Gesamtsanierung Taubenhalde, Bern
Selektives Verfahren
16 Taubenstrasse, 3011 Bern
Publikationsdatum
27.05.2016
Auftraggeber
Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL)
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Hanspeter Winkler (Architekt ETH/SIA, BBL, Vorsitz),
- Pia Durisch (Architektin, Massagno),
- Fritz Schär (Architekt, Bern),
- Katia Ritz (Architektin, Biel),
Sachrichter
- Jacques Pitteloud (Des. Direktor EDA-DR),
- Christophe Patthey (Portfoliomanager, BBL),
- Seline Iseli (Nutzervertreterin, EDA-DR),
- Peter Aegerter (Objektbetreiber, BBL),
Wettbewerbsresultat
Resultat
Die Taubenhalde in Bern liegt an bester Lage, nur wenige hundert Meter vom Bundeshaus entfernt am Hang zur Aare, mit Blick über die Stadt bis zum Berner Hausberg Gurten. Hier entstand von 1969 bis 1975 ein Verwaltungscampus mit drei über das abfallende Gelände verteilten Gebäuden. Realisiert wurden die Bauten durch die Berner Architektengemeinschaft Daxelhofer, Haltmeyer, Küenzi (vgl. Schweizer Bauzeitung, Bd. 93, Heft 28, S. 431). Die Bauten sind typische Vertreter ihrer Zeit – mit Metallfensterbändern und Brüstungsverkleidungen aus Waschbeton – und nun in die Jahre gekommen. Im Juli 2015 schrieb das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL als Bauherrschaft einen selektiven Projektwettbewerb zu ihrer Gesamtsanierung aus.
Der Erhalt des Bestands stand wegen des guten Zustands der Primärstruktur nicht zur Disposition, Erweiterungsbauten kamen wegen der Lage im Aaretalschutzgebiet nicht infrage. So ging es vor allem darum, wie die bestehenden Bauten im Hinblick auf Gebäudehülle, Gebäudetechnik und Innenausbau ertüchtigt werden könnten. Hauptproblem war hierbei die geringe Stockwerkhöhe. Zudem wird ein neuer Nutzer einziehen. Noch ist hier das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement EJPD angesiedelt. Aber das Areal ist Teil des langfristigen Unterbringungskonzepts des Bundes UK 2024 und soll ab 2023 das Eidgenössische Departement für äussere Angelegenheiten EDA an einem einzigen Standort beherbergen.
Sensible Lage
Der Wettbewerb war für das kreuzförmige Gebäude A an der Taubenstrasse 16 ausgeschrieben, es soll als Musterobjekt für die Sanierung aller drei Bauten dienen.
Das Areal befindet sich an exponierter Stelle: Im Sommer verschwinden die niedrigeren und tiefer im Gelände positionierten Gebäude B (Bundesrain 20) und C (Brückenstrasse 50) zwar hinter dem dichten Laub des bewaldeten Hangs, aber das neungeschossige Gebäude A ragt je nach Standpunkt markant neben dem Bundeshaus aus dem Grün. Ein wesentliches Kriterium war daher die Gestaltung der Fassade. Im Wettbewerb wurde dafür zwischen Betrachtungs- und Projektierungsperimeter unterschieden. Ersterer umfasste die gesamte südliche Ansicht der Stadt Bern – als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes geschützt –, Letzterer den eigentlichen Bau.
Adaptiert, vertikal, hybrid
Was die Fassadengestaltung betrifft, lassen sich die rangierten Projekte in drei Gruppen aufteilen, wobei alle das Erdgeschoss als offene Sockelzone belassen. Die beiden Projekte auf Rang 1 und 2 («Phönix» von GWJ Architektur und «lungimirante» von Büro B Architekten) betonen die Vertikalität des Baus. «Phönix» erreicht dies mittels einer Hülle aus stehend angeordneten, über zwei Geschosse reichenden Glaspaneelen, «lungimirante » mit der Betonung der Stützen. Die Fassade des Siegerprojekts bringt Ruhe in das Volumen, wirkt dennoch eigenständig und wäre auch für die beiden anderen Gebäude auf dem Areal anwendbar. Zwei Entwürfe («Cocoa» von spaceshop Architekten und «Zenit» von atelier 5 Architekten und Planer) bleiben in der Fassadengestaltung nah am Bestand und interpretieren lediglich den typischen 1970er-Jahre-Ausdruck neu, mit flächenbündigen Fenstern und Brüstungs- und Stützenverkleidungen aus Kunststein (Cocoa) oder faserarmierten Betonelementen (Zenit). Einen eigenständigen Vorstoss wagt der viertrangierte «Glasbaustein» von matti ragaz hitz Architekten mit kombiniertem Ansatz, bei dem eine Steinfassade wie ein Gitter vor einer Glashaut steht.
Kreuz, Kern, Flügel
Der Umgang mit dem kreuzförmigen Grundriss ist unterschiedlich gelungen. Der Sieger löst die Erschliessung mit einem eleganten Kniff: Der heute zentral in der Gebäudemitte gelegene Lift- und Erschliessungskern wird gesplittet, je zwei Flügel werden zu einem L zusammengefasst, analog zum bestehenden Höhenversatz. Das klärt die Volumetrie. In der Raumorganisation verzichtet «Phönix » auf ein eigentliches Zentrum, was eine aufgeräumte Grundrissorganisation bei gleichzeitig hoher Flexibilität in der Raumaufteilung ermöglicht.
Ein häufig verfolgter An satz war, das Zentrum des Gebäu des zu öffnen, die Technikräume in die Flügel zu integrieren und die Mitte über ein zentrales Treppenhaus zu erschliessen. Eine etwas unentschieden wirkende Version präsentiert «lunigimirante» mit einem leicht schräg gestellten Treppenhaus. Besser gelingt die Idee dem drittplatzierten «Cocoa». Hier werden die Treppenkerne in die Flügel verschoben, und das Zentrum wird mit einer eleganten Wendeltreppe inszeniert, die jeweils zwei Geschosse verbindet. So enstehen wunderbar zonierte Innenräume mit hoher Aufenthaltsqualität.
Fazit und Ausblick
Kennt man den Bestandsbau, überrascht die Sorgfalt, die auf Volumetrie und Fassadengestaltung gelegt wurde. Als Zeitzeuge der Waschbetonarchitektur scheint er sich wenig um Bezüge zum Bundeshaus, das benachbarte Quartier oder den umgebenden Grünraum zu kümmern – obwohl diese Überlegungen beim Bau durchaus einflossen, wie zeitgenössische Berichte zeigen. Für den Umgang mit Bauten der 1970er-Jahre hat sich noch kein Rezept durchgesetzt. Im hier ausgezeichneten Siegerprojekt wird der Bezug zum Bestand aufgehoben. Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie die Adaption der bestehenden Fassade an heutige Massstäbe ausgesehen hätte.
Weitere Teilnehmer
«Alles bleibt: nur geöffnet»: Aebi & Vincent Architekten, Bern; WAM Planer und Ingenieure, Bern; CSP Meier, Bern; Energieatelier AG, Thun; Studio Hannes Wettstein, Zürich; Andreas Geser Landschaftsarchitekten, Zürich; Amstein + Walthert, Bern; Gartenmann Engineering, Bern; Adrian Scheidegger, Bern
«fuori»: jessenvollenweider architektur, Basel; b + p baurealisation, Zürich; Schnetzer Puskas Ingenieure, Basel; Waldhauser + Hermann, Münchenstein; Hefti. Hess. Martignoni, Bern
«HELVETIA»: Buchner Bründler Planer, Basel; Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure, Zürich; Hefti. Hess. Martignoni, St. Gallen; Aicher, De Martin, Zweng, Luzern; Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure, Zürich; Bakus Bauphysik und Akustik, Zürich; Wälchli Architekten Partner, Bern; Adrian König, Berlin (D)
«REVIVAL»: Suter + Partner Architekten, Bern; Bächtold & Moor, Bern; Enerconom, Bern
«EUREKA»: Graser Architekten, Zürich; Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure, Zürich; Hefti. Hess. Martignoni, Bern; NBG Ingenieure, Bern
«Lametta»: von Ballmoos Krucker Architekten, Zürich; Ferrari Gartmann, Chur; Amstein + Walthert, Zürich
«Swissness»: Fiechter & Salzmann Architekten, Zürich; architekturbüro bosshard und partner, Zürich; WMM Ingenieure, Münchenstein; Mettler + Partner West, Aarau; energiehoch4, Zürich; Kopitsis Bauphysik, Wohlen; GKP Fassadentechnik, Aadorf; Gruner Roschi, Köniz
Text: Tina Cieslik, Redaktorin Architektur/ Innenarchitektur