Ersatz Pfarreigebäude, Römisch-Katholische Pfarrei St. Maria Ins
Offenes Verfahren
8 Fauggersweg, 3232 Ins
Publikationsdatum
13.12.2016
Auftraggeber
Römisch-Katholische Kirchgemeinde Seeland Lyssvertreten durch die Pfarrkommission
SIA 142
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Sibylle Thomke (Architektin MSAAD/SIA Biel),
- Francesco Marchini (Architekt ETH Bern),
- Lars Mischkulnig (Architekt HTL/BSA Biel),
- Christian Wahli (Architekt HTL Raumplaner FSU),
Sachrichter
- Daniela Brunner (Präsidentin Pfarrkommission, Vorsitz),
- Patricia Lehmann (Präsidentin Kirchgemeinderat),
- Eberhard Jost (Gemeindeleiter),
Wettbewerbsresultat
Ziel des Wettbewerbs
Mit einem Ersatz oder einem Teilersatz des bestehenden Pfarreigebäudes soll die kirchliche Gesamtanlage kostengünstig an die neuen Bedürfnisse angepasst und ergänzt werden. Gegenstand des Wettbewerbs ist die Projektierung einer schlichten, stimmungsvollen und bewilligungsfähigen Ersatzlösung für das heutige Pfarreigebäude.
Antrag des Preisgerichts
Das Preisgericht beantragt der Veranstalterin einstimmig, die Verfasser des erstrangierten Projekts «Thales» mit der Planung und der Weiterbearbeitung des Projekts zu beauftragen.
Empfehlungen zur Weiterbearbeitung
Das Preisgericht empfiehlt der Veranstalterin das Projekt hinsichtlich der folgenden Kriterien zu überarbeiten:
- Eine Feinjustierung der städtebaulichen Setzung ist zu überprüfen. Sowohl auf Kirchen- als auch auf Strassenniveau würde das Projekt von einer leichten Verdrehung gegen Süden – mit der Westecke als fixiertem Punkt – profitieren.
- Die aussenräumlichen Qualitäten und Beziehungen sind in Zusammenarbeit mit einem Landschaftsarchitekten zu entwickeln. Dies betrifft sowohl die Velo- und Autoabstellplätze und den Ankunftsplatz entlang des Fauggersweg als auch den gesamten Aussenraum auf Kirchenniveau. Es ist ebenfalls zu prüfen, ob die Veloabstellplätze nicht auf dem Ankunftsplatz vorgesehen und dafür zwei Autogaragenplätze angeboten werden können.
- Eine genügende Belichtung und der Aussenbezug des Unterrichtsraumes sind zu gewährleisten, und die vollflächige Verglasung der Büroräume auf Strassenniveau ist zu hinterfragen.
- Die Eingangssituation im Untergeschoss ist aus architektonischer und aus betrieblicher Sicht zu überarbeiten.
- Die technisch aufwendige Materialisierung des Daches in Sichtbeton erachtet die Jury konzeptionell als nicht zwingend notwendig und regt an, die Wirkung des bestehenden Kirchendachs auf eine mögliche Anlehnung hin zu analysieren.
- Die Sakristei kann aus denkmalpflegerischer Sicht nicht am vorgeschlagenen Standort angebaut werden. Im Zusammenhang mit der Kirchensanierung müssen Alternativlösungen gefunden werden.
Rangierte Projekte
Thales (1. Rang, huber waser mühlebach)
Das Projekt thales schlägt ein kompaktes, 2-geschossiges Neubauvolumen in der südlichen Ecke des Grundstückes und parallel zum Fauggersweg vor. Eine zurückversetzte Freitreppe führt entlang der Nordostfassade zum Kirchenvorplatz. Das Projekt zeichnet sich durch seine klare und eigenständige Volumetrie und die Schaffung von schönen Bezügen zwischen Bestand und Neubau aus - nicht zuletzt auch durch das sich gegen die Kirche hinneigende Dach.
Städtebaulich ist das Volumen präzise und gegenüber dem Kontext sensibel gesetzt. Seine Dimensionen und seine Dachgestaltung bauen eine spürbare Verwandtschaft zur bestehenden Volumetrie auf. Die Spannung des Projektes liegt darin, dass die Kirche als Solitär in einem sie umfliessenden Landschaftsraum freigespielt wird und gleichzeitig die Möglichkeit zur Schaffung von intimeren Aussenräumen gewährleistet bleibt. Geschickt werden denn auch programmatische Bezüge zwischen Kirchenraum, Saal und Unterrichtsraum über den als Begegnungsplatz bezeichneten Aussenraum hergestellt. Der Ankunftsplatz am Fauggersweg und der breite Treppenaufgang schaffen eine respektvolle und spannungsreiche Sichtbeziehung zum denkmalgeschützten Gebäude und bilden einen würdigen Zugang zum Eingangsniveau der Kirche.
