Ersatzneubau Volksschule Kleefeld, Bern
Offenes Verfahren
1 Münsterplatz, 3000 Bern
Publikationsdatum
29.10.2015
Auftraggeber
Präsidialdirektion, Abteilung Hochbau der Stadt Bern
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Thomas Pfluger (Dipl. Arch. ETH/SIA),
- Heinrich Sauter (Dipl. Architekt ETH/SIA),
- Sabine Gresch (Dipl. Geografin, Landschaftsarchitektin MAS ETH),
- Bruno Krucker (Dipl. Arch. ETH/BSA),
- Yorick Ringeisen (Dipl. Arch. ETH),
- Armon Semadeni (Dipl. Arch. ETH/SIA),
- Maurus Schifferli (Dipl. Landschaftsarchitekt HTL/BSLA),
- Anne Marie Wagner (Dipl. Arch. ETH/SIA/BSA),
- Renate Haueter (Metron Raumentwicklung AG),
- Markus Kindler,
Sachrichter
- Jörg Moor (Stv. Leitung Schulamt),
- Andreas Wiedmer (Schulleitung Volksschule Kleefeld),
Wettbewerbsresultat
Im Herzen der Wohnsiedlung Kleefeld aus den 1960er-Jahren steht neben einem Quartierzentrum die Schulanlage, erbaut 1971/72 von B.H. Matti. Drei Schulhäuser sowie eine Turnhalle gruppieren sich um einen Hof; darunter liegt eine Sanitätshilfsstelle. Wie die gesamte Siedlung sind auch die Schulgebäude inzwischen in einem schlechten baulichen Zustand. Nach einer Studie 2012 hat sich die Stadt Bern zu einem Ersatzneubau entschieden. Am Projektwettbewerb haben sich nur 19 Teams beteiligt.
In einem oder mehreren Gebäuden waren u.a. unterzubringen: Unterrichtsräume für neun Basis- und acht Primarstufenklassen, eine Tagesschule für 70 bis 80 Kinder sowie Musikunterrichtsräume für das Konservatorium der Stadt Bern. Städtebau und Aussenraumgestaltung sollten den Bezug zur Umgebung stärken, um dem mittlerweile auch sozial problematischen Quartier neue Impulse zu geben.
Am besten gelungen ist dies dem siegreichen Team von Kast Kaeppeli Architekten. Sein Vorschlag greift die räumliche Idee eines Gebäudeensembles mit zentralem Platz auf: Das fünfgeschossige Primarschulhaus, ein kompaktes, aufrechtes Volumen, liegt in den Fluchten der bestehenden Turnhalle und ist der nördliche Abschluss bzw. das Scharnier der Anlage zum Quartierzentrum hin. Im Osten teilen sich Basisstufe und Tagesschule ein längliches, zweigeschossiges Gebäude. Auf der westlichen Seite schliesslich knüpft der Schulhof an die bestehenden Strukturen im Geviert an, gefiltert durch drei regelmässig gepflanzte Baumreihen.
Die ganze Anlage befindet sich auf einem Sockelgeschoss, bedingt durch die bestehende Sanitätshilfsstelle. Dadurch haben die beiden Neubauten jeweils Zugänge auf zwei Niveaus – ein Umstand, der der Organisation der unterschiedlichen Nutzungen zugute kommt: Die Mitglieder des Konservatoriums betreten ihre Räumlichkeiten in den unteren Geschossen des Schulhauses von der Seite des Quartierzentrums. Hier ist ein Platzgefüge angedacht, das die öffentlichen Räume miteinander verbindet.
Eine Vielfalt von Unterrichtsräumen findet sich, klug organisiert, in den zwei Obergeschossen: Zwischen vier Klassenzimmern in den Gebäudeecken liegen vier kleinere Gruppenräume sowie ein grosser, mehrfach unterteilbarer Mehrzweckraum. Der Entwurf kommt ohne Korridore aus. Weil aber die Treppenhäuser selbst eher klein bemessen sind, moniert die Jury, die Erschliessungsfläche sei zu knapp. Immerhin ermöglichen schmale Loggien auf zwei Seiten, an die frische Luft zu treten – ein grosser Vorteil, will man die Kreidezeichnung schnell fixieren oder – im schlimmsten Fall – vorm Feuer fliehen. Denn die Fluchtbalkone ermöglichen, das Geschoss durchgehend als flexiblen Arbeitsbereich zu nutzen. Zuoberst befindet sich eine Verwaltungsetage mit Büros, Besprechungsräumen und der Wohnung des Hauswarts.
Im anderen Bau befinden sich die Aufenthaltsräume der Tagesschule entlang eines gedeckten Aussenbereichs am Platz. Gegenüber, in der Morgensonne, sind Klassenzimmer und Gruppenräume aneinandergereiht. Pro Einheit führt eine Treppe nach unten, wo sich der Grundriss wiederholt, hier aber jeweils mit Ausgängen in den Aussenraum. Dieser ist in Freiluftzimmer zoniert, somit geschützt und gut überschaubar. Die Fassaden haben einen hohen Öffnungsanteil, durch den das bunte Schulleben nach aussen dringt. Die massive Betonstruktur, elegant in Tektonik und Proportion, macht sie aber auch robust im Kontext der Betonhochhäuser – ein durchaus angemessener architektonischer Ausdruck.
Birchmeier Uhlmann und Rabinovich Architekten auf dem zweiten Rang planten ein grosses Hauptgebäude; die Musikräume im Sockelgeschoss bekommen noch einen punktuellen Aufsatz, der Hauswart gar ein kleines Eigenheim. Die Gebäudesetzung wie auch die Aussenräume scheinen sich aus einer Reihe von Einzelentscheidungen ergeben zu haben, die grundlegende Entwurfsidee erschliesst sich schwer. Die Jury spricht allerdings der räumlichen Organisation der Nutzungen grosse Qualitäten zu. Das drittrangierte Projekt von Stücheli Architekten formuliert wiederum eine klare Haltung. Es schafft sich einen eigenen Ort: Das schulische Leben findet im grossen, quadratischen Innenhof eines flachen Gebäudes statt – Horizontale vs. Vertikale – und wird somit stark vom öffentlichen Raum abgegrenzt.
Gerade in diesem Vergleich wird deutlich, was das Siegerprojekt leistet. Es greift das Wesen des Quartiers auf: Präzise ausgerichtete Gebäude stehen souverän im fliessenden Stadtraum. Zusätzlich schafft es vielversprechende Aussenräume, die klar definiert und unterscheidbar sind. Diese kraftvolle Situation könnte über den Schulbetrieb hinaus das ganze Quartier bereichern.
Die Stadt Bern hat den offenen Projektwettbewerb als Verfahren für Generalplaner ausgeschrieben. Für die Bauherrin ist es vorteilhaft, nur einen Vertragspartner zu haben. Vor allem aber wollte sie damit die Planer anregen, bereits im Vorprojekt zusammenzuarbeiten, damit der Standard Minergie-P-Eco zu erreichen ist. Bei der Entwurfsarbeit kann diese Stellung dem Architekten ein Vorteil sein – im Gegenzug muss er aber auch mehr Verantwortung tragen.
Text: Pauline Bach, Architektin