Café am See in Weesen
Selektives Verfahren
Seepromenade, 8872 Weesen
Publikationsdatum
05.04.2017
Auftraggeber
Politische Gemeinde Weesen, Gemeinderat
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Markus Bollhalder (dipl. Architekt ETH/FH/SIA, St.Gallen),
- Katharina Stehrenberger (dipl. Architektin FH SIA, Zürich),
- Bruno Huber (dipl. Architekt HTL und Gemeinderat, Weesen),
- Rita Mettler (Landschaftsarchitektin, Gossau SG),
- Marilene Holzhauser (Dipl. Ing. FH Raumplanerin, St.Gallen),
Sachrichter
- Mario Fedi (Gemeindepräsident),
- Alois Bamert (Gemeinderat),
- Ignaz Gmür (Gemeinderatsschreiber),
- Elisabeth Baumgartner (Gemeinderätin),
Wettbewerbsresultat
Ausgangslage
An zentraler, gut erschlossener Lage nahe am Ortskern zwischen Hauptstrasse und Seepromenade gelegen, verfügt die Gemeinde Weesen über zwei noch unüberbaute Grundstücke. Von diesem Ort aus hat man direkten Blick auf den See und in die Glarner Alpen.
Auf der nördlichen Parzelle befindet sich heute ein Parkplatz, der von der Hauptstrase her erschlossen ist. Die südliche Parzelle wird teilweise als öffentlicher Spielplatz genutzt, der direkt von der Seepromenade her zugänglich ist. Die Topographie fällt zum See hin leicht ab.
Die Gemeinde strebt eine sinnvolle Bebauung und Nutzung der beiden Grundstücke an und sieht dazu eine qualitativ hochstehende Wohnüberbauung mit öffentlich zugänglichem Gastronomie-Betrieb an der Haupstrasse vor. Ob dies ein Café mit Bäckerei / Konditorei oder eine andere Nutzung im Gastronomie-Bereich ist, hat der zukünftige Investor zu entscheiden.
Empfehlung des Preisgerichts
Das Preisgericht empfiehlt der Veranstalterin, das Team des Beitrags Churfirsten mit de Weiterbearbeitung zu beauftragen und mit ihm den Baurechtsvertrag auszuhandeln.
Rangierte Projekte
1. Rang Churfirsten (Dietrich Schwarz Architekten)
Das Projekt «Churfirsten» schaft mit seinem markanten Volumen eine neue Identität am Dorfrand von Weesen. Ähnlich wie bei Bauten der benachbarten Seegemeinden entsteht ein Orientierungspunkt mit positiver Fernwirkung. In der Situation hat das vom See her sichtbare Hauptvolumen einen kleinen Fussabdruck und wirkt in der vorgeschlagenen Dimension für die historische Dorfstruktur verträglich. Die geschickt gewählte Dachform ergibt mit der dominanten Berglandschaft einen stimmigen Eindruck, der gerade im Zusammenspiel mit der Gebäudehöhe entsteht. Gleichzeitig zeigt sich ein attraktives Gesicht zum Städtli wie auch zum See. Der eingeschossige Gewerbeteil mit Café/Bäckerei und Restaurant tritt vom See her volumenmässig kaum in Erscheinung.
Man erreicht das Restaurant/Café über einen Vorplatz der den Bezug zum See von der Strasse ermöglicht. Dieser Gewerbeteil ist nutzungsmässig grosszügig und funktional flexibel konzipiert. Man kann sich darin gut einen Betrieb mit den aufgezeigten Nutzungen vorstellen. Café mit Bäckerei sind zur Strasse und das Restaurant mit Terrasse zum See orientiert. Die Küche mit gutem Tageslicht liegt im Sockelgeschoss und ist über zwei Kleingüterlifte mit dem Restaurant verbunden. Auf der Restaurantebene fehlt das hindernisfreie WC. Eine zusätzliche Bewirtung im Sockelbereich ist auf dem Niveau der Seepromenade möglich, was sich auch für erweiterte Spezialanlässe zum See anbietet.
Durch die geschickte Setzung von Haupt- und Nebenvolumen entsteht ein grosszügiger Zwischenraum, der typologisch wie funktional den örtlichen Gegebenheiten angepasst ist. Die Erschliessung der Tiefgarage ist subtil ins Gelände eingepasst, tangiert im südlichen Bereich aber eine zusätzliche Nachbarparzelle.
Der Park ist einfach, reduziert und auf direktem Wege erschlossen. Die Positionierung des Spielplatzes und der Bühne ist vorstellbar. Die reduzierte Haltung im Freiraum und damit die Konzentration auf die Seesicht ist begrüssenswert, umso wichtiger werden die wenigen neuen Gestaltungselemente. Durch die nur schematische Darstellung im Grundriss und die textliche Aussage «imaginierte Gestade die als zurückgebliebenes ‹Strandgut› im Park das Thema Fischen aufnehmen» sind diese jedoch im Parkbereich nicht erkennbar.
Die Wohnungsnutzung ist unabhängig organisiert und direkt von der Strasse erschlossen. Mit den 15 2½- und 3½ Zimmerwohnungen können verhältnismässig zu den anderen Projekten erfreulich viele BewohnerInnen von der einmaligen Seelage profitieren. Die Wohnungen selber sind gut strukturiert aufgebaut und durch die geschickte Setzung der Giebelfassaden nach Süden und Westen können auch in den Dachgeschossen die Haupträume mit raumhohen Fenstern ausgebildet werden. Die Aussenräume der Wohnungen beschränken sich auf französische Fenster mit zum Teil kleinen Balkonen.