Die pragmatische Lösung für die Parkierung entlang des Fauggerswegs entspricht zwar dem Wettbewerbsprogramm, die Überlappung mit dem Ankunftsplatz und die unmittelbare Ausrichtung der vollflächig verglasten Büros auf die Parkplätze werden aber als wenig attraktiv angesehen.
Die architektonische Ausformulierung des Gebäudes als monolithisch anmutendes, in Sichtbeton gehaltenes und innen isoliertes Volumen mit fokussierter Befensterung erscheint plausibel. Die Jury schätzt die Konsequenz des Vorschlages, bezweifelt jedoch, dass eine genügende Belichtung des Unterrichtsraumes sichergestellt werden kann. Die in der Südwestecke auf Niveau Fauggersweg für den gedeckten Zugang zum Bürogeschoss vorgeschlagene Auflösung des Volumens an seinem «schwersten» Punkt wird als konzeptioneller Schwachpunkt des Projektes betrachtet.
Innenräumlich werden vor allem die Organisation und die nutzungstechnische Flexibilität des Erdgeschosses mit seinem grosszügigen Bezug zum Begegnungsplatz und der Kirche gewürdigt. Ein noch etwas konsequenterer Umgang mit dem von flexiblen Raumaufteilungen umgebenen Kern könnte die Projektidee zusätzlich stärken. In diesem Zusammenhang wird die mit einem Sturz ausgebildete, verglaste Trennwand zwischen Unterrichtsraum und Foyer in Frage gestellt. Im Untergeschoss werden die programmatischen Anforderungen erfüllt. Aus betrieblicher Sicht als problematisch erachtet wird der Zugang zum Lift bei unbesetztem Sekretariat.
Die gestalterische Ausformulierung des Aussenraumes wird lediglich im Projektbeschrieb vage angedeutet. In den abgegebenen Plänen fehlen noch jegliche Angaben zu Materialisierung und Stimmung dieser Räume. Die vorgeschlagene Lage für den Kinderspielplatz sozusagen auf der Kanzel bei der Freitreppe wird als ungünstig erachtet.
Aus denkmalpflegerischer Sicht werden das Freispielen und die Sichtbarkeit der Kirche begrüsst. Der Anbau der Sakristei im Norden der Kirche wird jedoch als nicht machbar eingestuft, da zu diesem Zweck die in die Backsteinmauer integrierten, sorgfältig detaillierten Kerzenhalterungen zerstört werden müssten.
Die behandelten Themen wie Konstruktionsweise, Materialisierung und Sonnenschutz zeigen auf, dass das Erreichen des angestrebten Zieles Minergie P Eco möglich ist. Der Projektvorschlag weist im Vergleich eine kleine Geschossfläche und ein Gebäudevolumen im unteren Drittel aller eingereichter Projekte auf. Dies lässt auf durchschnittliche Investitionskosten schliessen. Der Landverbrauch ist durch den kompakten Baukörper relativ klein.
Gesamtwürdigung
Das Projekt thales zeichnet sich durch seine sorgfältige städtebauliche Setzung und schöne innenräumliche Stimmungen aus. Geschickt verwebt es die verschiedenen Niveaus des Kontexts, die Kirche und das Raumprogramm zu einem stimmigen Ensemble. Thales schlägt einen selbstbewussten und gegenüber dem Bestand respektvollen Neubau vor, der es schafft, die Gesamtanlage als Ganzes zu klären und aufzuwerten.
Einfriedung (2. Rang, Stereo Architektur)
Die Verfasser schlagen einen langgezogenen, zweigeschossigen Baukörper vor, welcher leicht geknickt ist und dem Strassenverlauf folgt. Das Volumen besetzt einen grossen Teil des Grundstücks entlang der Strasse und verdeckt somit den Blick auf die Kirche.
Die Anlage weist eine umlaufende Mauer auf. Die Kirche wird dadurch eingerahmt und zum Hauptbau im geschlossenen Garten, dem so genannten «Hortus conclusus». Am Fauggersweg wird die Einfriedung niveaubedingt zur Stützmauer. Das für den Ort typische Thema der Stütz-/ und Umfriedungsmauern wird aufgenommen und für die Kirche uminterpretiert. Durch die Einfriedung entsteht ein klar definierter Aussenraum mit hoher Aufenthaltsqualität.
