Spitäler haben ihr Erscheinungsbild dramatisch verändert: In den 1970er-Jahren waren sie noch monströse Maschinen mit hohen Bettentürmen. Mittlerweile müssen sie Orte sein, an denen man sich gern aufhält und die Wohnlichkeit ausstrahlen. Dies gilt besonders für psychiatrische Abteilungen und mehr noch, wenn es sich um junge Patienten handelt.
In Liestal ist auf dem Areal der Psychiatrie Baselland das neue Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) geplant. Die KJP ist Kompetenzzentrum für die Behandlung von Essstörungen. Neben der Weiterführung der Psychotherapiestation mit acht Betten für junge Frauen soll eine Abteilung mit zwölf Betten für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen und Krisen entstehen. Das Programm forderte einen stationären und einen ambulanten Teil.
Im Wettbewerb mussten die Planer eine Lösung finden, die ihren Platz zwischen den bestehenden Gebäuden findet und sich in das abschüssige Gelände einpasst. Zehn Architekturbüros wurden nach der Präqualifikation zugelassen.
Offensichtlich schlugen sich die Parameter der Parzelle in der Form nieder: Durch Wald- und Gebäudeabstände blieb eine fünfeckige Fläche übrig. Drei der fünf Finalisten wählten deshalb ein verzerrtes Pentagon als Grundform für ihre Entwürfe. Die Variante von phalt Architekten aus Zürich setzte sich durch: Sie geht mit den Gebäudekanten hart an die Grenzabstände und präsentiert ein sehr tiefes, aber flaches Gebäude. Das Programm bringen die Architekten auf vier Stockwerken unter, wodurch sich der Neubau gut in seine Nachbarschaft fügt. An seinem oberen Ende ist das Haus lediglich zwei Stockwerke hoch. Die Konkurrenz entwarf wesentlich höhere Gebäude, die bis zu sechs Stockwerke aufweisen, dafür aber sehr schmal bleiben.
Die Tiefe von rund 27 Meter meistert das Siegerprojekt mit einem grosszügigen Innenhof. Dieser bringt nicht nur Licht ins Gebäude, sondern steigert die räumliche Qualität der Klinik, wobei der Gebäudeteil mit der spitzen Ecke durch das Treppenhaus vom Innenhof getrennt ist und wohl eher düster bleiben wird. Der Mix aus Zimmern für Patienten, Besprechungen sowie Schulung, Aufenthalt und Therapie ist gekonnt auf den eckigen Ring aufgeteilt. Je nach benötigter Tiefe wechselt die Ausrichtung der Räume: Mal stehen sie quer zur Fassade, dann wieder längs. Dieses Spiel ist auch in den Fassaden abzulesen. Die unterschiedlichen Formate und Grössen der Fensterbänder drücken die dahinter liegenden Nutzungen aus.
Aufgrund des Innenhofs gehört das Projekt sicher nicht zu den wirtschaftlichsten Kandidaten im Verfahren. Ökonomische Überlegungen haben im Gesundheitswesen oberste Priorität, und die Jury musste ein Projekt wählen, das eine Balance findet zwischen betrieblichen Anforderungen, dem Städtebau und dem Bild einer modernen Psychiatrie. Der Neubau nimmt diese anspruchsvolle Hürde hin zu einer wohnlichen und atmosphärischen Klinik. Mit lichten und offenen Räumen vertreiben phalt Architekten das düstere und unfreundliche Bild, das man sich von der Psychiatrie gemeinhin macht.
Text: Marko Sauer, Architekt