. Rang)
Den Projektverfassern gelingt es in diesem Entwurf, eine interessante und städtebaulich präzise Gebäudefigur mit einer nachvollziehbaren Grundrissidee zu kombinieren. Der von den Verfassern entwickelte dreiflügelig konzipierte Baukörper geht gezielt auf den unmittelbaren Kontext ein und erklärt sich gleichermassen aus einer inneren Logik. So setzen sich die wohlproportionierten Ost- und Westflügel entlang der Rigistrasse massstäblich in die Quartierstruktur ein und nehmen Bezug auf die vorhandene Reihe der bestehenden Einzelbauten. Der zurückgesetzte Mittelteil formuliert dabei einen einladenden Zugang und adressiert den Neubau. Gegen Süden – zu Stadt, See und Alpenpanorama – entwickelt sich das Gebäude mit einem mittig liegenden Südflügel in die Tiefe. Dadurch wird die Abwicklung der Fassade zur äusserst attraktiven Südseite markant vergrössert und der Projektname «a room with a view» wird zum Programm. Jeder Wohn - und Schlafraum, sei es in den Pflegewohngruppen wie auch in den begleiteten Wohnungen, kommt in den Genuss einer grossartigen Aussicht. Der Südflügel, bildet zusammen mit dem Ostflügel zur Tivolistrasse eine räumlich prägnant gefasste Zugangssituation und mit dem Westflügel eine adäquate volumetrische Ausbildung zur spezifischen, topografischen Prägung der Brunnhalde. Bei dieser an sich gelungenen Gebäudekonfiguration ist kritisch zu bemerken, dass dieses zur Aussicht zugewandte, ein- und ausbringende Volumen gegenseitige Einsichten ermöglicht und alternierend jeweils während einer Tageshälfte zur Eigenverschattung führt. Die Tiefe der Fassade reagiert jedoch auf diese Thematik. Zudem tangiert der Westflügel die Baulinie entlang der Rigistrasse und müsste noch etwas nach Süden verschoben werden.
Schlusswürdigung
Gesamthaft handelt es sich bei diesem Entwurf um ein sehr sorgfältig ausgearbeitetes Projekt, welches städtebaulich fasziniert. Die innenräumlichen Qualitäten sind überzeugend, werden jedoch durch die teilweise Negierung der im Wettbewerbsprogramm geforderten Unterteilung der Pflegewohngruppen erst ermöglicht. Dadurch entsteht ein eher konventionell konzipiertes Pflegeheim, dass der Unterschiedlichkeit der einzelnen Pflegewohngruppen nicht gerecht wird und der geforderten Privatsphäre der Bewohner, die in Wohngruppen anvisiert wird, nicht entspricht.
Emilie (3. Rang)
Der städtebauliche Vorschlag des Projekts Emilie zeigt, dass die Verfasser den Wettbewerb als Chance verstehen, die Heterogenität der bisherigen Situation in eine beruhigte neue Ordnung zu bringen. In seiner Körnigkeit nimmt das Projekt Mass an seiner Umgebung.
Seine volumetrische Disposition hängt unmittelbar mit einem funktionalen Grundsatzentscheid zusammen: Der Trennung von begleitetem Wohnen und Pflegewohnen. Diese Trennung, die auch Wert auf getrennte Adressbildungen legt, ermöglicht den Projektverfassern, die einzelnen Gebäude städtebaulich differenziert in die Umgebung zu integrieren. Die respektgebietend vorspringende Kapelle, der zweiseitige, das Entrée begleitende Portikus des neu formulierten Sockelgeschosses mit Eingangshalle, der neue Wohnbaukörper und der südlich liegende Garten bilden zusammen eine grosszügige räumliche Willkommens- und Empfangsgeste, akzentuiert mit einer mittigen Baumgruppe und gedecktem Zugang.
Schlusswürdigung
Insgesamt zeigt das Projekt Emilie einen spannenden städtebaulichen Beitrag – jedoch mit einer gewissen Beeinträchtigung der Aussichtslage und Besonnung für den Hofplatz und den nördlichen Teil der Anlage.
Der Entscheid, die beiden Wohnformen zu trennen, ja sie sogar in zwei unterschiedlichen Gebäuden unterzubringen, hat den Nachteil, dass eine wünschenswerte funktionale Langzeitflexibilität nicht gegeben ist.
Auch wird mit der Rigidität der Grundrisse die Assoziation Pflegeheim stärker bedient als die Vorstellung einer Wohnform, die die zentralen Werte der St. Anna Gemeinschaft «Leben Spiritualität Herzlichkeit» auch räumlich auszudrücken vermag.
Text: Auszug aus dem Jurybericht