Mehrzweckhalle Vals
Selektives Verfahren
51E Glüs, 7132 Vals
Publikationsdatum
04.01.2017
Auftraggeber
Gemeindeverwaltung Vals
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Stefan Bitterli (dipl. Arch. ETH/BDA/BSA/SIA- Kantonsbaumeister / Chef Hochbauamt Zürich, Meilen),
- Karin Jörger (dipl. Arch. ETH SIA, CAS PM, Vals),
- Peter Suter (dipl. Arch. ETH / SIA, Chur),
- Hubert Bischoff (dipl. Arch. BSA / SIA, Wolfhalden),
- Martin Engeler (dipl. Arch. BSA / SIA, St. Gallen),
Sachrichter
- Stefan Schmid (Gemeindepräsident Vals),
- Stefan Stoffel (Bauamt Vals),
- Robert Albertin (dipl. Arch. FH/SIA/SWB/FSU, Haldenstein, Bauberater der Gemeinde Vals),
Wettbewerbsresultat
Aufgabenstellung
Die Planungsaufgabe bestand darin, auf dem Areal unter Berücksichtigung der begrenzten Platzverhältnisse, der alpinen Topographie und des lokalen Klimas ein Projekt für einen nachhaltigen Erweiterungsbau zu erarbeiten. Die Lösungsvorschläge hatten aufzuzeigen, wie unter Beachtung der im Wettbewerbsprogramm und der Fragenbeantwortung aufgeführten Projektierungsanforderungen sowie Rahmenbedingungen die vier geforderten Funktionsgruppen Schule, Mehrzweckhalle, Drittnutzungen sowie Arztpraxis des zu Grunde gelegten, hybriden Nutzungsprogramms derart unter einem Dach vereint und obendrein organisiert werden können, dass für die Bevölkerung von Vals eine attraktive Stätte für Bildung, Freizeit sowie Gesundheit entsteht.
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt der Wettbewerbsveranstalterin einstimmig, den Architekten des Projekts «Follow-Me» mit der Weiterbearbeitung der Bauaufgabe zu beauftragen unter Berücksichtigung der in der Projektbeschreibung festgehaltenen Kritik sowie insbesondere den nachstehend aufgeführten Auflagen:
Die Weiterbearbeitung soll zur Wahrung der Interessen der Bauherrschaft von einer Baufachperson (Architektin) des Preisgerichts begleitet werden.
- Das vergleichsweise überdurchschnittlich hohe Bauvolumen ist mit Blick auf die gebotene Wirtschaftlichkeit markant zu reduzieren
Der Entwicklung der Kosten ist gleich von Beginn an grösste Bedeutung beizumessen, d.h. das Kostendach ist - gegebenenfalls auf der Basis «design to cost» - unbedingt einzuhalten.
Rangierte Projekte
Follow-Me (1. Rang, SAM Architekten und Partner)
Der Projektvorschlag basiert auf der städtebaulichen Idee, parallel zur Poststrasse bzw. zum Valser Rhein einen markanten Längsbau derart zu situieren, dass er sich mit den rückwärtig terrassierten Hallen und der bestehenden Schulanlage zu einem Ensemble vereint. Die Ergänzungsbauten folgen bezüglich Typologie und Massstab der kantig mäandrierenden Form der Klassentrakte und generieren in der Folge eine ortsbauliche Verdichtung, welche mit der öffentlichen Bedeutung der neuen Anlage gut verträglich ist. Dadurch gelingt es, das ganzheitliche Raumgefüge von Schule, Sport und Gesellschaft mit dem angemessen proportionierten Vorplatz, von welchem man niveaulos zu den beiden gut auffindbaren Haupteingängen gelangt, auf überzeugende Weise ins Gelände einzubetten.
Der schlanke Giebelbau vermittelt zusammen mit dem expressiven Aufgang zum Pausenplatz das Ankommen. Folgerichtig bleibt der Eintritt in die Schule bestehen und der neue Eingang in die Mehrzweckhalle erfährt unter dem auskragenden Kopfbau eine Akzentuierung. Die Erweiterung übernimmt als steinerner Massivbau den Ausdruck des Bestandes, wobei sich der Betonbau bewusst vom Charakter des durch Mauerwerk und Holzelemente geprägten Schulgebäudes geringfügig abhebt. Während die ostseitigen Lochfenster etwas unruhig und unausgewogen wirken, trägt die Dacheindeckung in Naturstein zur guten Einfügung in das Dorf bei. Innenräumlich stimmungsvoll ist das gut belichtete und sich anstelle der heutigen Bühne als grosszügiger Raum bis in die obere Galerie ausweitende Foyer. Auch die Mehrzweckhalle lässt aufgrund der Materialisierung und Belichtung eine gute Atmosphäre erwarten.
Als mittig positionierter Vorraum vermag das Foyer vorteilhaft beiden Hallen zu dienen, hingegen weniger nutzbringend wird die Lage des Office im hinteren Bereich beurteilt. Die Sportgarderobe wird hangseitig unter der Zuschauergalerie vorgeschlagen. Damit ist die Erreichbarkeit für die Schule gut gelöst, hingegen durchqueren die Sportler von aussen her kommend das gesamte Foyer. Die Bühne ist südseitig angegliedert und folgerichtig auch separat erschlossen. Allerdings ist sie in ihrer Tiefe leicht unterschritten, erstreckt sich dafür über die gesamte Hallenbreite, was für die Bühnennebennutzung wiederum vorteilhaft ausfällt. Gut auffindbar ist die Arztpraxis im Erdgeschoss mit separatem Eingang auf Strassenniveau. Auch der darüber liegende Bereich für Fitness und Physiotherapie kann mit dem nördlich ausgerichteten Sitzungszimmer über die seitliche Erschliessungsachse beim Haupteingang gut erreicht werden. Ferner befinden sich auf derselben Ebene die sinnfällig miteinander verbundenen Galerie des Foyers sowie bergseitige Zuschauertribüne. Die Unterbringung der von aussen über den Allwetterplatz oder den internen Lift erschlossenen Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss ist abgesehen vom Lagerraum zweckmässig. Und last but not least wird der südliche Klassentrakt mit den geforderten Unterrichtsräumen durch Übernahme des bestehenden Querschnitts pragmatisch erweitert.
