Ersatzbau Zwischentrakt Schulcampus Stacherholz in Arbon
Offenes Verfahren
32 Stacherholzstrasse, 9320 Arbon
Publikationsdatum
24.06.2016
Auftraggeber
Primarschulgemeinde Arbon, Schulverwaltung
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Diego Gähler (Architekt HBK/BSA/SIA, St.Gallen),
- Daniele Zeo (dipl. Arch. FH, Frauenfeld),
- Andreas Imhof (dipl. Arch. FH/SIA, Kreuzlingen),
- Hanspeter Woodtli (dipl. Ing. FH/SIA, Raumplaner FSU, St. Gallen),
Sachrichter
- Regina Hiller (Schulpräsidium PSG Arbon),
- Raphael Künzler (Schulbehörde, Ressort Bau PSG Arbon),
- Carmen Lüthy (Vizepräsidentin PSG Arbon),
Wettbewerbsresultat
Aufgabenstellung
Die Aufgabenstellung umfasste die Projektierung eines Neubaus oder eines Um- oder Anbaus des bestehenden Zwischentrakts im bestehenden Gefüge.
Namentlich für folgende Bedürfnisse sollten zeitgemässe Räume erstellt werden:
- 4 Klassenzimmer mit Gruppenräumen
- Werkräume textil und nicht textil mit Materialräumen
- Therapie- und Büroräume
Insgesamt wurde mit einer honorarberechtigten Bausumme von ca. 9.5 Mio. gerechnet.
Würdigung
Das Preisgericht empfiehlt der Veranstalterin einstimmig das erstrangierte Projekt Nr. 34 DAS BETT DER HUNDERT VÖGEL zur Weiterbearbeitung.
Das Preisgericht konnte mit Genugtuung feststellen, dass unter den eingereichten Projekten eine grosse Anzahl von insgesamt hoher Qualität vorlag. Der offene Wettbewerb hat für die Primarschulgemeinde ein gutes Ergebnis für die Realisation des Vorhabens gebracht.
Durch den Vergleich der letzten 10 Projekte konnten die Bedürfnisse der Schule, der Denkmalpflege sowie die architektonische Sprache geschärft werden. Alle verbliebenen Arbeiten haben wesentlich zur Lösungsfindung beigetragen. Sie wiesen unterschiedliche ortsbauliche Ansätze auf, ausserdem konnten Projekte mit Neu- und Umbauten in die engere Wahl mitgenommen werden. Die Erkenntnis, dass ein Umbau des Zwischentrakts eine gute Lösung hervorbringen kann, war erfreulich.
Das Siegerprojekt konnte mit der ortsbaulichen Setzung des Neubaus mit Rücksicht auf den Bestand, mit dem sorgfältigen Umbau des bestehenden Zwischentrakts sowie vom schulischen Betrieb her klar überzeugen. Es entspricht der Aufgabenstellung am besten, weist viel Potenzial auf und wurde deshalb zur Weiterbearbeitung empfohlen.
Beschriebe der prämierten Projekte
Das Bett der hundert Vögel (1.Rang, 1.Preis: hutterzoller Architektur)
Der Zwischentrakt bleibt stehen, er wird um- und angebaut, renoviert und vom überdachten Verbindungsweg befreit. Das zusätzlich notwendige Schulraumvolumen wird am Westende vom Schulhaus 1972, gegen Süden, rechtwinklig und bündig angedockt.
Dieser Lösungsansatz ist authentisch, unspektakulär und überzeugend. Die Körnung der Gesamtanlage wird durch die beiden Eingriffe an Primarschulhaus und Zwischentrakt unwesentlich verändert und damit die Qualität der Anlage erhalten.