Die Anlage ist von zwei Seiten her zugänglich. Vom Dorf kommt man über einen in die Stützmauer eingelassenen überdachten Treppenaufgang auf das Kirchenniveau. Aus dem Quartier gelangt man von Westen über einen kleinen Weg direkt auf den zentralen Platz.
Kirche und Pfarreigebäude bilden eine räumlich gefasste Hofsituation, welche an den Enden durch Bäume begrenzt ist. Der Hof ist mit Steinplatten belegt und durch seine zentrale Lage allseitig begeh- und nutzbar.
Das Ensemble wird auf drei Seiten von Gartenbereichen umspannt, welche unterschiedliche Nutzungen wie Kinderspiel, Feuerstelle und Rosengarten aufnehmen.
Diese Gartenbereiche knüpfen an die direkte Umgebung mit Einfamilienhäusern und Gärten an. Das neue Element der umschliessenden Gartenmauer verliert seine Bedeutung und ist daher nicht verständlich. Die östlich der Freitreppe ausgebildete Kanzel wird ebenfalls als Garten definiert und mit einem Obstbaum ausgezeichnet. Ob diese Gestaltung dieser Lage angemessen ist, wird bezweifelt.
Das neue Pfarreigebäude setzt sich aus einem in die Umfassungsmauer eingelassenen muralen Sockelgeschoss sowie einem darauf aufgesetzten eingeschossigen Holzbau mit flach geneigtem Satteldach zusammen. Der Neubau weist angenehme Raumproportionen und spannende Aussenraumbezüge auf.
Auf dem Hofniveau sind die öffentlichen Nutzungen wie der Saal und der Unterrichtsraum untergebracht, welche durch ein grosszügiges Foyer miteinander verbunden sind. Die Räume sind zur Strasse und zum Hof hin verglast und lassen sich zum Platz hin grosszügig öffnen.
Auf dem Strassenniveau befinden sich die Büroräume welche zur Strasse hin orientiert sind. Das Sockelgeschoss ist gut organisiert, und besticht durch den seitlich angelegten Lichthof. Leider ist die Qualität der Räume mit Sicht auf die Parkplätze nicht hoch. Eine Ausrichtung der Büros zum Patio hin wäre zu überprüfen.
Aus denkmalpflegerischer Sicht wird das Freilegen der Kirche begrüsst. Hingegen ist der neu nördlich geplante Anbau der Sakristei nicht möglich. Die Wirkung des bestehenden, sorgfältig in die Backsteinmauer integrierten Kerzenaltars soll dem Kirchenraum erhalten bleiben.
Das Pfarreigebäude besteht aus einfachen Materialien und ist zweckmässig gebaut. Das Projekt weist eine mittlere Flächen-/ und Volumenzahl auf. Bedingt durch die Umfassungsmauern in der Aussenraumgestaltung ist mit leicht höheren Baukosten zu rechnen, was sich auch auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.
Gesamtwürdigung
Beim Projekt «Einfriedung» handelt es sich um einen sehr stimmungsvollen und eigenständigen Beitrag. Die Jury anerkennt die präzise Ortsanalyse und schätzt die feinfühlige Gestaltung des Projektes und der Pläne.
Durch das Einfügen einer Umfassungsmauer entsteht ein neuer Ort mit einer hohen Identität und Atmosphäre. Das Pfarreigebäude integriert sich auf eine selbstverständliche Art und Weise in die neue geschaffene Gesamtanlage und bildet ein stimmiges Ensemble mit der Kirche.
Leider funktioniert das Projekt nur bei einem Verzicht der Sakristei am bestehenden Ort, da der Standort der Aussentreppe nicht verschoben werden kann. Zudem steht die auf den ersten Blick bestechende Idee der Einfriedung im Widerspruch mit dem Wunsch der Kirche sich zum Dorf und der Bevölkerung hin zu öffnen.
Am Platz (3. Rang, ARGE Giulio Bettini dipl. Architekt ETH / SIA, Atelier Penzis und Sima Breer Landschaftsarchitektur, Rolf Beer)
Mit «Am Platz» schlägt das Verfasserteam ein kompaktes, annähernd quadratisches Neubauvolumen in der südlichen Ecke des Grundstückes vor, das sich gegenüber dem Fauggersweg leicht abgewinkelt über die Stützmauerkante schiebt. Entlang der Nordostfassade führt eine vom Fauggersweg zurückversetzte Freitreppe zu einem Platzraum, der zwischen Kirche und Neubau vermittelt.