Die Fassaden sind sehr diszipliniert entworfen und mit den traditionellen Fensterproportionen wird trotz der markanten, extrovertierten Gebäudeform die gewünschte Einbindung ins historische Dorfbild erreicht. Die vorgeschlagene Materialisierung mit einem inneren Holzbau ist ortstypisch. Die Klinkerfassade wirkt weniger stringent zur gewachsenen Dorfstruktur. Das kompakte Volumen lässt sowohl energetisch wie wirtschaftlich gute Werte erwarten.
Gesamthaft kann das Projekt «Churfirsten» trotz oder gerade mit seiner markanten Silhouette einen neuen Ort am See für Weesen schaffen. Die Gewerbe- wie auch Wohnungsnutzung ist gekonnt entworfen und nutzt den Standort am See optimal. Für die Gemeinde Weesen kann dieser überzeugende Entwurf eine grosse Chance werden, mit einem neuen Anziehungspunkt, der in die Region ausstrahlt.
2. Rang Beau-Rivage (plan b architekten)
Das Projekt am östlichen Zugang von Weesen gelegen, wählt den Bauplatz für die Neubauten nahe der Strasse und profitiert damit von der günstigen Anbindung an die bestehende Städtlistruktur. Mit den neuen Baukörpern zeigt sich im Schwarzplan eine adäquate Körnung: Die mehrgeschossigen Hochbauten und ergänzenden Freiflächen stehen in ausgewogenem Verhältnis zueinander. Die beiden Baukörper sind so gesetzt, dass sie die volumetrischen Eigenheiten der unmittelbaren Umgebung übernehmen und die für den Ort typische Durchlässigkeit zwischen den Baukörpern weiter führen. Der Fussabdruck wirkt kompakt, wenngleich die vermeintlich freigestellten Volumen im Erdgeschoss miteinander verbunden sind. Kunden von Shop und Café wie Bewohner der beiden Häuser profitieren gleichsam vom strassenabgewandten Ankunftsbereich und der einfachen Auffindbarkeit sämtlicher Hauseingänge.
Durch die Setzung der beiden Häuser wird eine sehr gute Freiraumstruktur generiert. Strassenseitig entsteht ein kleiner Platz, welcher den öffentlichen Charakter der Erdgeschossnutzung akzentuiert und Distanz zum steinernen «Schlössli» und zur Strasse schafft. Ein gutes Ankommen ist möglich. Kurzzeit- und Velo-Parkplätze werden folgerichtig hier angeordnet. Parkseitig entsteht eine gut proportionierte und räumlich geschützte Terrasse für Aussengastronomie mit Seesicht. Die Verbindung zwischen Gebäude und Park erfolgt über eine begrünte Terrassierung. Diese wird in der Perspektive jedoch wenig inspirierend dargestellt.
Der Park wird durch ein dichtes Wegenetz übererschlossen und verliert dadurch an Grosszügigkeit. Der Freiraum reagiert auf den Ort und die Topographie. Er profitiert von der klugen Gebäudesezung wird jedoch in der Ausformung zu kleinteilig und überfrachtet gestaltet...
Der Umgang mit der städtebaulichen Situation - für welche teilweise eine Ausnahmebewilligung notwendig wird - und der Grad an Ausnutzung der Bauparzelle werden im vorliegenden Projekt als adäquat eingestuft. Die Volumen sind gut proportioniert und in der Höhe der Umgebung angepasst. Die Qualität des Projektes liegt im öffentlich zugänglichen Erdgeschoss und den angemessen geschnittenen Wohnungsgrundrissen. Fragen tauchen im Zusammenhang mit dem architektonischen Ausdruck auf, welcher besonders im Vergleich der Visualisierungen sichtbar wird. Die Seefassaden müssen strukturell und materialtechnisch mit dem Dach, den übrigen Fassaden und der Loggia in Einklang gebracht werden. Die Pläne zeugen insgesamt von einer sorgfältigen Projektentwicklung.
3. Rang Capri (AMJGS Architektur)
Das Projekt Capri übernimmt die Struktur der offen aufgereihten, kompakten Einzelbauten zwischen Strasse und See. Es kontrastiert damit die hinterliegende, eng zwischen Strasse und Berg gesetzte Häuserzeile und lässt dieser freie Durchblicke.
Die Positionierung des Gebäudes thematisiert die Lücke zum See und lässt den Blick in die Weite zu. Der kleine Fussabdruck des Baukörpers generiert einen grossen Freiraum. Zur Strasse entsteht ein urbaner Vorplatz und zum See eine grosszügige Parklandschaft.
Der steinerne Vorplatz mit Aussengastronomie wird kritisch gesehen, da er eher dem Bild eines städtischen Strassencafés und weniger eines Cafés am See entspricht. Durch die Lage der Tiefgarage kann leider nur eine Baumpflanzung am Rande erfolgen.
Der Höhenunterschied zwischen Promenade und Café wird sanft modellierte und über Rasenstufen erschlossen. Eine wohltuende Grosszügigkeit wird im Parkteil geschaffen der gleichzeitig ruhige Rückzugsräume sowie den geforderten Spielplatz gut thematisch integriert.
Das Gebäude tritt als unregelmässig gegliederter, hell verputzter Solitär in Erscheinung und nimmt die massive Bauweise des Städtli auf, kombiniert sie aber mit einer modernen Formensprache. Die unregelmässige Anordnung der vier Dachfirste gliedert den Kubus und charakterisiert das Gebäude. Das Zusammenfassen einzelner Fenster zu Fensterbändern wirkt unruhig und schwächt das Thema des Kubus.
Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht