Erweiterung und Instandsetzung Schulanlage Hofacker, Zürich
Selektives Verfahren
45 Hofackerstrasse, 8032 Zürich
Publikationsdatum
27.10.2015
Auftraggeber
Stadt Zürich
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Ueli Lindt (Gruppenleiter, Amt für Hochbauten (Vorsitz)),
- Christine Enzmann (Stadtgebiet Ost, Amt für Städtebau),
- Boris Brunner (Architekt, Zürich),
- Rolf Mühlethaler (Architekt, Bern),
- Petra Schröder (Landschaftsarchitektin, Wettingen),
- Detlef Horisberger (Architekt, Zürich),
Sachrichter
- Marcel Handler (Leiter Abteilung Betrieb und Infrastruktur, Schulamt),
- Hanna Lienhard (Präsidentin Kreisschulpflege Zürichberg),
- Silvia Kistler (Abteilungsleiterin, Immobilien-Bewirtschaftung),
- Kathrin Napravnik (Kundenberaterin, Immobilien-Bewirtschaftung),
- Daniela Weiland (Freiraumberatung, Grün Stadt Zürich),
Wettbewerbsresultat
Die Schulanlage Hofacker im Quartier Hirslanden am Zürichberg stand bis vor Kurzem noch komplett unter Denkmalschutz: Nach einem Stadtratsbeschluss 2011 wurde jedoch ein kleinerer Turnhallenanbau von Friedrich Wehrli aus dem Inventar entlassen. An die Stelle der alten Halle soll nun ein würdiger Neubau treten. Unter Schutz verbleiben das repräsentative Schulhaus von Wehrli, 1898 im Stil der deutschen Neurenaissance errichtet, sowie das Turnhallengebäude von Hermann Herter, 1938 im Stil des Neuen Bauens hinzugefügt. Die grosszügigen Freiräume der Anlage mit ihrem alten Baumbestand werden ebenfalls für schutzwürdig erachtet.
Obwohl die Schulanlage somit als wichtiger Zeitzeuge gilt, befindet sie sich in einem schlechten Zustand. Eine Instandsetzung ist dringend erforderlich, zusätzlich fehlen dem Schulkreis Räumlichkeiten: Nach einer Entflechtung der Nutzungen werden die Sekundarschüler in einem Erweiterungsbau ausreichend Platz bekommen. Ausserdem kann das Bedürfnis nach einer städtischen Mehrfachturnhalle im Quartier überhaupt nur auf diesem verhältnismässig grossen Schulgelände erfüllt werden.
Der Projektwettbewerb wurde im selektiven Verfahren durchgeführt: Aus 56 Bewerbungen wählte die Jury zwölf Teams zur Teilnahme aus. Deren entwerferischer Spielraum war wegen der inventarisierten Anlage zwar eingeschränkt – der Perimeter war auf den Bereich zwischen Wehrli- und Herter-Trakt bis hin zur nordöstlich gelegenen Baulinie begrenzt –, dennoch ist die Bandbreite der eingereichten Projekte beachtlich. Ihre Qualität wurde von der Jury ausdrücklich gelobt.
Das einstimmig gewählte Siegerprojekt stammt von Piet und Wim Eckert. Ihr Vorschlag sieht einen Baukörper mit grossem Fussabdruck vor, der vom Zwischenraum der beiden Bestandsbauten bis zur nordöstlichen Grundstücksgrenze reicht. Mit seinen drei oberirdischen Geschossen ist der Neubau wesentlich niedriger als seine Nachbarn, zudem greift sein ausgeklügelt gefaltetes Dach ein architektonisches Motiv der umliegenden Mehrfamilienhäuser auf. Dank diesen Bezügen fügt sich das Projekt zurückhaltend in seine Umgebung ein. Was dem Gebäudevolumen gelingt, leisten die Fassaden jedoch nicht. Ihre sich geschossweise ändernde Gestaltung leitet sich von Konstruktion und Nutzung ab, lässt Bezüge zum Kontext jedoch vermissen.
Peter Märklis Entwurf, zweitrangiert, ist ein sehr schönes Volumen ungefähr am Ort der zu ersetzenden Turnhalle. Das Erdgeschoss springt im Südwesten weit zurück, artikuliert mit dem daraus entstehenden, gedeckten Bereich den Eingang und definiert die Ausrichtung zum Platz. Die gekonnt gestalteten Fassaden verschönern die Ansicht des Gebäudeensembles.
Das Projekt im dritten Rang schlägt einen Neubau an der nordöstlichen Grundstücksgrenze vor, der die neue Mitte als zentralen Platz frei lässt. In dieser Komposition scheinen die Bauten aus drei Epochen mehr Raum zur Entfaltung zu haben und in ihrer Unterschiedlichkeit selbstverständlicher nebeneinander stehen zu können. Unter dem Platz ist, mit begehbaren Oberlichtern, die Turnhalle angeordnet.
Wie der Neubau in das geschützte Ensemble zu integrieren ist, zeigen die drei erstrangierten Projekte auf ganz unterschiedliche Weise. Eine interessante Vielfalt liegt auch in den Vorstellungen zu Wesen und Atmosphäre der Schulräume. Das Siegerprojekt ist lichtdurchflutet. Der Erschliessungsraum entlang der mittleren Längsachse stösst im ersten Geschoss zwar nicht an die Fassade, wo sich rundum die Klassenzimmer und Gruppenräume befinden. Er ist aber, wie auch mehrere Unterrichtsräume, dank den Oberlichtern innerhalb der raffinierten Dachfaltung zweiseitig belichtet. Selbst in die zu zwei Dritteln unterirdische Turnhalle fällt von drei Seiten Tageslicht. Die Jury ist von der «klaren und konzentrierten Form der Lernlandschaft» überzeugt und prophezeit eine «helle, angenehme Atelier-Atmosphäre». Leider sei aber die «funktional gewünschte zweiteilige Clusterbildung» nicht nachgewiesen.
Märkli hat eine Werkstattschule entworfen. Sie überrascht mit einem foyerähnlichen Raum im Herzen des Gebäudes, in dem sich unterschiedliche Nutzungen überlagern und der eine starke, eigenständige Identität hat. Aussenliegende Fluchttreppen ermöglichen, die zwei Obergeschosse korridorlos mit Unterrichtsflächen zu belegen.
Die Drittrangierten dagegen machen einen breiten Korridor zum Rückgrat des Gebäudes, der neben der ebenso breiten Treppe in eine grosse Raumtasche mündet. Auf beiden Seiten des Gangs liegen die Klassenzimmer und Gruppenräume.
Gescheitert sind die Projekte auf dem zweiten und dritten Rang trotz ihrer Qualitäten aus unterschiedlichen Gründen. Aus dem Jurybericht geht klar hervor, wie wichtig die Wirkung des Neubaus im Gesamtensemble war. Beachtlich ist, dass das Fassadenbild des Siegerprojekts zu überarbeiten ist, um diesen Anspruch zu erfüllen. Seine städtebauliche Setzung, die hohe räumliche Qualität der Sporthalle sowie die gut strukturierte Lernlandschaft waren dennoch – und zu Recht – überzeugend.