Bern baut den Westen aus
Selektives Verfahren
30B Untermattweg, 3027 Bern
Publikationsdatum
28.03.2018
Auftraggeber
Post Immobilien AG, Burgergemeinde Bern in Zusammenarbeit mit der Stadt Bern
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Peter Berger (Architekt, Architektur & Städtebau),
- Christian Salewski (Architekt, Architektur & Städtebau),
- Robin Winogrond (Urbanistin & Landschaftsarchitektin, Freiraum),
- Maik Hömke (Soziologe, Stadtsoziologie),
- Hansruedi Preisig (Architekt, Energie & Nachhaltigkeit),
- Herbert Mössinger (Immobilienentwickler),
Sachrichter
- Jeanette Beck (Bereichsleiterin Raumentwicklung, Stadtplanungsamt Bern),
- Christoph Rossetti (stv. Bereichsleiter Planung, Stadtplanungsamt Bern),
- Hannes Meuli (Bereichsleiter strategische Verkehrsplanung, Verkehrsplanung Stadt Bern),
- Sandro Cibolini (Leiter Portfoliomanager, Post Immobilien AG),
- Michael Heim (Leiter Immobilienentwicklung, Post Immobilien AG),
- Danny Bucco (Leiter Projektentwicklung, Post Immobilien AG),
- Ueli Grindat (Domänenverwalter, Burgergemeinde Bern),
- Bruno Riedo (Domänenverwaltung, Burgergemeinde Bern),
- Rachel Picard (Geografin, Geschäftsführerin QBB, Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem),
Wettbewerbsresultat
Die Stadt Bern wächst nach aussen und verdichtet sich auch im Innern. Am Ostrand fand eben eine Stadterweiterung ihren Abschluss: Der historische Galgenhügel der Bundesstadt ist seit kurzem ein durchgrüntes Quartier mit Dutzenden moderner Stadtvillen. Vor sieben Jahren gab die Burgergemeinde Bern ihre Landreserve zwischen Schosshalde und dem Zentrum Paul Klee für diese lockere Überbauung frei. Dieselbe Grossgrundbesitzerin beteiligt sich auch am Umbau des Quartiers Ausserholligen, im Westen von Bern; diesmal stehen urban gemischte und baulich dichte Transformationsabsichten im Vordergrund. Für das sieben Hektar grosse Gewerbegebiet «Weyermannshaus» haben die Burgergemeinde, zusammen mit der Stadt und der Post Immobilien AG nun ein städtebauliches Zukunftskonzept präsentiert. Vier interdisziplinäre Planungsteams durften dazu ihre eigene städtebauliche Entwicklungs- und Umnutzungsstudie erarbeiten.
Vorschlag des Teams Mühlethaler ausgewählt
Als Grundlage für die Weiterbearbeitung wurde der Vorschlag des Berner Architekten Rolf Mühlethaler ausgewählt. Sein Entwurf entstand aus der Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekturbüro W+S Landschaft und den Verkehrsplanern Transitec. Das Zukunftsbild «Mühlethaler» beruht auf einem breiten Mix aus Baukörpern (von der Hofbebauung bis zum Hochhaus), einer räumlich differenzierten Nutzungsstruktur und einer gefächerten Vernetzung mit der Nachbarschaft. Der Entwicklungsschwerpunkt liegt auf einem sanften Umbau des Areals, mit Umnutzungen und baulichen Ergänzungen anstelle radikaler Abbruchideen. Die übrigen Entwürfe haben dagegen massiver in die bestehende Substanz eingegriffen und damit versucht, den Städtebau eigenständiger zu ordnen respektive die Zwischenräume stärker zu bündeln.
Diese Studien werden nun nicht weiter verfolgt; die Autoren dieser drei Entwürfen waren: das Architekturbüro Futurafrosch, Zürich (mit Andreas Geser und Verkehrsteiner), das Städtebauatelier Van de Wetering, Zürich (mit Hager Partner und MRS Partner) und das Architekturbüro Hosoya Schaefer, Zürich (mit Vetsch Partner und IBV Hüsler). Alle interdisziplinären Teams hatten ihre Studien einer Fachjury vorzustellen, in der neben der Stadt und den Grundeigentümern auch die Quartierkommission vertreten war.
Verdichtung in Etappen
Ziel sei die Transformation des heutigen Industrieareals in ein urbanes, durchmischtes Quartier mit eigener Identität und hoher städtebaulicher Qualität, erklärten Vertreter des von der Stadtbehörde angeführten Entwicklungskonsortiums an einer Medienkonferenz Mitte März. Die Wohnnutzung soll auf 80 % ausgeweitet werden; die restliche Fläche soll weiterhin Platz für Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe bieten, ergänzt durch Einkaufsläden, Gastrobetriebe sowie Kultur- und Begegnungsstätten. Die vielfältigen Nutzungsformen sollen räumlich eng nebeneinander koexistieren.
Der Start der Transformation ist frühestens ab Mitte der 20er Jahre geplant. Aktuell ist die Hälfte des Grundstücks durch Reparaturwerkstätten der Post genutzt; die Baurechtsverträge laufen teilweise erst in 20 Jahren aus. Es werde «eine Verdichtung in Etappen angestrebt», so Stadtpräsident Alec von Graffenried. Eine konkrete Planungsvorlage soll dem Stimmvolk voraussichtlich 2021 vorgelegt werden.
Das Ende des Dornröschenschlafs im Stadtgebiet Ausserholligen, wozu Weyermannshaus gehört, ist absehbar. Die räumliche Entwicklung ist bereits seit über 20 Jahren im Gespräch. «Schliesslich sind nur wenige Standorte im Kanton ähnlich gut erschlossen», betont der Berner Stadtpräsident. Für Bern habe «Weyer West» darum einen hohen Stellenwert. Das grösste Freibad der Schweiz, das direkt daneben liegt, bleibt von den Umbauplänen aber unberührt.
Premiumstandort Ausserholligen
Ausserholligen ist für die Baubehörden der Stadt und des Kantons Bern ein «Premiumstandort mit hohem Entwicklungspotenzial». Der Umbau hat denn auch begonnen; als Vorleistung wurde bereits in die öffentliche Infrastruktur investiert. Vor kurzem wurde ein räumlich erweiterter S-Bahnknoten am Europaplatz in Betrieb genommen (ev. Hinweis auf Sonderheft Europaplatz). Ebenso wurde die städtische Wohnsiedlung im Stöckacker jüngst ersetzt. Geplante Vorhaben in näherer Umgebung sind der neue Campus für die Berner Fachhochschule sowie der neue Hauptsitz des städtischen Energieversorgers ewb.
Text: sda / Paul Knüsel Umwelt/Energie, Stv. Chefredaktor TEC21