Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin
Selektives Verfahren
Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin
Publikationsdatum
24.11.2015
Auftraggeber
Land Berlin
Galerie
Auftraggeber & Jury
Fachrichter
- Jo Coenen (Direktor IBA-Parkstadt, Architekt, Amsterdam/Maastricht),
- Hilde Léon (Architektin, Berlin),
- Wolfgang Lorch (Architekt, Saarbrücken),
- Elke Delugan-Meissl (Architektin, Wien),
- Pat Tanner (Architekt, Biel),
- Johannes Löbbert (Architekt, Berlin),
- Petra Vondenhof-Anderhalten (Architektin, Berlin),
- Brigitte Häntsch (Architektin, Berlin),
Wettbewerbsresultat
Feste soll man feiern, wie sie fallen. Dieses Sprichwort nehmen sich die Organisatoren des Bauhauses zu Herzen und schöpfen mit drei Neubauten aus dem Vollen. Neben einem Neubau für das Bauhaus Museum Dessau (vgl. TEC21 44/2015, «Die böse Form») wird auch das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung in Berlin im Rahmen des Jubiläums saniert und erweitert.
Das seit 1995 bestehende provisorische Bauhaus-Museum in Weimar soll mit dem bereits 2012 in einem Architekturwettbewerb gekürten Entwurf von Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon bis voraussichtlich 2018 ein eigenes Haus bekommen.
Für den Neubau am Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin, einen nicht offenen Wettbewerb ausgelobt, den das Büro Staab Architekten einstimmig gewann.
Entscheidungswille
Fehlte in Dessau die Qualität des Entwurfs oder der Entscheidungswille, um sich auf ein Projekt zu einigen, gibt es in Berlin einen eindeutigen Sieger.
Das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung, Berlin, besitzt die weltweit umfangreichste Sammlung zur Geschichte des Bauhauses. Es ist mittlerweile zu klein geworden und wird den gestiegenen Anforderungen an ein Museum mit Archivfunktion nicht mehr gerecht. Mit der Erweiterung soll es für den Museums- und Archivbetrieb im 21. Jahrhundert bereit gemacht werden. Mit einer Bruttogrundfläche von ca. 6700 m² bietet der Neubau genügend Platz, um in Zukunft allein neue Massstäbe in der Vermittlung sowie in der Präsentation zu setzen. Das Bestandsgebäude soll dann nur noch als Archiv dienen.
Leuchtsignal
Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher äussert sich euphorisch überden Gewinner: «Volker Staab schenkt uns einen Entwurf, der Furore machenwird. (...) Es entsteht eine nachts leuchtende Laterne als Signet auf dem neu entstehenden Platz, der einen Blick auf den Landwehrkanal frei gibt.»
Das zentrale Element des Entwurfes, ein filigraner Turm, ist das Leuchtfeuer, das das Museum besser im Stadtraum verankern und eine sichtbare Präsenz nach aussen schaffen soll. Den Entwurf allerdings allein darauf zu reduzieren, wird seinem gesamten Gestaltungskonzept nicht gerecht. Die wohl gelungenste Leistung von Staab Architekten ist die städtebauliche Verknüpfung der einzelnen Bauten zu einem Gesamtensemble. Die Architekten integrierten die Neubauten, das gesamte Gelände, den alten Gropiusbau und die angrenzenden Strassenräume in ihren Entwurf und Zwischen dem neuen und alten Gebäudeensemble des Bauhaus-Archivs/Museums für Gestaltung haben die Architekten einen spannenden Aussenraum gestaltet. Schnitt und Ansicht ohne Massstab. verbinden die einzelnen Elemente über die neuen, unterirdisch liegenden Ausstellungsflächen miteinander. Der fünfgeschossige, nur von schmalen, leicht schräg gestellten Stahlstützen getragene Turm ist vollständig verglast. Der Bau wirkt transparent und zurückhaltend und trotz seiner Signalfunktion nicht protzig. Durch die Verglasung und von der Dachterrasse aus eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven auf das Bauhaus-Archiv, das selbst wohl das wichtigste Ausstellungsstück der Sammlung ist und so ins Zentrum gerückt wird. Zur Vonder-Heydt-Strasse hin schliesst ein weisser Riegel das Ensemble städtebaulich ab. Zwischen Turm und Riegel entsteht ein Aussenbereich, der von einem Museumsshop und einem Café belebt wird. Der zuvor etwas verloren wirkende Aussenbereich wird von den Architekten so neu geordnet und zoniert. Der Turm markiert sowohl den Beginn der alten «promenade architecturale», die hin zum Gropiusbau führt, als auch den Eingang zum tiefer gelegenen Foyer, dem zentralen Raum im neuen Museumsensemble. Im Süden des Platzes fällt das Gelände sanft ab, hinunter zum Landwehrkanal.
Das neue Museumsfoyer entwickelt sich um einen Patio, die neue Mitte des Ensembles. Durch die verglaste Fassade werden wechselnde Perspektiven über den Patio zum Bauhaus-Archiv oder zu den Neubauten eröffnet, die für den Betrachter immer im Bezug zueinander bleiben. So wird eine einfache Orientierung zwischen den Gebäuden möglich. Über das Foyer betritt man die neuen und die alten Räumlichkeiten, die für eine moderne und flexible Nutzung miteinander verbunden werden. Dem Besucher wird ein fliessender Wechsel ermöglicht. Zur Spree hin wird der Innenhof von der «promenade architecturale» flankiert, und über eine ausladende Treppe gelangt man auf das Höhenniveau des Gropiusbaus. Durch die topografische Einbindung haben Staab Architekten Alt und Neu gelungen miteinander verbunden. Der Neubau bleibt in respektvoller Entfernung zum alten Bauhaus-Archiv und lässt diesem genügend Raum, um seine ganz eigene Atmosphäre zu entfalten zu können.
Leider ist die Fertigstellung erst für das Jahr 2021 geplant. Die Festivitäten finden demzufolge auf einer Baustelle oder an einem anderen Ort statt.
Franziska Quandt Redaktorin TEC21