In seiner Körnung integriert sich das Volumen angemessen im Quartier und spielt die Kirche in einem sie umfliessenden Landschaftsraum weitgehend frei. Mit dem sich gegen den Bestand hin aufrichtenden Giebeldach wird dem Kirchturm ein starkes Pendant gegenübergestellt. Der Aufgang zum Kirchenniveau ist richtig platziert, und die leichte Absenkung der wegbegleitenden Stützmauer bildet eine einladende Geste. Nur die Ausführung ohne Zwischenpodeste entspricht nicht ganz der Dimensionierung und Funktion der Treppenanlage.
In Bezug auf die landschaftsarchitektonischen Ansätze führt das Zurücksetzen des neuen Gebäudes auf Niveau Fauggersweg zu einer grosszügigen Öffnung des Vorlandes, beengt jedoch auf Niveau der Kirche den verbindenden Platz. Gegen Westen zum Fussweg ist der Platz nicht präzise definiert, und gegen Osten wirkt er abgeschnitten. Die Sakristei ist nur mit einem schmalen Weg direkt an der Fassade der Kirche erschlossen. Es ergibt sich ein unausgewogenes Gleichgewicht zwischen dem an den Fussweg gedrängten, befestigten Kirchplatz und dem Garten der Sinne in der nordöstlichen Grundstücksecke, der an dieser Stelle als zu gross erscheint. Die bestehende Buche verträgt keine Eingriffe im Kronenbereich.
Die Parkierung wird entlang dem Fauggersweg vorgeschlagen. Durch die Ausrichtung der Büroräume gegen Südwesten wird der Problematik des direkten Bezugs zwischen Arbeiten und Parken geschickt entgegengewirkt.
Die architektonische Erscheinung des Gebäudes als pavillonartige Holzstruktur auf einem massiven Sockel mit der Möglichkeit, die Fassaden auf Kirchenniveau grossflächig zu öffnen und damit Innen- und Aussenraum zu verweben, bilden einen bestechenden Ansatz. Das auf die Kirche zustrebende Dach impliziert jedoch eine Dynamik anstelle eines in sich ruhenden Ortes, der nicht dem angestrebten, vertrauten Raumgefühl entspricht. Hinterfragt wird auch die Ausformulierung des Aussenzugangs zu den kollektiven Nutzungen. Zwar wird damit eine direkte Wegführung zum Kirchenraum hergestellt, vom Fauggersweg herkommend ist der Zugang um die Ecke des Gebäudes herum aber umständlich.
Aus denkmalpflegerischer Sicht werden das Freispielen und die Sichtbarkeit der Kirche begrüsst. Der am bestehenden Standort belassene Ersatzneubau für die Sakristei scheint, soweit beurteilbar, unaufdringlich und zweckmässig.
Das Raumprogramm ist auf beiden Geschossen geschickt untergebracht. Auf Kirchenniveau werden überzeugende Bezüge des Foyers, Saals und Unterrichtsraums zur Umgebung hergestellt, und die Flexibilität in der Nutzung ist gewährleistet. Leider widersprechen die nach aussen öffnenden Faltfenstertüren der schutzbietenden Vordachtypologie, segmentieren sie diesen Raum doch in drei einzelne, kleinteilige Bereiche. Die auf Strassenniveau untergebrachten Administrationsräume sind zweckmässig organisiert. Mit ihrer Ausrichtung nach Südwesten erhalten die Büros eine qualitätsvolle und nicht durch die Parkierung obstruierte Belichtung. Aus betrieblicher Sicht ist der Zugang zum Lift über den als Windfang ausgebildeten Vorbereich zu begrüssen, eine interne Treppenverbindung wird vermisst.
Die behandelten Themen wie Konstruktionsweise, Materialisierung und Sonnenschutz zeigen auf, dass das Erreichen des angestrebten Zieles Minergie P Eco möglich ist. Der Projektvorschlag weist im Vergleich eine sehr kompakte Geschossfläche und ein kleines Gebäudevolumen auf. Dies lässt auf durchschnittliche Investitionskosten schliessen. Der Landverbrauch ist relativ klein.
Gesamtwürdigung
Das Projekt «Am Platz» zeichnet sich durch einen sorgfältigen Umgang mit bestehenden Qualitäten vor Ort und schönen innenräumlichen Stimmungen aus. Das Thema eines ausladenden, fast über dem massiven Sockel schwebenden Daches bildet einen poetischen Ansatz, der, konsequenter durchgearbeitet, einen würdigen Beitrag zur Aufgabenstellung leisten könnte.