Der Zwischentrakt wird in seiner Grundstruktur belassen. Die beiden Eingangstreppenhäuser behalten ihre Funktion, eines wird umgebaut, abgeteuft und mit einem Lift ergänzt. Zwischen den aus dem Gebäude vorstehenden Treppenhäusern wird ein neues, bündiges Volumen eingesetzt. Dieses beinhaltet im EG die leicht überhohe Bibliothek und im UG die Materialräume für den Werkunterricht. Diese sind gegenüber dem Normalgeschoss vertieft und können direkt über den Lift oder – leider eher ungünstig für den Ablauf – über eine separate Treppe in der Zwischenschicht zwischen Anbau und Bestand erreicht werden. Der Zwischentrakt beinhaltet im EG nebst den zwei Eingängen die je gegenüberliegenden WC Anlagen, die Bibliothek im neuen Zwischenbau sowie Therapieräume. Im UG gibt es Therapieräume, Werkräume und Nebenräume. Der EG Grundriss ist neu durchgängig von Treppenhaus zu Treppenhaus geplant worden. Dies wurde möglich, weil die dort angeordneten Therapieräume kleinteilig sind. Nicht möglich ist dies im UG, hier muss der Südtrakt behindertengerecht durch die Werkräume erschlossen werden. Durch den Wegfall des überdachten Verbindungsweges gibt es auch keine Eingangsvordächer mehr. Das ist bei den nach Westen gerichteten Eingängen und für den Schulbetrieb ein echtes Manko. Die Gebäude müssen, aus funktionalen Gründen – und auch um dem ursprünglichen Konzept zu entsprechen – mit den Dächern verbunden bleiben.
Baulich wird der Zwischentrakt bis auf die Struktur respektive Betonfassaden zurückgeführt und dann, teilweise erhaltend, neu aufgebaut. So wird auch die Erdbebensicherheit hergestellt. Die Belüftung der Räume erfolgt über Lüftungsgeräte, welche im Bereich der WC-Anlagen aufgestellt sind. Hier stellt sich die Platzfrage.
Der Neubau, ein rechteckiges, teilunterkellertes, kompaktes dreigeschossiges Sichtbetonvolumen wird direkt rechtwinklig an die westseitige Stirnfassade angebaut. Gegen Süden bündig und gegen Norden überstehend. Er wird damit auf der Nordostseite raumbildend. Das Neubauvolumen ist gegenüber dem Bestand etwas höher. Es hat einen eigenen Eingang im Erdgeschoss. Dort befindet sich das Foyer, der Mehrzwecksaal mit rückwärtiger Küche (hier gibt es noch Optimierungspotenzial) sowie die grosszügige Treppenanlage, Lift, Putzraum und Lager. In den beiden Obergeschossen sind es eine Halle, je zwei Klassenzimmer mit schönem Gruppenraum, Treppe, Lift, ein Putzraum und je zwei WCs. Nicht ganz verständlich ist die Befensterung des Anbaues. Diese reagiert in keiner Art und Weise auf den Bestand. Wenn schon angebaut wird, dann soll etwas Schlüssiges, etwas Ganzes entstehen.
Das Projekt liegt mit seinem Volumen im unteren Mittelfeld der Projekte. Der schulische Ablauf funktioniert sehr gut und zum Bisherigen gibt es einfach einen Trakt mehr. Der überdachte Verbindungsweg Richtung Zwischentrakt wird gekappt und zum neuen Westanbau geführt. So sind alle Eingänge des Schulhauses mit diesem überdachten Verbindungsweg gleichwertig erschlossen. Leider ist der Zwischentrakt vom gut funktionierenden, gedeckten Wegenetz abgehängt.
Agora (2.Rang, 2.Preis: gruber locher architekten)
Die Verfasser schlagen vor, den bestehenden zweigeschossigen Zwischentrakt abzubrechen und durch ein in der Struktur ähnliches, jedoch neu organisiertes Gebäude an gleicher Stelle zu ersetzen. Zusätzlich erhält die Anlage ein weiteres, eingeschossiges Gebäude, das parallel zum bestehenden südlichen Klassentrakt platziert wird...
Resonanz (3.Rang, 3.Preis: Planbar)
Das Projekt Resonanz besticht durch seine präzise Setzung und die formal rücksichtsvolle Durchbildung der vorgeschlagenen Volumetrie. Das Gebäude nimmt die wohltuende, vor Ort herrschende Massstäblichkeit in sich auf. Es stärkt mit seiner Aussenraumabfolge das feingliedrige Erschliessungsnetz von Gehwegen, die eine allseitige Anbindung an die umliegenden Quartiere ermöglichen.
