Ersatzneubau Tannenbrunn, Sissach
Offenes Verfahren
60 Zunzgerstrasse, 4450 Sissach
Publikationsdatum
26.10.2015
Auftraggeber
Hochbauamt Basel-Landschaft
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Thomas Jung (Vorsitz), Kantonsarchitekt, Bau- und Umweltschutzdirektion, BUD BL (Kantonsarchitekt BL, Vorsitz),
- Marco Frigerio (Architekt, Hochbauamt BL, Bereichsleiter),
- Marilí Santos-Munné (Architektin),
- Phillipp Kunz (Architekt),
- Vinzenz Reist (Architekt, Hochbauamt BL),
- Urs Giger (Architekt),
Sachrichter
- Beat Lüthy (Schulleiter Sek 1, Sissach),
- Petra Schmidt (Steuerung Raumressourcen, Bildungs- Kultur- und Sportdirektion BL),
- Peter Buser (Gemeindepräsident, Sissach),
- Matthias Schafroth (Schulleiter Sek. 1 Sissach),
Wettbewerbsresultat
Mit dem Beitritt zur interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule «HarmoS» verkürzt sich im Kanton Baselland die Sekundarstufe von vier auf drei Jahre. Zusammen mit der Einführung des Lehrplans 21 und der Umsetzung des Bildungsgesetzes 2002 werden verschiedene Schulen an den beiden Standorten Sissach und Gelterkinden zusammengeführt.
Die ursprüngliche Schulanlage Tannenbrunn in Sissach stammt aus den 1950er-Jahren. Sie wurde in den 1970er-Jahren erweitert und soll nun mit einem Neubau ergänzt werden. Neben Klassenzimmern und Gruppenräumen umfasst das Raumprogramm auch eine Aula mit Bühne sowie einen Aufenthaltsraum für den Mittagstisch. Für diese Aufgabe hat der Kanton Baselland einen einstufigen Projektwettbewerb im offenen Verfahren ausgeschrieben. Es wurden 26 Beiträge eingereicht.
Der Beitrag «Enkelin» von Lukas Back gewinnt den Wettbewerb mit einem gut platzierten Neubau, der zwei Aussenräume mit unterschiedlichem Charakter definiert. Der befestigte Pausenplatz im Norden bleibt weitgehend bestehen, während im Süden ein neuer Garten entsteht. Das mit Glas ausgefachte Betongerippe des neuen Gebäudes nimmt Bezug auf die Architektur der 1950er-Jahre und passt sich wie ein Chamäleon in die Gesamtanlage ein.
Über eine Eingangshalle sind sowohl die Aula als auch der Aufenthaltsraum für den Mittagstisch erschlossen. Beide Räume sind auf die jeweiligen Aussenräume ausgerichtet und können auch zusammen genutzt werden, indem der Aufenthaltsraum bei grösseren Anlässen zum Foyer der Aula wird. Über eine grosszügige Treppe gelangt man zu einer zweigeschossigen «Lernhalle» im ersten Obergeschoss. Diese zenital belichtete Halle bildet nicht nur ein zusätzliches Angebot, sondern verbindet die beiden Unterrichtsgeschosse auch visuell.
Das Projekt überzeugt mit der präzisen Setzung des Neubaus, der zwei klar begrenzte unterschiedliche Aussenräume generiert. Innenräumlich ist das Projekt einfach und schlüssig gegliedert. Im Erdgeschoss mit direktem Aussenbezug befinden sich Aula und Aufenthaltsraum, in den beiden Obergeschossen die um eine grosszügige «Lernhalle» gruppierten Unterrichtsräume.
Das Projekt «Schlussstein» auf dem zweiten Rang setzt auf einen lang gestreckten, niedrigen Kubus und ein vorfabriziertes Tragwerk. Der weitgehend stützenfreie Innenraum und die umlaufenden Fluchtbalkone garantieren grosse Flexibilität. In seinen Gesamtabmessungen und der Materialisierung der Fassaden konnte der Beitrag aber nicht überzeugen.
Eine ähnliche Haltung wie der Beitrag «Enkelin» entwickelt das Projekt «Pisa» auf dem dritten Rang. Hier hat das schön artikulierte und sensibel gestaltete dreigeschossige Gebäude überzeugt. Neben strukturellen Mängeln vermisste die Jury aber vertiefte Überlegungen zur Haustechnik, zum Brandschutz und zur Behindertengängigkeit.
Text: Jean-Pierre Wymann, Architekt ETH SIA BSA, Mitglied der Wettbewerbskommission des SIA