Ersatzneubau Alterspsychiatrie, St. Urban
Offenes Verfahren
Schafmattstrasse, 4915 Sankt Urban
Publikationsdatum
28.10.2015
Auftraggeber
Kanton Luzern / Finanzdepartement
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Urs Mahlstein (dipl. Arch. ETH/SIA, Kantonsbaumeister, Vorsitz),
- Regula Harder (Arch. ETH/SIA/BSA, Zürich),
- Urs Birchmeier (Arch. ETH/SIA, Zürich),
- Patrick Ambauen (Arch. HTL, Emmenbrücke),
- Hanspeter Häfliger (Leiter Betriebswirtschaft und Infrastruktur Luzerner Psychiatrie),
- Hansjörg Blaser (Leiter Technischer Dienst Luzerner Psychiatrie),
Sachrichter
- Peter Schwegler (Direktor Luzerner Psychiatrie),
- Julius Kurmann (Dr., Chefarzt Stationäre Dienste Luzerner Psychiatrie),
- Stefan Kuhn (Leiter Pflegedienst Luzerner Psychiatrie),
- Kathrin Estermann (Arch. FH/MAS BA, Projektleiterin Dienststelle Immobilien),
- Markus Hartmann (Arch. FH/Bauökonom AEC, Projektleiter Dienststelle Immobilien),
Wettbewerbsresultat
Um auch künftig stationäre Alterspsychiatrie am Standort St.Urban in Pfaffnau anbieten zu können, schrieb die Luzerner Psychiatrie (lups) einen offenen Projektwettbewerb für einen Ersatzneubau aus. Die Ausschreibung sieht in der ersten Bauetappe zwei generelle alterspsychiatrische Akutstationen und eine spezialisierte für psychiatrische Langzeitbehandlung vor. In einem optionalen Erweiterungsbau soll das Angebot um zwei weitere Stationen ausgebaut werden können und die Gebäude aus den 1970er-Jahren ergänzen.
Die an die Klinik angrenzende Klosteranlage – errichtet im 18. Jahrhundert vom Vorarlberger Baumeister Franz Beer – ist eines der eindrücklichsten Beispiele barocker und zisterziensischer Baukunst der Schweiz. In diesem Kontext war ein zurückhaltendes Projekt gesucht, das sich zwischen die bestehenden Klinikbauten eingliedert und gleichermassen die funktionalen und wirtschaftlichen Vorgaben der Auftraggeber erfüllt.
Gleich ein Volltreffer
Von den 47 eingereichten Projekten wurde der Beitrag «animula» der Basler Arbeitsgemeinschaft MOC mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Hinter MOC stehen die beiden jungen polnischen Architekten Ewa Misiewicz und Blazej Janik, die sich im Studium an der Schlesischen Technischen Universität in Gleiwitz kennengelernt haben. Nach dem Studium arbeiteten sie einige Jahre in renommierten Architekturbüros in Basel und Zürich. Seit drei Jahren ist Blazej Janik selbstständiger Architekt und erstellt zudem Architekturvisualisierungen als Auftragsarbeiten unter dem Namen Janik Studio. Der Wettbewerb für die Alterspsychiatrie in St. Urban ist ihre erste Zusammenarbeit – die gleich mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde. Für die weitere Planung und Ausführung werden sie eine Arbeitsgemeinschaft mit einem Baumanagementbüro aus Luzern eingehen.
Auf dem Klinikareal neben der Klosteranlage schlagen Misiewicz und Janik einen quadratischen, dreigeschossigen Baukörper vor. Durch die Grösse, die einfache Volumetrie und die verputzten, horizontal gegliederten Fassaden fügt sich der Neubau gut in den Kontext ein. In der Gesamtanlage wirkt der neue Baustein zurückhaltend, bekommt jedoch durch die liegenden, gleichmässig gesetzten Fenster einen eigenständigen Ausdruck. Die Organisation im Innern ist einfach und klar konzipiert. Durch die geschickte Anordnung von zwei Höfen können fast sämtliche Nutzräume natürlich belichtet werden. Diese Höfe öffnen sich gegen verschiedene Seiten zur Umgebung, wodurch attraktive und wohnliche Aussenräume mit Ausblick entstehen – gegenüber Lösungen mit geschlossenen Höfen ein deutlicher Mehrwert. Die Verkehrswege in den Stationen sind als «Rundläufe ohne Sackgassen» ausgelegt, wie dies vom Auftraggeber gewünscht wurde. Der Ersatzneubau ist, wo möglich, barrierefrei angelegt. So auch die beiden Demenzgärten, die mit den Innenhöfen verbunden sind. Die rückwärtige Anlieferung im Untergeschoss fügt sich gut in die Umgebung ein.
Die Architekten legten beim Entwurf grossen Wert auf den Einsatz von natürlichen Materialien. Die gelungenen Visualisierungen – hier wird die langjährige Erfahrung von Blazej Janik erkennbar – zeigen die wohnliche Atmosphäre der Innen- und Aussenräume und machen das negative Bild von Kliniken vergessen. Im Aussenraum sind die Wege weitgehend neu gestaltet: Die Verbindungen sind logisch angelegt und werten das Areal auf. Der als zweite Etappe vorgeschlagene Erweiterungsbau mit zwei Stationen im Westen des Neubaus passt sich ebenfalls gut in die bestehende Anlage ein. Der Beitrag der Arbeitsgemeinschaft MOC kann auf allen Ebenen überzeugen, nicht zuletzt wirtschaftlich: Die Investitionskosten beim Siegerprojekt liegen im Quervergleich zu den übrigen Projekten im unteren Bereich.
Die weiteren rangierten Projekte schlagen ebenfalls kubische Volumen mit Innenhöfen vor, die dem Gewinnerprojekt in vielen Belangen ähnlich sind. So der zweite Preis «Louisadore» von Proplaning Architekten aus Basel. Auch dieses Projekt fügt sich unaufdringlich in den Bestand ein und weist grosse Qualitäten auf in der Art, wie es die vorhandene Anlage weiterführt. Die innenräumliche Konzeption mit zwei grünen Höfen ist gut gelöst, das Stationszimmer kommt dazwischen zu liegen und bildet so ein «brückenartiges Zentrum». Die Zimmer sind rund um dieses Zentrum übersichtlich angeordnet, was betrieblich einen Gewinn darstellt. Einzig die Ausrichtung des Aufenthaltsraums gegen den Hof kann nicht überzeugen, und die Jury stellt sich die Frage, ob diese introvertierte Positionierung dem Wohlbefinden der Patienten zuträglich ist. Zudem scheint der hohe Glasanteil der Fassaden nur bedingt geeignet für Klinikzimmer, obschon der pavillonartige Fassadenausdruck einen anregenden Dialog mit der Umgebung eingeht.
Die Wettbewerbsaufgabe suchte nicht nach Autorenarchitektur, sondern nach zurückhaltenden Lösungen für die weitere Entwicklung des Klinikareals. Mit dem Beitrag von MOC Arbeitsgemeinschaft hat die Jury unter Vorsitz des Kantonsbaumeister Urs Mahlstein diese gefunden – die räumliche Figur der Innenhöfe und die damit verbundene wohnliche Atmosphäre sind die Schlüsselelemente des Siegerprojekts. Bereits 2017 soll das Gebäude fertiggestellt sein.
Text: Lukas Brassel, dipl. Architekt FH, MAS ETH gta