Die Modulation des dreigeschossigen Baukörpers mit seinen Vor- und Rücksprüngen reagiert präzise auf die unmittelbar angrenzenden Bauten sowie auf die Architektur des gesamten Bauensembles. Das Gebäude stärkt durch die ausgeprägten Kopfteile die räumliche Gliederung der bestehenden Pausenplätze und Spielwiesen und setzt auf überzeugende Weise die Nutzungen der Sekundar- und Primarschule zueinander in Beziehung. Hinsichtlich einer ortsspezifischen, kohärenten Weiterentwicklung der bestehenden gedeckten Verbindungsbauten, beweisen die Verfasser ein hohes räumliches und architektonisches Verständnis. Sie nehmen die Typologie mit der vom Gebäude losgelösten Überdachung auf, führen sie weiter und verorten die Andockstelle auf vorbildliche Art und Weise im Neubau.
Die Aussenraumgestaltung mit seinen Spiel- und Pausenflächen wird im Grundsatz folgerichtig aus der zentralen Lage des Neubaus und den topografischen Begebenheiten abgeleitet. Das Gesamtkonzept der Umgebungsgestaltung leidet allerdings unter der rudimentären und schematischen Darstellung. Es fehlen die Angaben zum gewachsenen Terrain...
Perlenschnur (4.Rang, 4.Preis: Singer Baenziger Architekten)
Im Projekt Perlenschnur wird der bestehende Spezialtrakt der Primarschule beibehalten und für die heutigen Anforderungen an die Werkräume und Diensteinrichtungen ergänzt. Für die weiteren Räume wie Mehrzwecksaal und Klassenzimmer wird ein Neubau auf der Westseite des Planungsgebiets platziert. Mit diesem zusätzlichen, dreigeschossigen Bau in der Volumetrie des Verwaltungstrakts wird die Abfolge von Einzelbauten, verbunden mit den gedeckten Verbindungen, auf eine räumlich verständliche Weise fortgesetzt und bildet tatsächlich eine Perlenschnur.
Die Überdachung vor dem Klassentrakt wird als gedeckte Pausenhalle ausgebildet. Insgesamt integriert sich der massstäbliche Neubau in die zusammenhängende Anlage der Primarschule um den zentralen Pausenhof und ergänzt den Schulcampus in einer ortsbaulich verträglichen Art.
Der bestehende Trakt wird zwischen den beiden Zugängen mit einer Erweiterung für die Materialräume zu den Werkräumen ergänzt. Der architektonische Umgang mit diesem über das Terrain ragenden Anbau lässt aber Fragen offen. Ansonsten bleiben die heutige Erscheinung und damit der architektonische Ausdruck erhalten. Der Neubau ist als kompakter rechteckiger Baukörper in Beton ausgebildet und schafft mit seiner einfachen architektonischen Ausgestaltung eine optische Einheit mit den bestehenden Bauten...
Cornelius (5.Rang, 5.Preis: rmp architekten)
Nach Abbruch des Werktraktes wird dem Primarschulhaus nordseitig ein zweigeschossiges, in der Höhe abgesetztes, rechteckiges Volumen gegenübergestellt. Dieses liegt in gebührendem Abstand, parallel zum Primarschulhaus und bildet zusammen mit dem kleineren Schulleitungstrakt eine neue, attraktive, baumbestandene Platzsituation. Mit dieser Lösung bleibt die Körnung der Gesamtsituation erhalten, weil ähnliche Proportionen schon im Bestand des Sekundarschulhauses zu finden sind. Die Primarschule wird durch die Hofbildung funktional akzentuiert ohne dass der Gesamtcampus darunter leidet. Mittels der vorhandenen Wegüberdachung wird der Neubau am Bestand angebunden. Ob das nötig ist, ist fraglich, da eine ungünstige Verzahnung von alt und neu provoziert wird...
Text: Auszug aus dem Jurybericht