Die vorgeschlagene monolithische Massivbauweise mittels Stahlbetonwänden sowie -decken und vorgespannten Rippenträgern ist erprobt und lässt günstige Rohbaukosten erwarten. Interessant ist in diesem Zusammenhang die ungewohnte hangseitige Sicherung, die jedoch von den Projektverfassern eingehend und plausibel begründet wird. Nicht nachvollziehbar sind hingegen die beträchtlichen Mehrhöhen bei der Arztpraxis sowie Mehrzweckhalle. Dadurch weist das Projekt mit 19'368 m³ das grösste Bauvolumen aus, was trotz überzeugendem statischem Konzept und einem günstigen Verhältnisfaktor zwischen NGF und GF von 0.88 die Wirtschaftlichkeit relativiert. Hingegen dürfte sich das gut durchdachte Betriebskonzept günstig auf die laufenden Kosten auswirken.
Den Projektverfassern gelingt es auf unprätentiöse Art, einen neuen ausgewogenen Ortsteil für Vals zu erschaffen, der vorzüglich über den Valser Rhein zum Dorf ausstrahlt. Ungeachtet der nur in Teilbereichen ausgewiesenen Wirtschaftlichkeit sind die selbstverständliche Schlichtheit im kubischen Auftritt und die adäquate Materialwahl die vielversprechenden Vorzüge des Projekts.
Ménage-à-trois (2. Rang, Felgendreher Olfs Köchling Architekten)
Die vorgeschlagene Lösung ergänzt das bestehende Ensemble Schulhaus und Turnhalle auf eine einfache, selbsterklärende Weise. Allerdings ist der vorgeschlagene Turmbau im Gesamtbild des Dorfes fraglich. Denn einerseits überragen die sechs Vollgeschosse den im Ortskern gegenüberliegenden Kirchturm und wirken im Dorfgefüge fremd. Und andererseits gibt die architektonische Geste eines Turmes dessen Nutzungen zu viel Bedeutung bzw. werden in einem sechsgeschossigen Bau an diesem Ort für die Allgemeinheit bedeutendere Inhalte erwartet als die vorgesehenen. Die Ergänzung des bestehenden Klassentraktes hangseitig ist auf einfache und bestechende Weise gelöst, das zusätzliche Volumen fügt sich harmonisch ein. Auch der neue Hallentrakt mit dem leicht geneigten Pultdach nimmt die ursprüngliche Qualität der Anlage, der sorgfältige Umgang mit der Topografie, bestens auf. So überzeugt auch die gesamte Dachlandschaft durch eine grosszügige, ruhige, die Hangneigung aufnehmende Form. Die auf den ersten Blick sowohl bezüglich Volumetrie als auch Architektur bestechende Lösung wird allerdings erkauft durch den Abbruch der bestehenden Turnhalle ohne Ersatz derselben...
Der Projektvorschlag besticht durch ein sehr sorgfältig in die Topografie eingesetzte Erweiterung der Schulanlage und des Neubaus der Mehrzweckhalle. Der durch das Weglassen der alten Turnhalle erfolgte «Befreiungsschlag» eröffnet wohl neue städtebauliche und architektonische Möglichkeiten, welche auch genutzt werden, jedoch betrieblich nicht akzeptabel sind.
Fritz & Fränzi (3. Rang, Degelo Archtekten)
Das Projekt positioniert als einziger Beitrag die neue Mehrzweckhalle quer zum Hang. Dieses kompakte Hallenvolumen, das von der Poststrasse abgesetzt ist, wird von einem niedrigen Sockelbau gefasst. Dadurch entsteht ein in der Höhe sorgfältig gestaffeltes, verhältnismässig moderat in Erscheinung tretendes Bauvolumen, welches auf überzeugende Weise einen kontinuierlichen Übergang zur bestehenden Schulanlage zu schaffen vermag. Im Weiteren gelingt es mit der Querstellung, zwischen den höheren Baukörpern die rückwärtige Umgebung mit dem Hangverlauf spürbar zu machen. Als einziges Projekt wird der Schultrakt unter Erhalt der Hausmeisterwohnung mit einer Aufstockung ergänzt. In diesem Zusammenhang ist jedoch der zwischen Schultrakt und Wohnung vorhandene Niveauunterschied nicht berücksichtigt, weshalb dieser Eingriff in die bestehende Bausubstanz nicht wirklich funktioniert. Die getrennt platzierten Aussenräume sind dennoch fliessend verbunden, allerdings fehlen die externen Zugänge gänzlich...
Der typologisch eigenständige Beitrag spielt den Hang differenziert frei und wirkt aufgrund der sensiblen Höhenentwicklung sympathisch. Zudem gelingt mit der Querstellung der Mehrzweckhalle zum Hang eine einfache Organisation. Diesen Qualitäten stehen Leider auch konzeptionell bedingte Schwächen betreffend Aufstockung, Arkade, Drittnutzungen und letztlich auch zu erwartenden Kosten entgegen.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)