Hecht (4. Rang, Lebenspol architektur & entwicklungen)
Mit seiner langgezogenen und leicht abgeknickten Form besetzt das neue Pfarreigebäude die südwestliche Grenze der Parzelle entlang des Fauggerswegs und behält einen angemessenen Abstand zur Kirche.
Die heutige Sakristei wird ersetzt und verbindet Kirche und Neubau. Es entsteht eine Komposition, bei der sich die zusammengesetzten Volumina einen nach Westen öffnenden adäquaten Aussenraum fassen und den neuen Kirchenplatz bilden. Vom Fauggersweg aus kann man diesen durch eine neue, an der westlichen Seite des Kirchgemeindehauses positionierte Aussentreppe, erreichen.
Die vorgeschlagene städtebauliche Setzung stellt einen klaren und gut nachvollziehbaren Ansatz dar. Das neue Pfarreigebäude fügt sich durch seine Orientierung und Höhe richtig im Quartier ein.
Entlang der Strasse wird diese Einbindung, Dank der Vorsetzung der östlich bestehenden Gartenwand als Sockel des neuen Hauses, noch verstärkt. Durch die Länge des Gebäudes wird die Präsenz der Pfarrei St. Maria aber leider erst bei der Ankunft auf dem Kirchenplatz optisch spürbar.
Der Kirchplatz ist mit sogenannten Inseln zoniert, so dass unterschiedliche Räume gebildet werden. Auch die grosse Rotbuche wird auf diese Weise in den Platz integriert. Zwei Inseln sind mit einer erhöhten Einfassung versehen, die als Sitzgelegenheit dient. Im Übergang zum Fussweg entlang der Südwestgrenze ist ein Bouleplatz angeordnet, dessen Nutzung zwar begrüsst wird, jedoch an dieser Stelle die Zugangssituation verunklärt. Die Visualisierung des Kirchplatzes kann das eingangs beschriebene Bild einer parkähnlichen Gartenanlage nicht vermitteln.
Die innere Organisation sieht eine sinnvolle Trennung der Funktionen vor. Während sich die für die Leitung vorgesehenen Räumlichkeiten auf der Ebene des Fauggerswegs befinden, sind die für Anlässe gedachten Räume auf dem Niveau der Kirche angeordnet. Ein grosszügiger Luftraum verbindet beide Etagen und ermöglicht den optischen Bezug zwischen öffentlichen und halböffentlichen Bereichen.
Die Typologie des unteren Geschosses ist einfach und funktional gelöst; alle Arbeitsräume orientieren sich jedoch leider direkt auf die nebeneinander gereihten Aussenparkplätze. Ein angemessenes Foyer trennt auf dem oberen Niveau Saal und Unterrichtsraum. Beide Räume sind auf der ganzen Höhe verglast und profitieren von Ausblicken in drei Himmelsrichtungen. Gefühlsvoll öffnet sich der Unterrichtsraum auf einen geschützten Gartenbereich auf der Ostseite. Der Saal ist dagegen strategisch optimal auf der Westseite des Hauses platziert, bietet so ein natürliches Gegenüber zur Kirche und animiert den Hof.
Der massive Sockel aus sandgestrahltem Sichtbeton scheint sowohl topographisch wie ortsspezifisch richtig. Seine Wirkung wird aber durch die unterschiedlichen Öffnungen und deren Abmessungen geschwächt. Im Bezug zur Kirche wirkt der helle Holzbau in seiner äußeren Erscheinung fremd und zerbrechlich. Er lässt die Komposition mit der schützenswerten Pfarrei fragil erscheinen. Durch die unterschiedlichen Holzoberflächen, die sichtbare Dachstruktur und das überflüssige Lichtband wirkt der Saal unruhig und wenig friedlich.
Dank der statischen, konstruktiven und materiellen Bescheidenheit und trotz eines leicht überdurchschnittlichen Volumens ist der Entwurf wirtschaftlich.
Gesamtwürdigung
Insgesamt handelt sich um ein interessantes Projekt, das eine mögliche städtebauliche Antwort bringt, die Betriebstauglichkeit erfüllt, und einen respektvollen Umgang mit der schützenswerten Bausubstanz aufrechterhält. Die Jury bedauert, dass die Verfasser nicht versucht haben, die heutige Präsenz der Kirche im Quartier zu fördern und, dass kein einladender Sichtbezug vom Fauggesersweg geschafft wurde.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)